Silber, KI und die Nachfrage der nächsten Generation
- Ned Naylor-Leyland
- Jupiter AM
MÜNCHEN – „Silber könnte zum größten Nadelöhr für den künftigen Ausbau von KI und Rechenzentren werden“, ahnt Ned Naylor-Leyland von Jupiter AM. Sollte der geplante Bau von KI-Rechenzentren annähernd die Prognosen erreichen, könnte dies zu Rekorddefiziten bei Silber führen, so sein Kalkül. Was dies für das weiße Metall bedeutet.
Silber hat zwei wichtige Funktionen, die die Nachfrage ankurbeln, sagt Ned Naylor-Leyland, Investment Manager Jupiter Gold & Silver. Einerseits als Geldmetall, das wie eine Fremdwährung gehandelt wird, und andererseits als zentrales Industriemetall. Während Gold in der Vergangenheit als Zahlungsmittel fungierte und einige wichtige Rohstoffanwendungen besitzt, sei Silber – das weiße Metall – für die Industrie noch bedeutender.
Etwas mehr als die Hälfte des geförderten Silbers fließt in die industrielle Nutzung, wie der Experte betont. Zugleich bestehe ein Angebotsungleichgewicht, das Silber für Investoren besonders interessant mache. In den letzten sechs Jahren habe die Silbernachfrage das Minenangebot überstiegen. Er schätzt das kumulierte Defizit auf rund 24.000 Tonnen, was den Silbermarkt anfällig für plötzliche Liquiditätsengpässe, schwankende Preise, höhere Prämien und steigende Leihgebühren mache.
Silber im Smartphone
Silber überzeugt durch elektrische und thermische Leitfähigkeit, Langlebigkeit und seine antibakteriellen Eigenschaften. Daher steckt das weiße Metall in nahezu jedem Elektro- und Elektronikgerät – vom Lichtschalter bis zum Smartphone – sowie in der Medizin zur Infektionsbekämpfung und in Wasseraufbereitungssystemen. Insofern sei zu erwarten, dass Technologieanwendungen wie Fotovoltaikzellen in Solaranlagen, Elektrofahrzeuge samt Ladeinfrastruktur sowie KI-Infrastruktur inklusive Rechenzentren die Silbernachfrage bis 2030 weiter anheizen dürften.
Die nächste Generation
Naylor-Leyland bescheinigt Silber denn auch eine Rolle als „Metall der nächsten Generation“ – eine Schlüsselrolle. Besonders spannend sei dabei die Nachfrage rund um KI und Rechenzentren – wegen des enormen geplanten Wachstums in den kommenden fünf bis zehn Jahren. So hätten allein Amazon, Meta, Microsoft und Alphabet angekündigt, für dieses Jahr ihre Ausgaben für KI-Infrastruktur von 410 Milliarden US-Dollar im Vorjahr auf 745 Milliarden US-Dollar zu steigern.
Hardware und Strom
„Silber ist für die Infrastruktur von KI und Rechenzentren unverzichtbar“, sagt der Experte. Innerhalb der Anlagen stecke das Edelmetall in Rechenhardware, Energiemanagement, Kühltechnik und Netzwerken. Daneben sei Silber entscheidend für die Stromversorgung: von der Erzeugung über die Übertragung bis zur Verteilung.
Wird Silber KI ausbremsen?
Das Angebot an Silber aus Minen lasse sich indes nicht deutlich ausweiten. „Aus unserer Sicht könnte Silber zum größten Nadelöhr für den künftigen Ausbau von KI und Rechenzentren werden“, betont der Jupiter-Manager. Er befürchtet gar Rekorddefizite bei Silber, sollte der geplante Bau von KI-Rechenzentren annähernd die Prognosen erreichen. Nicht verwunderlich daher, dass die USA im vergangenen November Silber auf ihre Liste kritischer Mineralien gesetzt haben. Diese Liste steuere staatliche Strategien zur Sicherung von Rohstofflieferketten.
Ausblick auf Minenbetreiber
Silberminenbetreiber – ebenso wie Goldminenbetreiber – hätten in den letzten Jahren Fusionen und Übernahmen getätigt, um sich zusätzliche Vorkommen zu sichern. Diese Unternehmen seien mit steigenden Metallpreisen in den letzten Jahren profitabler geworden, wurden von Long-only-Investoren bisher jedoch weitgehend ignoriert, wie der Experte beschreibt. Ein Indikator dafür: Die von ihm beobachteten Silberminenaktien würden im Schnitt zum 1,26-Fachen ihres Nettoinventarwerts handeln – weit unter ihrer Bewertung von 2018. Außerdem geht er davon aus, dass die meisten Long-only-Investoren in Edelmetallen sowie in Gold- und Silberminenaktien weiter unterallokiert bleiben.
Aktiv vs. Passiv
„Wer in Silber- oder Goldminen investiert, sollte hochselektiv vorgehen“, rät Naylor-Leyland. Es handele sich um risikoreiche, operational komplexe Unternehmen, wobei zudem die Angebots- und Nachfragedynamik der Edelmetalle volatil sein könne und makroökonomischen sowie geopolitischen Einflüssen unterliege. Daher sei ein aktiver Investmentansatz ratsam, um die Risiken zu steuern. Grundsätzlich aber werden die Aussichten für diese Anlageklassen als positiv beurteilt, womit sie eine wichtige Rolle in einem gut diversifizierten Portfolio spielen können.
