Wenn Sicherheit knapp wird: Covered Bonds

  • Werner Krämer
  • Lazard AM

MÜNCHEN – „Angesichts der steigenden Staatsverschuldungen besteht ein wachsender Bedarf an Alternativen zu klassischen Staatsanleihen“, sagt Werner Krämer von Lazard AM. Da die Alternativen zusehends knapper würden, dürften Covered Bonds seiner Einschätzung nach stärker in den Fokus rücken. Ihre Besonderheit: die doppelte Besicherung durch die emittierende Bank und den Deckungsstock.

„Sicherheit ist im Gegensatz zum Vermögen nicht beliebig vermehrbar“, sagt Werner Krämer, Geschäftsführer und Senior Economic Analyst bei Lazard Asset Management in Deutschland. „Wenn gleichzeitig die Staatsverschuldung weltweit steigt und immer weniger Staaten über ein AAA-Rating verfügen, müssen sich Anleger mit der Frage beschäftigen, wo sie Sicherheit jenseits klassischer Staatsanleihen finden können“, so der Experte weiter.

Doppelte Besicherung als Kernqualität

Covered Bonds bieten aus Krämers Sicht eine mögliche Antwort. Ihr wesentliches Merkmal sei die doppelte Pfandbriefdeckung: „Die zweifache Besicherung ist die Kernqualität von Covered Bonds.“ Dadurch habe der Anleger nicht nur einen Anspruch gegenüber der Bank. „Im Insolvenzfall kommt mit dem Deckungsstock eine zweite Sicherheitsebene hinzu, die nicht in die Insolvenzmasse fällt.“

Von Vorteil ist auch, dass sich das Prinzip des deutschen Pfandbriefs inzwischen weit über Deutschland hinaus verbreitet hat. „Fast alle europäischen Länder verfügen über Covered Bond-Märkte nach dessen Grundkonzeption, hinzu kommen Märkte außerhalb Europas“, erklärt der Experte. Gleichzeitig habe sich das Gewicht innerhalb Europas verschoben. „Frankreich ist im europäischen iBoxx Euro Covered Index mit 26,0 Prozent inzwischen stärker vertreten als Deutschland mit 19,7 Prozent.“ Insgesamt lag der Marktwert des Index Mitte Juni 2026 bei 922 Milliarden Euro.

Risiko und Ertrag im Blick

Auch aus Risiko-Ertrags-Sicht sieht Krämer Argumente für die Anlageklasse. In der historischen Analyse würden Covered Bonds trotz eines im Durchschnitt höheren Ratings sowie einer niedrigeren Duration und Volatilität einen Renditeaufschlag gegenüber Staatsanleihen aufweisen. Daraus ergebe sich eine höhere Sharpe Ratio, also risikobereinigte Rendite, als bei den Papieren in Staatsanleihenindizes.

„Anleger müssen bei hoher Kreditqualität nicht zwangsläufig auf einen Renditeaufschlag gegenüber Staatsanleihen verzichten“, ergänzt Krämer. „Historisch verbinden Covered Bonds ein attraktives Risiko-Ertrags-Profil mit geringeren Schwankungen. Das macht sie zu einer interessanten Ergänzung in Rentenportfolios.“

Diese Eigenschaften haben andererseits ihren Preis. So sind Covered-Bond-Märkte fragmentierter und weniger liquide als die Staatsanleihemärkte großer Kernländer. Hinzu kommen unterschiedliche nationale Rechtsrahmen, Strukturen und Deckungsstöcke. Zwar habe die europäische Harmonisierung das Sicherheits- und Transparenzniveau erhöht und die Vergleichbarkeit verbessert, doch Unterschiede zwischen Ländern und einzelnen Emissionen bleiben bestehen.

Komplexität spricht für aktives Management

Gerade diese Unterschiede sind es, die für Krämer eine genaue Analyse erforderlich machen. „Covered Bond ist nicht gleich Covered Bond“, betont er. Wer sich nur am Rating orientiere, greife zu kurz. Entscheidend seien daneben der rechtliche Rahmen, die Qualität des Emittenten, die Besicherung und die Struktur des Deckungsstocks.
„Je globaler der Covered Bond-Markt wird, desto wichtiger wird die Titelauswahl“, zieht Krämer ein Fazir. „Die Anlageklasse kann einen stabilen Beitrag zu diversifizierten Rentenportfolios leisten. Voraussetzung ist aber, dass Anleger die Unterschiede hinter dem gemeinsamen Etikett genau kennen.“

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