Stiftungsfonds-Studie – die besten Angebote

  • Rüdiger Sälzle
  • FondsConsult

FRANKFURT – Bereits zum zehnten Mal hat die Münchner FondsConsult Research GmbH die „Stiftungsfonds-Studie 2023“ erstellt und Stiftungsfonds genau unter die Lupe genommen. Bewertet wurde anhand qualitativer und quantitativer Kriterien, wie Rüdiger Sälzle, Geschäftsführer von FondsConsult, betont – die Sieger mit Noten von sehr gut bis gut.

Stiftungsfonds haben es nicht leicht. Sie müssen einen Zielkonflikt bewältigen: Einerseits sollen sie hohe Erträge erwirtschaften, um das Geld der Investoren zu mehren und den Stiftungszweck zu fördern. Andererseits dürfen sie das investierte Kapital keinen zu hohen Risiken aussetzen.

Das ist schon in einigermaßen ruhigen Börsenphasen schwierig, in den von Unsicherheit geprägten zurückliegenden Monaten war es eine echte Herausforderung. Wie erfolgreich die Fonds im Umgang mit den zahlreichen Störfaktoren waren, hat FondsConsult Research in der „Stiftungsfonds-Studie 2023“ analysiert.

Bewährte Fonds

In der Auswertung, die die Münchner 2023 zum zehnten Mal durchführten, wurden Publikumsfonds berücksichtigt, die einen Track Record von mindestens drei Jahren aufweisen, deren maximale Aktienquote nicht höher ist als 35 Prozent und die ein Fondsvolumen von mindestens 50 Millionen Euro haben. Entscheidend waren die Zahlen zum 30. Juni. Zudem hat FondsConsult nur die ausschüttende Anteilsklasse für die Analyse herangezogen.

Bei den untersuchten Fonds handelt es sich überwiegend um Mischfonds mit defensivem Charakter. Nicht berücksichtigt wurden Immobilienfonds und reine Aktienfonds, die sich gezielt an Stiftungen richten. So unterschiedlich die Herangehensweise und die Performance der Fonds waren – die Studie förderte auch Gemeinsamkeiten zutage. So haben die Fondsmanager in den vergangenen zwölf Monaten ihre Aktienquoten heruntergefahren und von zyklischen zu defensiveren Sektoren umgeschichtet.

„Viele Fonds begegneten den negativen Realzinsen zudem mit einem stärkeren Fokus auf Anleihen aus Schwellenländern in lokaler Währung“, sagt Rüdiger Sälzle, Geschäftsführer von FondsConsult und einer der beiden Autoren der Studie. Der Krieg in der Ukraine veranlasste zudem einige, ihr Engagement in Europa abzubauen. Und die Bankenkrise in den USA hatte zur Folge, dass Fonds den Finanzsektor in ihren Portfolios reduzierten.

Lange Laufzeiten

Auffällig auch: Wegen des Anstiegs der Zinsen nutzten Stiftungsfonds vor allem die Duration, um den Rentenbereich der Portfolios aktiv zu steuern. Gegen Ende des zweiten Quartals setzten viele bei Zinspapieren auf längere Laufzeiten, um sich das höhere Zinsniveau zu sichern.

„Weil die Zinsen nach mehrmaligen Erhöhungen auf einem attraktiven Niveau sind und man in Zukunft von einer expansiveren Geldpolitik ausgeht, haben Stiftungsfonds die Duration in ihren Anleiheportfolios deutlich erhöht, um von den erwarteten Zinsrückgängen zu profitieren“, erklärt Sälzle.

In der Annahme, dass die Zinsen ihren Höhepunkt erreicht haben, rechnen die Anbieter 2024 mit anderen Herausforderungen. Ihr Hauptaugenmerk gilt künftig der Inflationsentwicklung und dementsprechend der Geldpolitik. Die meisten Anbieter erwarten, dass sich die Inflation schrittweise verringert und die Zentralbanken ihre Zinsen senken.

Rezession befürchtet

In Bezug auf die weitere konjunkturelle Entwicklung gehen die Fondsmanager übereinstimmend von einer erhöhten Rezessionswahrscheinlichkeit aus. Wegen möglicher Stagflationsszenarien setzen sie auf der Aktienseite auf dividendenstarke Titel. Auf der Rentenseite favorisieren die Fonds wiederum Anleiheemittenten mit guter Bonität. „Unternehmensanleihen im High-Yield-Bereich sowie Bewertungsblasen im US-Technologiesektor, Stichwort FAANG+ Aktien, stellen in diesem Szenario dagegen erhebliche Risiken dar“, erläutert Dominik Wagner als Co-Autor der Studie.

Wie in den Vorjahren betrachtete die Studie die Stiftungsfonds von zwei Seiten, die jeweils zu 50 Prozent in die Gesamtbewertung eingingen. In der qualitativen Analyse untersuchte FondsConsult die Fondsgesellschaft und das Fondsmanagement, ihre Anlagegrundsätze und deren Umsetzung unter Berücksichtigung von ESG-Aspekten sowie die Kosten.

Die quantitative Analyse erfolgte mithilfe eines standardisierten Scorings für die verschiedenen Kennzahlen. Dazu zählten die Rendite über ein und drei Jahre sowie Sharpe Ratio, Volatilität, Maximum Drawdown und Beta, alle über drei Jahre.

Am besten bewertet wurde der Fonds FvS Foundation Defensive SR des Kölner Anbieters Flossbach von Storch, der es bereits 2022 auf das Siegertreppchen geschafft hatte. Besonders beeindruckt hat die Autoren der Studie der Benchmark-unabhängige Multi-Asset-Ansatz des Fonds und seine große Flexibilität in der taktischen Asset-Allokation, bei der die Fondsmanager hohe Freiheitsgrade genießen. Das gewährleistet laut den FondsConsult-Analysten schon seit Jahren den langfristigen Kapitalerhalt sowie regelmäßig hohe und planbare Ausschüttungen.

Bekannter Gewinner

„Ein weiterer Pluspunkt ist die gute Kombination aus Top-down- und Bottom-up-Elementen, die kontinuierlich im Team diskutiert und im Anlageprozess tief verankert ist“, ergänzt Wagner. Auf der Aktienseite investiert der FvS Fonds aktiv in rund 50 Einzeltitel und reizt seine maximale Aktienquote von 35 Prozent oft voll aus. Auf der Rentenseite konzentrieren sich die Fondsmanager auf Anleihen bester Bonität.

Aktuell haben über 60 Prozent der Papiere ein „A“-Rating, wobei die Duration mit 1,6 bis 7,2 Jahren in den letzten drei Jahren aktiv und breit gesteuert wurde. Als Schwachpunkt kritisiert FondsConsult die Tatsache, dass dieser Fonds das Thema Nachhaltigkeit erst spät angegangen ist.

Platz 2 in der Gesamtwertung erreicht der Stiftungsfonds Spiekermann & Co, der sich vor allem durch die höchste Ausschüttungsrendite hervortat: jeweils 2,7 Prozent waren es in den vergangenen drei Jahren. „Die Ausschüttungsquote ist dann besonders wichtig, wenn mit stabilen Beiträgen bestimmte Stiftungszwecke gefördert werden sollen. Sie kann auf Dauer nur durch eine gute Gesamtrendite gesichert werden“, erklärt Sälzle.

Im Gegensatz zum FvS-Fonds hält der Spiekermann-Fonds einen niedrigen Aktienanteil von rund 20 Prozent, der sich auf dividendenstarke Titel konzentriert, investiert dafür aber auch in Hochzinsanleihen. „Nachteilig ist aus unserer Sicht die Tatsache, dass der Fonds der einzige Artikel-6-Fonds ist“, so Sälzle weiter.

Dies sei umso erstaunlicher, als das Thema Nachhaltigkeit seit jeher eine große Rolle bei Stiftungsfonds spielt und seit vielen Jahren Bestandteil der Strategie ist. 13 der insgesamt 15 in der Studie untersuchten Fonds sind nach Artikel 8 der EU-Offenlegungsverordnung klassifiziert, ein Artikel-9-Fonds ist allerdings nicht darunter.

Nachhaltiger Fokus wichtig

Nachhaltigkeits-Champion unter den in der Studie analysierten Stiftungsfonds ist der BKC Treuhand Portfolio I, der den dritten Platz belegt. „Der Fonds der Bank für Kirche und Caritas hat erneut gezeigt, dass sich strenge Nachhaltigkeitskriterien und gute Performance nicht ausschließen müssen“, sagt Sälzle. Positiv seien außerdem die niedrigen Kosten von jährlich 0,69 Prozent. Hinzu komme die Besonderheit eines breiten Aktienuniversums, das auch Schwellenländer einschließt.

Kritisch sehen die Autoren der Studie die etwas starre Steuerung des Rentenbereichs. „Hier dominieren lange Laufzeiten, was die Taktische Asset-Allokation anfällig macht bei schnellen Trendwechseln und zu Kursverlusten führen kann“, so FondsConsult-Analyst Wagner.

Auf den nachfolgenden Plätzen in der Gesamtwertung der Studie folgen der Commerzbank Stiftungsfonds Stabilität A, der nach einjähriger Pause in diesem Jahr erneut in den Kreis der Studienteilnehmer aufgenommen wurde, sowie der Deka Stiftungen Balance CF. Auf Platz 6 und 7 der Smart & Fair-Fonds, der mit 0,44 Prozent pro Jahr die geringste Kostenquote aufweist, sowie der HAL Nachhaltigkeitsfonds Stiftungen IA. Weitere Stiftungsfonds mit Note „gut-“: FOS Rendite und Nachhaltigkeit A, Hamburger Stiftungsfonds P, Berenberg Sustainable Stiftung RD und DWS ESG Stiftungsfonds LD.

Hinweis: Dieser Beitrag ist zuerst erschienen in TiAM 04/2023
Falls Sie sich für TiAM interessieren, klicken Sie bitte hier.

Zurückzum Seitenanfang