„Um die Klimaziele zu erreichen, muss das Tempo erhöht werden“

  • Torsten Heidemann
  • Berenberg

FRANKFURT – Am 26. April 2026 jährte sich zum 30. Mal der Tag der Erneuerbaren Energien – ein Tag, der an die tragische Reaktorkatastrophe 1986 in Tschernobyl erinnern soll und darauf abzielt, die Bedeutung erneuerbarer Energiequellen wie Sonne, Wind, Wasserkraft und Biomasse hervorzuheben, wie Berenberg-Manager Torsten Heidemann erklärt.  

Torsten Heidemann, Leiter Infrastructure & Energy bei Berenberg, rückt den Wandel in der Energiebranche in den Fokus, sodass nicht mehr der reine Zubau im Vordergrund stehe, sondern die erfolgreiche Integration erneuerbarer Energien in das Gesamtsystem, die Entwicklung tragfähiger Geschäftsmodelle für die steigende Komplexität sowie die Sicherstellung einer robusten und unabhängigen Versorgung.

„Der Ausbau erneuerbarer Energien bleibt das Fundament der Energiewende – doch 2026 markiert zunehmend den Übergang von einem volumengetriebenen Ausbau hin zu einem stärker systemorientierten Energiemarkt“, präzisiert er. Dabei würden die aktuellen regulatorischen Entwicklungen, insbesondere im Kontext von EEG 2027 und begleitenden Netzinitiativen, eine klare Richtung zeigen. „Der Fokus verschiebt sich von reinen Fördermechanismen hin zu Marktintegration, Flexibilität und Systemverantwortung.“ Für Projektentwickler und Betreiber bedeute dies eine stärkere Einbindung in Marktprozesse sowie eine wachsende Bedeutung von Vermarktung, Standortwahl und technischer Systemfähigkeit.

Probleme der Energieversorgungssicherheit

Gleichzeitig werde deutlich, dass der Ausbau erneuerbarer Energien zunehmend im Spannungsfeld mit der verfügbaren Infrastruktur steht. Netzausbau, Anschlusskapazitäten und Systemsteuerung würden sich weiterhin nicht vollständig im Gleichklang mit dem Zubau entwickeln. Daraus ergebe sich eine stärkere Verzahnung von Erzeugung, Netz und Flexibilitätslösungen – und damit eine neue Qualität der Projektanforderungen.  

Vor dem Hintergrund der aktuellen geopolitischen Entwicklungen sieht er zudem Probleme der Energieversorgungssicherheit. So würden volatile Öl- und Gaspreise die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern verdeutlichen und gleichzeitig die Bedeutung eines robusten, flexiblen und möglichst unabhängigen Energiesystems unterstreichen.

Für Investoren eröffnet diese Entwicklung attraktive Opportunitäten

„Der Kapitalbedarf entlang der gesamten Wertschöpfungskette bleibt hoch, während steigende Komplexität Raum für differenzierte, maßgeschneiderte Finanzierungslösungen schafft“, zieht Heidemann ein Fazit. Dabei könne etwa Private Debt zunehmend eine aktive Rolle als Strukturierungspartner einnehmen und von weniger standardisierten, renditestärkeren Investitionsmöglichkeiten profitieren.

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