Was die Irrfahrten des Odysseus mit Gold zu tun haben
- Robert Halver
- Leiter Kapitalmarktanalyse, Baader Bank
FRANKFURT – „Gold ist der sichere Weg gegenüber den vielen Irrwegen im Finanz- und Währungssystem“, schreibt Robert Halver, Leiter Kapitalmarktanalyse der Baader Bank. Es sei nicht davon auszugehen, dass das Edelmetall nachhaltig unter Druck gerät – die allgemeine Verunsicherung und Krisennachhaltigkeit mache Gold zu einem sicheren Hafen.
„Odysseus, der große Held der griechischen Mythologie, musste einst lange Jahre umherirren und viele Prüfungen überstehen, bis er den sicheren Heimathafen erreichen konnte. Ähnlichkeiten mit Helden der aktuellen (Finanz-)Welt sind nicht zufällig. Auch sie müssen sich Hindernissen stellen, die sie sich im Gegensatz zu Odysseus allerdings selbst auferlegt haben. Können sie am Ende auch das sichere Ziel erreichen? Zur Sicherheit sollten Anleger den Gold-Weg beschreiten.
Amerika spielt mit seiner internationalen Reputation
Früher war Amerika geopolitisch und wirtschaftlich eine sehr verlässliche Größe. Leider regiert im Moment das Chaos. So erinnert Trumps Umgang mit Putin eher an die Blümchenregel „Er liebt mich, er liebt mich nicht“, nicht jedoch an zuverlässige Außenpolitik. Gegenüber den Nato-Verbündeten in Europa hat Donald Trump sicher recht, wenn er sie als Trittbrettfahrer bezeichnet. Aber auf öffentliche Schimpftiraden sollte er bitte verzichten. Überhaupt legt man sich nicht mit der ganzen Welt an. Das ist einer Weltmacht, die auf Vertrauen, Respekt und Akzeptanz angewiesen ist, unwürdig. Betreiben die USA Masochismus, gerät die geopolitische Statik ins Wanken. Auch das spricht für Gold.
Trumps Zollkrieg, dessen Fronten zudem täglich wechseln und denen so jede Übersicht und Verlässlichkeit fehlt, schädigt nicht nur die Welt-, sondern auch die US-Wirtschaft selbst. Zwei Drittel der Verbraucher erwarten bereits einen Anstieg der Arbeitslosigkeit, der höchste Wert seit 2009. Was über Zölle als Liberation Day verkauft wird, legt Amerika freiheitseinschränkende Handschellen an. Und die zu erwartenden Gegenzölle machen die Sache sicher nicht angenehmer.
Wenn aber das Wirtschaftswachstum nachlässt, fällt der Aktienmarkt. Dieser Vermögensverlust wirkt wiederum erneut negativ auf Konsum, Wachstum und Aktien – ein Teufelskreis. Waren zum Jahresstart US-Aktien noch das Maß der Dinge, ist die Trump-Rallye bereits komplett rückabgewickelt. Wall Street ist nicht mehr der Strahlemann an den Anlagemärkten. Ein weiteres Argument für Gold als sichere Alternative.
Grundsätzlich ist der US-Dollar das Symbol der Stärke Amerikas als Welt-, Wirtschafts- und Finanzmacht. Verliert Amerika auch durch eigene Fehler, bekommt dies auch der Dollar zu spüren. China, Indien und Co. haben auf vielen Feldern aufgeholt und sind mittlerweile selbstbewusst genug, um mit anhaltenden Käufen der Goldwährung dem Dollar als Weltleitwährung entgegenzutreten. Das zieht auch private Anleger an – und spricht ebenfalls für Gold.
Mehr Staat mit mehr Schulden soll offenbar die Lösung sein
Weltweit wird die Staatsgläubigkeit immer größer, nicht zuletzt in der öffentlichen Diskussion. Der angeblich gute Staat beseitigt alle Probleme, wirtschaftlichen Kummer und weltpolitischen Gram wie Meister Proper den Dreck auf dem Küchenboden.
Und diese „edle“ Gesinnung dient auch als Alibi für eine weltweit immer höhere Staatsverschuldung. Zwar sind Schulden per se nicht schlecht. Aber es kommt auf ihre Verwendung an. So ist entscheidend, dass sie zusammen mit Reformen zur Wettbewerbssteigerung verwendet werden, damit sie zukünftig über kräftigeres Wachstum zurückgezahlt werden können. Bislang ist aber beispielsweise das, was man aus den Koalitionsverhandlungen dazu hört, nicht unbedingt erbauend. Und leider besteht die Gefahr, dass Deutschlands Schulden-Mania als Hebel benutzt wird, die Schuldenregeln überall in Europa außer Kraft zu setzen.
Technisch betrachtet ist Kreditgeld zu drucken so einfach wie die Herstellung von Toilettenpapier. Bei Anlegern sorgt das für wachsenden Vertrauensschwund, ob die Bonität als Schuldentragfähigkeit noch gewährleistet ist. Auch dies spricht für das nicht beliebig vermehrbare Gold.
Die Inflation ist gekommen, um zu bleiben
Wenn der Staat massiv Schuldengeld in die Wirtschaft pumpt, kommt es – Vater Staat ist eben keine schwäbische Hausfrau – zu mehr Inflation. Dies gilt vor allem dann, wenn die Produktivitätsverbesserung der Wirtschaft zu kurz kommt. Auch das spricht für Gold.
Gold glänzt über alle Krisen hinweg
Die Dreifaltigkeit – neue amerikanische Politik, Überschuldung und Inflation – liefern handfeste Gründe für die zum Teil euphorische Goldpreis-Rallye seit Oktober 2023. Einzelne Banken sehen bereits einen Goldpreis von 3500 US-Dollar je Feinunze in den kommenden zwei Jahren voraus. Mittlerweile ist jedoch viel Spekulation im Spiel. Mit Konsolidierungen muss zwischendurch gerechnet werden.
Gleichwohl ist nicht davon auszugehen, dass das Edelmetall nachhaltig unter Druck gerät. Die allgemeine Verunsicherung und Krisennachhaltigkeit macht Gold zum sicheren Hafen.
Gold ist der sichere Weg gegenüber den vielen Irrwegen im Finanz- und Währungssystem. Wie Odysseus bewegt man sich mit dem gelben Metall in einem sicheren Hafen.“
