Technologie-Aktien und KI-Trend – Korrektur statt Trendwende

  • Kay-Peter Tönnes
  • Antecedo

FRANKFURT – Die jüngsten Kursrückgänge bei Technologieaktien beurteilt Kay-Peter Tönnes von Antecedo AM als Rücksetzer in einem langfristigen Megatrend. Zinsängste, geopolitische Spannungen und die zuletzt erneut ausgeweiteten KI-Investitionen hätten kurzfristig für Verunsicherung gesorgt. Entscheidend sei jedoch nicht das nächste Quartal, sondern die Ertragskraft der kommenden Jahre.

„An der Börse zählt, was die Tech-Unternehmen langfristig verdienen, und nicht, wie es in den nächsten drei Monaten aussieht“, sagt Kay-Peter Tönnes, Gründer und Geschäftsführer von Antecedo Asset Management. Aus seiner Sicht würden die aktuell deutlich angehobenen Gewinnerwartungen die strategische Bedeutung des Sektors stützen. So seien die Analystenschätzungen für die Gewinne großer US-Technologiewerte für die kommenden Jahre kräftig angehoben worden. Wenn sich diese Dynamik materialisiere, könne das heutige Bewertungsniveau in wenigen Jahren deutlich moderater wirken – und die aktuelle Korrektur müsste im Rückblick eher als Einstiegschance gesehen werden.

Berichtssaison liefert ermutigendes Signal

Gleichzeitig mahnt Tönnes jedoch auch Realismus an: „Am Ende muss sich jede Schätzung beweisen.“ Die laufende US-Berichtssaison liefere dafür brauchbare Indikationen. Viele Unternehmen hätten bislang über den Erwartungen berichtet. Ein Signal, dass die Gewinnnarrative nicht aus der Luft gegriffen seien. Für Anleger bedeute das: Wer langfristig denkt, sollte Rücksetzer nicht reflexartig als Trendbruch deuten.

Besonders kritisch sieht Tönnes eine verbreitete Marktreaktion: Steigende KI-Investitionen würden teils als Risiko interpretiert – mit fallenden Kursen unmittelbar nach den Ankündigungen. „Ich fände es beunruhigender, wenn Unternehmen ihre Investitionen zurückfahren würden. Dann würde ich mich fragen, ob sie selbst nicht mehr an den Trend glauben.“ In seinen Augen wird der Kuchen der künftigen KI-Wertschöpfung gerade verteilt, denn wer heute nicht investiere, könne morgen strukturell ins Hintertreffen geraten.

Einzelwerte im Blick: Microsoft, Alphabet, Nvidia

Bei den großen Playern des Tech-Sektors hebt der Portfoliomanager die Aspekte Robustheit und Finanzierungskraft hervor. Beispielsweise Microsoft. Das Unternehmen, dessen Börsenkurs seit einigen Monaten enttäusche, gelte als KI-Vorreiter. Microsoft könne seine Investitionen aus dem operativen Cashflow stemmen und verbinde Stabilität mit Wachstum. Konkurrent Alphabet habe im KI-Wettbewerb spürbar aufgeholt; höhere Investitionen bei der Google-Mutter wertet Tönnes als strategische Notwendigkeit, nicht als Warnsignal. Bei Nvidia sieht er eine besonders spannende und aussichtsreiche Entwicklung hin zu einem infrastrukturbasierten, stärker verstetigten Erlösmodell und weg vom reinen Chip-Zyklus.

Politische Risiken bleiben größter Unsicherheitsfaktor

Die größten kurzfristigen Risiken verortet Tönnes weniger im Geschäftsmodell der Tech-Konzerne als in der Politik. Unberechenbare Entscheidungen, etwa mit Blick auf geopolitische Eskalationen, könnten jederzeit zu Marktschocks führen. Gleichwohl gelte: Selbst in Stressphasen werde ein struktureller Technologietrend nicht abgewählt. Tech-Aktien seien volatil; Rückgänge von 20 Prozent seien im Sektor nicht ungewöhnlich. „Es kann immer etwas passieren, das nicht auf der Rechnung steht“, resümiert Tönnes. Umso wichtiger sei es, Chancen in strukturellen Trends zu nutzen, ohne Risiken zu ignorieren.

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