Trotz Gegenwind aus den USA: Anleger halten an ESG-Kriterien fest

  • Jenn-Hui Tan
  • Fidelity

MÜNCHEN – Eine institutionelle Studie von Fidelity International zeigt, dass mehr als die Hälfte der befragten 125 institutionellen und professionellen Anlegern in ausgewählten Ländern in Europa und Asien ESG-Kriterien für wichtig halten und in der Portfolioallokation berücksichtigen wollen, berichtet Fidelitys Chief Sustainability Officer Jenn-Hui Tan.

„Der Faktor „Umwelt“ steht an erster Stelle“, präzisiert Jenn-Hui Tan: Der Professional Investor DNA Survey, der in Zusammenarbeit mit Crisil Coalition Greenwich erstellt wurde, zeigt, dass zwei Drittel (63 %) der Anleger das Thema Umwelt für einen wichtigen Faktor halten, gefolgt von Unternehmensführung (58 %) und Soziales (51 %). Insbesondere europäische und institutionelle Anleger würden bei der Portfolio-Asset-Allokation nach wie vor Wert auf ESG-Kriterien legen.

Im Detail gehören Dekarbonisierung, Energiewende und der Erhalt des Naturkapitals zu den drei wichtigsten Themen, was sich sehr wahrscheinlich auf das anhaltende Engagement von Investoren und politischen Entscheidungsträgern zur Erreichung der Netto-Null-Emissionsziele zurückführen lasse, so der Fidelity-Experte. Die Transparenz von Unternehmen stehe dementsprechend an zweiter Stelle, was den Wunsch der Anleger nach einer starken Unternehmensführung unterstreiche.

Schwierigkeiten bei der Messung des Impacts als größtes Hindernis

Gleichwohl gibt es bei der Umsetzung von ESG-Kriterien bei der Asset Allocation einige Hindernisse. Als wesentlich wird dabei die Schwierigkeit bezeichnet, den Impact beziehungsweise die Auswirkungen der Maßnahmen zu messen. Dem stimmten rund zwei Drittel der Befragten zu. Rund die Hälfte der Anleger monierten zudem uneinheitliche Vorschriften oder deren Änderungen als Haupthindernis. In Asien wiederum empfanden 66 % der Anleger das mangelnde Angebot an hochwertigen Strategien bzw. Produkten als Hindernis – verglichen mit nur 31 % in Europa.

Optimistischer Ausblick

„Unsere Studie zeigt, dass ESG in den Köpfen der Anleger nach wie vor präsent ist“, fasst Jenn-Hui Tan die Ergebnisse zusammen. Allerdings seien weitere Fortschritte erforderlich, um Umsetzungshemmnisse abzubauen. Dazu gehören die erwähnten Schwierigkeiten bei der Messung des Impacts von ESG-Anlagen ebenso, wie die Beschaffung und Analyse hochwertiger Unternehmensdaten und der Umgang mit ESG-Regularien. Hier bestünden nach wie vor Diskrepanzen zwischen nationalen, europäischen und globalen Regulierungsrahmen.

Sein Haus setze sich weiterhin für mehr Datentransparenz und -standardisierung sowie für die Harmonisierung globaler Regulierungssysteme ein, die eine bedarfsgerechte Offenlegung ermöglichen, sagt Tan. Überdies plädiert er dafür, den Fokus stärker auf politische Maßnahmen zu konzentrieren, die die Ergebnisse in der realen Welt beeinflussen.
  
Aussicht auf einen positiven Impact

„Wir sind überzeugt, dass die Integration von Nachhaltigkeit in das Anlageresearch und die Portfoliokonstruktion wichtig sind, da sie sich auf die langfristige Wertentwicklung auswirken kann“, betont Tan. Aktive Manager sollten auf dem Weg zu einer nachhaltigeren Wirtschaft eine wichtige Rolle spielen. Doch wie die Studie zeige, gibt es nicht den einen Weg, dies zu erreichen. Tan rät daher, verschiedene Bausteine zu kombinieren, wie etwa Stewardship, Bottom-up-, thematische und systemweite Ansätze.
  
Die befragten Anleger nannten ihrerseits eine Reihe von Möglichkeiten, um am effizientesten eine positive Wirkung zu erzielen – darunter Impact Investing (59 %), ausschließendes Screening (52 %), individuelles Unternehmensengagement (44 %) sowie staatliche Politik und Regulierung 44%).

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