Volatilität im historischen Kontext – Ruhe bewahren!

  • Arne Tölsner
  • Head of DACH Client Group
  • Capital Group

MÜNCHEN – Die Kapitalmärkte durchlaufen zurzeit eine Phase erhöhter Unsicherheit. „Makroökonomische Sorgen, geopolitische Spannungen und geldpolitische Kurswechsel führten zu teils starken Kursschwankungen“, bringt es Arne Tölsner von der Capital Group auf den Punkt. Er rät zu einem kühlen Kopf und einer ausgewogenen Portfoliostruktur.

Zwischenzeitige Rücksetzer gehören nach Arne Tölsners Erfahrung zum Wesen der Kapitalmärkte. Entscheidend sei jedoch, nicht das große Bild aus dem Blick zu verlieren, so der Head of DACH Client Group bei Capital Group. Es lohne der Blick in die Vergangenheit, um aus kurzfristigen Turbulenzen keine falschen Schlüsse zu ziehen.

Marktschwankungen sind die Regel, nicht die Ausnahme

Womit sehr viele Anleger zurzeit ein großes Problem haben – die stark erhöhte Volatilität – ist seiner Einschätzung nach kein Anzeichen für ein Scheitern der Märkte, sondern ein natürlicher Bestandteil der langfristigen Wertentwicklung. Tölsner verweist darauf, dass der S&P 500 im historischen Durchschnitt an 62 Tagen im Jahr Kursverluste von mehr als einem Prozent verzeichnet habe – auch in Jahren mit insgesamt positivem Jahresergebnis.

Unter dem Strich könne Volatilität sehr beunruhigend wirken. Dennoch sollten Anleger emotionale Reaktionen möglichst vermeiden und stattdessen rationale Entscheidungen treffen. Denn gerade größere Rücksetzer würden sich rückblickend oft als attraktive Einstiegsgelegenheiten entpuppen.

Rückschläge bieten langfristige Chancen

Der S&P 500 habe nach Rückgängen von 15 Prozent oder mehr in den jeweils folgenden zwölf Monaten im Durchschnitt eine Rendite von 52 Prozent erzielt, hat der Experte berechnet. Selbst nach Rückgängen von über 20 Prozent – also im Bärenmarktumfeld – habe die durchschnittliche Einjahresrendite immer noch bei 39 Prozent gelegen.

„Das zeigt, wie wichtig es ist, investiert zu bleiben – auch wenn die Schlagzeilen etwas anderes suggerieren“, betont Tölsner. Denn leider zeigt sich immer wieder, dass bei einem unüberlegten Ausstieg in schwierigen Marktphasen das Risiko zunimmt, die stärksten Erholungsphasen zu verpassen und lediglich Verluste mitzunehmen.

Bärenmärkte sind deutlich kürzer als Bullenmärkte

Allerdings müssen Anleger doch bisweilen einige Geduld bewahren. So hätten laut Statistik seit dem Jahr 1950 die Bärenmärkte durchschnittlich lediglich 12 Monate gedauert. Demgegenüber hätten sich Bullenmärkte über rund 67 Monate erstreckt. Als Lohn der Ausdauer fielen die Erholungsphasen bislang also nicht nur häufiger, sondern auch deutlich länger aus. Tölsners Resümee daraus: „Panikverkäufe erfolgen in Krisenzeiten oft zu spät und können sich langfristig wertvernichtend auswirken.“

Diversifikation bleibt das Gebot der Stunde

Die Botschaft des Experten ist eindeutig. Neben einem kühlen Kopf sollten Anleger auch auf eine ausgewogene Portfoliostruktur achten. „Ein gut diversifiziertes Portfolio ist der beste Schutz gegen emotionale Entscheidungen in unsicheren Zeiten“, resümiert Tölsner. „Gleichzeitig ist dies der entscheidende Schlüssel, um langfristig Vermögen aufzubauen.“

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