Silber zu Unrecht im Schatten von Gold
- Ned Naylor-Leyland
- Fondsmanager
- Jupiter Gold & Silver Fund
MÜNCHEN – „Silber steht häufig im Schatten von Gold, dem bei Anlegern sehr viel bekannteren und beliebteren Edelmetall“, beklagt Ned Naylor-Leyland von Jupiter AM. Viele Anleger seien vor allem im weniger bekannten Silber kaum oder gar nicht investiert, was er als Versäumnis erachtet. Seiner Ansicht nach gehören Währungsmetalle in jedes gut diversifizierte Anlageportfolio.
Ebenso wie Gold wird auch Silber schon seit der Antike als Zahlungsmittel verwendet. Tatsächlich war Silber von etwa 3000 v. Chr. bis zum späten 19. Jahrhundert als weltweiter Währungsstandard weitaus verbreiteter als Gold. Es sei sogar das wichtigste monetäre Metall in der Geschichte, beschreibt Ned Naylor-Leyland, Fondsmanager des Jupiter Gold & Silver Fund.
Silber werde häufig als „Arme-Leute-Gold“ belächelt, führt der Metallexperte weiter aus, nicht zuletzt, weil eine Unze des weißen Metalls für einen Bruchteil dessen zu haben ist, was eine Unze Gold kostet. Doch Silber sei weit mehr als nur die günstige Variante zu Gold. „Aus unserer Sicht machen zahlreiche weitere Faktoren Silber – genauso wie Gold – zu einem attraktiven Währungsmetall für Anleger“, betont Naylor-Leyland.
Silber folgt Goldpreis
Die Vergangenheit zeigt, dass der Silberpreis sich meist an der Kursentwicklung von Gold orientiert: Bewegt sich der Goldpreis, zieht der Silberpreis häufig zeitversetzt nach. Dabei schlage der Silberpreis stärker aus – sowohl nach oben als auch nach unten, so der Experte. Die höhere Volatilität hänge unter anderem damit zusammen, dass der Silbermarkt deutlich kleiner ist als der Goldmarkt.
Gold gelte als sichere Anlageform, weil es seinen Wert traditionell selbst in wirtschaftlich oder geopolitisch unruhigen Zeiten bewahren kann, erklärt Naylor-Leyland. Das sei auch ein Grund dafür, dass die globalen Zentralbanken in den vergangenen Jahren mehr Gold angekauft haben. Im auslaufenden Jahr 2025 konnte der Goldpreis nun wiederholt neue Allzeithochs markieren. Etwa aufgrund der Aussicht auf Zinssenkungen, des schwächeren Dollars, der Besorgnis der Finanzmärkte über die Finanzlage der USA und nicht zuletzt des Status von Gold als sicherem Hafen in Zeiten geopolitischer Ungewissheit und Marktunsicherheit.
Den Erwartungen entsprechend haben die gleichen Kräfte, die den Goldpreis zuletzt antrieben, auch den Silberkurs auf neue Höchststände befördert. Der Silberpreis erreichte am 17. Oktober einen historischen Höchststand von 54,48 US-Dollar je Feinunze und übertraf damit sein am 18. Januar 1980 markiertes 45-Jahres-Hoch von 49,45 US-Dollar, erklärt der Experte.
Silberknappheit
Ein aus Anlegersicht interessantes Merkmal, das Silber von Gold unterscheidet, sei die strukturelle Knappheit des Edelmetalls, das als wichtiger Industrierohstoff dient. Die Silbervorräte würden schneller aufgebraucht, als sie durch Bergbau und Recycling wieder aufgefüllt werden können, bringt es Naylor-Leyland auf den Punkt.
Neben seiner Rolle als Wertaufbewahrungsmittel spielt Silber in zahlreichen technischen Anwendungen eine zentrale Rolle – unter anderem, weil es von allen Elementen die höchste elektrische Leitfähigkeit besitzt und ein äußerst effizienter Katalysator für chemische Prozesse ist. So gehen über 60% der weltweiten Silberproduktion in industrielle Anwendungen. Etwa in die Elektronik, wo Silber nicht wegzudenken sei. Es steckt in Solarzellen genauso wie in Wasseraufbereitern, Touchscreens und Smartphones, E-Autos und Halbleitern. Selbst in Radarsystemen findet sich das Edelmetall, weil es elektromagnetische Wellen reflektieren kann.
Der großen Nachfrage entsprechend sei die Silbernachfrage aus der Industrie im Jahr 2024 um 4% auf 680,5 Millionen Feinunzen gestiegen und habe damit im vierten Jahr in Folge einen neuen Rekordwert erreicht. „Wir halten dieses Marktdefizit nicht für dauerhaft tragbar“, resümiert der Experte. Denn anders als bei Gold gebe es keine Silberreserven.
Silberminen
Als weitere Möglichkeit, in Silber zu investieren, nennt Naylor-Leyland die Aktien der Minenunternehmen, die diese Metalle abbauen. Deren Profitabilität steige mit den Metallpreisen. „Wir halten diese Aktien derzeit für attraktiv bewertet“, beschreibt er. „Im Verhältnis zum Cashflow und Nettoinventarwert – zwei Kennzahlen, die wir verfolgen – notieren sie unter ihrem langfristigen Durchschnitt.“
Doch im Gegensatz zu früheren Boomphasen sei die diesjährige Silber- und Goldrally an breiten Anlegerkreisen weitgehend vorbeigegangen. Die Bestände von physisch besicherten Gold- und Silber-ETFs würden unter den Höchstständen von 2020 (Gold) bzw. 2021 (Silber) liegen. „In diesem Jahr wurde der Handel vor allem von Investmentprofis wie Hedgefonds und spekulativen Terminmarkt-Händlern bestimmt“, weiß der Profi. „Doch das dürfte sich schon bald ändern!“
