Wachsende Unternehmensgewinne treiben Aktienmärkte
- Craig Burelle
- Loomis Sayles
MÜNCHEN – In seinem Outlook auf das zweite Halbjahr rechnet Craig Burelle, Global Macro Strategist beim US-Investmenthaus Loomis Sayles, mit weiter wachsenden Unternehmensgewinnen, die wiederum für weiteres Aufwärtspotenzial an den Aktienmärkten sorgen. Seine Ausführungen.
Mr. Burelle, wie beurteilen Sie die Chance auf steigende Aktienkurse im 2. Halbjahr 2026?
Craig Burelle: „Für die jüngsten Kursgewinne an den Aktienmärkten war vor allem das Gewinnwachstum verantwortlich – und nicht die Ausweitung der Kurs-Gewinn-Verhältnisse. Dieser Trend dürfte sich fortsetzen. Denn KI-bezogene Investitionen treiben die Gewinne an und haben weitreichende Auswirkungen nicht nur im Technologiesektor, sondern auch in der Industrie und bei den Versorgern. Allerdings wird ein anhaltend starkes Gewinnwachstum entscheidend sein, um die positive Marktdynamik aufrechtzuerhalten.“
Wie schätzen Sie das Risiko gegensteuernder Zentralbanken ein, die sich zunehmend mit dem Thema Inflation auseinandersetzen müssen?
Burelle: „Zwar verfolgen die Zentralbanken keine lockere Geldpolitik mehr, doch wir befürchten auch keine Zyklen aggressiver Zinserhöhungen. Sofern die Inflation mitspielt, könnte die Fed schon im ersten Quartal 2027 wieder mit Zinssenkungen beginnen. In der Eurozone, im Vereinigten Königreich und möglicherweise in Japan könnten wir noch einzelne Zinserhöhungen erleben, mehr jedoch nicht.“
Was bedeutet dies aus Ihrer Sicht für die Rentenmärkte?
Burelle: „Benchmarks für Unternehmensanleihen bieten derzeit beeindruckende Ertragsmöglichkeiten; Indizes mit höherer Bonität bieten jährliche Renditen zwischen 3 % und 5 %. Die Übernahme eines höheren Kreditrisikos kann sogar zu aktienähnlichen Gesamtrenditen führen. Wir erwarten, dass die Anlageklasse Gesamtrenditen im mittleren einstelligen Bereich erzielen wird, selbst wenn sich die Kreditspreads nicht verengen.“
