Wachstum schlägt Inflation – KI im Fokus

  • Jeff Blazek
  • Neuberger Berman

MÜNCHEN – Das Wachstum, insbesondere in den USA und Europa, sowie robuste Konjunkturdaten gewinnen an Bedeutung, meint Jeff Blazek von Neuberger Berman, das Inflationsgespenst wiederum verliere an Schrecken. Insofern dürfte der KI-Boom die Gruppe der Mega-Caps weiter vor sich hertreiben.

Gut zwei Jahre lang hat vor allem die Inflation die Märkte bestimmt, erinnert Jeff Blazek, CFA, Co-CIO, Multi-Asset Strategies bei Neuberger Berman. Doch das dürfte vorbei sein, inzwischen scheinen die BIP-Erwartungen für die Märkte wieder wichtiger zu sein. Das zeigte sich unlängst, als überraschend hohe US-Inflationszahlen bekannt wurden – und die Märkte weitestgehend gelassen reagierten. „Anleger müssen umdenken: Nicht mehr die Inflationserwartungen sind entscheidend, sondern die Wachstumserwartungen“, mahnt Blazek.

KI-Boom sorgt für starke Marktkonzentration

„Das Wachstum der Unternehmensgewinne hängt maßgeblich vom nominalen BIP-Wachstum ab“, sagt Blazek. Die langfristigen Realrenditen würden bestimmen, wie stark sie abdiskontiert werden. In den vergangenen 18 Monaten habe das nominale BIP-Wachstum in den USA nachgelassen, da sowohl die Inflation als auch das reale Wachstum zurückgegangen sind. Heute beträgt das Nominalwachstum etwa fünf Prozent,die zehnjährige Realrendite ist allerdings auf etwa 2,1 Prozent gestiegen.

„Solche Zahlen kennen wir aus der Zeit vor der internationalen Finanzkrise von 2008, als das BIP nominal um mindestens sechs Prozent wuchs“, erklärt der Experte. Zusammen mit dem KI-Boom erkläre dies die extreme Konzentration am US-Aktienmarkt in den vergangenen 18 Monaten, wobei die Technologie-Mega-Caps die Performance bestimmten. Einerseits hätten der steigende Diskontfaktor und das nachlassende Nominalwachstum den meisten Aktien 2024 geschadet. Andererseits sei dieser negative Trend aber kaum sichtbar geworden, weil die Faktoren zugleich enorme Investments in Mega Caps zur Folge hatten. Technologie schien der einzige Sektor mit einem ungebrochenen Gewinnwachstum zu sein.

Wachstum im Fokus

Für 2025 scheint der Markt in Bezug auf das Wachstum optimistischer eingestellt zu sein, sodass Anleger vermehrt davon ausgehen, dass der Abstand zwischen Nominalwachstum und langfristigen Realrenditen wieder größer wird, weil das reale BIP stärker wächst, die Inflation nicht steigt und die Realrenditen fallen, wie Blazek erklärt: „Der Optimismus stützt sich vor allem auf den Konjunkturausblick für die USA – hier bleiben die Verbraucher optimistisch, die Arbeitslosigkeit fällt, die Löhne steigen, und der Einkaufsmanagerindex (PMI) für das verarbeitende Gewerbe überrascht positiv.“

Aber auch andere Länder machen seiner Beobachtung nach Fortschritte. Chinas BIP ist im vergangenen Jahr um fünf Prozent gestiegen – nicht zuletzt aufgrund der Erholung von Industrie- und Einzelhandelsumsätzen im 4. Quartal. Dies spreche für die Wirksamkeit der Konjunkturprogramme. Auch Europas PMIs waren überraschend gut; sie zeigen ein so hohes Wachstum an wie seit sechs Monaten nicht mehr. In Frankreich ist es endlich gelungen, mit geringen Zugeständnissen ein Haushaltsgesetz zu verabschieden, und in Deutschland war die Schuldenbremse ein zentrales Wahlkampfthema, was die Hoffnung geweckt hat, dass die deutsche Fiskalpolitik jetzt expansiver wird.

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