Zwischen Umbruch und Chance: Fokus auf Deutschland und die USA

FRANKFURT – Beim 23. Lupus alpha Investment Fokus in der Alten Oper Frankfurt trafen sich führende Vertreter der Investmentbranche, um über die jüngsten politischen und wirtschaftlichen Entwicklungen und die Folgen daraus zu sprechen – die Wahl von Donald Trump zum neuen US-Präsidenten und den Bruch der Ampel-Koalition in Deutschland.

Ab hier folgt die Mitteilung der Gesellschaft:

Ralf Lochmüller, CEO von Lupus alpha, sah die mit dem Aus der Koalition auf Eis liegende Rentenreform als eine der zentralen Aufgaben der kommenden Bundesregierung an – allerdings sei die gesetzliche Rente „vermutlich nicht reformierbar“. Daher müsste die betriebliche Altersversorgung weiter gestärkt werden, etwa durch höhere Aktienquoten. Zudem schlug er eine Pflichtmitgliedschaft in Versorgungswerken für eine deutlich größere Verbreitung dieser Säule in der Bevölkerung vor. Zuletzt lobte Lochmüller die Pläne der alten Regierung zur Einführung eines aktienbasierten Altersvorsorgedepots, dessen langfristige Stärke im Zinseszinseffekt liege.

Der ehemalige Bundesminister Thomas de Maizière skizzierte den tiefgreifenden Wandel, den Deutschland angesichts veränderter globaler Machtverhältnisse und Herausforderungen durchmachen muss. Bislang geltende Gewissheiten wie Wohlstand, Sicherheit und funktionierende staatliche Strukturen seien erschüttert. Deutschland müsse mehr Verantwortung für sich selbst übernehmen, anstatt sich auf die USA zu verlassen. Reformen in Bereichen wie Digitalisierung, Föderalismus und Finanzen seien unausweichlich.

Auch auf dem Podium zur US-Wahl sahen die Teilnehmer eine schwierige Situation für Deutschland und Europa. ZDF-Experte Theo Koll betonte, dass die sogenannte Zeitenwende zwar verkündet, aber nicht umgesetzt wurde – nun komme der Schock. Der ehemalige VW-Konzernchef Dr. Herbert Diess stellte fest, dass es in Europa offenbar eine Herausforderung wie Trump erfordert, um aus der Lethargie herauszukommen. Einig waren sich die Experten, dass Deutschland ohne die USA nicht in der Lage sei, Russland standzuhalten. Sollte Trump seine Mehrheit im Kongress nutzen, um sein gesamtes Wahlprogramm umzusetzen, würde das erhebliche Auswirkungen für Europa nach sich ziehen.

Lupus alpha-CIO Dr. Götz Albert und Portfolio-Manager Björn Glück inszenierten folgerichtig das „Begräbnis der deutschen Wirtschaft“ – allerdings nur symbolisch. Tatsächlich sehen sie viele Unternehmen, bei denen es rund läuft. Der Markt belohne deren Erfolge derzeit nicht mit steigenden Kursen, aber sie seien „wie die besten Äpfel im Kühlhaus“, die es zu genießen gelte, wenn die Zeit reif sei.

Professor Markus Brunnermeier von der Princeton University erläuterte den Unterschied zwischen Robustheit und Resilienz in Wirtschaft und Gesellschaft. Im Gegensatz zur Robustheit, also der Absicherung gegen alle Risiken, zeichne sich Resilienz dadurch aus, dass eine Gesellschaft Krisen akzeptieren und die Fähigkeit zur Erholung entwickeln sollte. So sah er auch den Bruch der Ampel-Koalition nicht negativ, wenn man etwas Gutes daraus mache.

Maximilian Biagosch, Global Head of Real Assets bei CPP Investments, dem größten staatlichen Pensionsfonds Kanadas, präsentierte die Investmentstrategie seines Hauses. Obwohl der Fonds kein explizites ESG-Mandat habe, verfolge er eigene Governance-Standards. Überraschend: Europäische Investments hätten im CPPI-Portfolio sogar bessere Performance als global. „Was uns an Europa gefällt, ist Komplexität“, erklärte Biagosch. Hier gebe es viele kleine Länder mit unterschiedlichen Sprachen, Kulturen und Unternehmen – das passe zur aktiven Strategie des Fonds.

Insgesamt zeigte die Konferenz, dass die politischen Umwälzungen in Deutschland und den USA erhebliche Auswirkungen auf die Finanzwelt haben. Gleichzeitig wurde deutlich, dass viele Unternehmen trotz der widrigen Umstände gut aufgestellt sind und das Potenzial haben, von künftigen Entwicklungen zu profitieren, sofern die Politik die richtigen Weichen stellt.

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