Silber als taktisches „Booster-Investment“

  • Cyrill Staubli
  • Swisscanto

MÜNCHEN – Zwar dürften die Blicke der Anleger zurzeit vor allem auf den haussierenden Goldpreis gerichtet sein. Doch im Schatten des gelben Metalls hat Silber ebenfalls zu einem eindrücklichen Höhenflug angesetzt, wie Cyrill Staubli von Swisscanto erklärt. Seit Jahresbeginn sei der Unzenpreis so stark gestiegen, dass Silber knapp unter seinem Allzeithoch aus dem Jahr 2011 notiere.

Cyrill Staubli, Senior Portfolio Manager der Multi Asset Swisscanto LUX-Fonds hat gleich mehrere Gründe für die jüngste Rallye im Silberpreis ausgemacht. Dazu zählt er zunächst die Nachfrage aus der Industrie. Vor allem die Solarindustrie benötige immer mehr Silber für Photovoltaik-Zellen. Aber auch in Elektronik und E-Mobilität steige der Bedarf. Daher zählt er Silber auch zu den für die Elektrifizierung und die Energiewende kritischen Rohstoffen.

Knappes Angebot

„Der Silbermarkt steckt bereits seit einiger Zeit in einem strukturellen Defizit“, sagt Staubli. Konkret schreite die Erschließung neuer Minen nur langsam voran, während die Nachfrage aufgrund der Verbreitung neuer Technologien – beispielsweise Elektroautos – noch zunehmen könnte. Gleichzeitig wurden die Lagerbestände in den vergangenen Jahren abgebaut. Dies führt unter dem Strich dazu, dass jährlich mehr Silber benötigt als gefördert wird.

US-Währung und Zinsen

Ein schwächerer USD und sich abzeichnende Zinssenkungen seitens der amerikanischen Notenbank Fed würden den Preis vom zinslosen Silber, das in USD gehandelt wird, ebenfalls stützen, wie der Experte weiter ausführt.

Turbulente Geopolitik und erwachtes Anlegerinteresse

Vor allem aber würden Investoren während den gegenwärtig geopolitisch unsicheren Zeiten nach sicheren Häfen suchen. Klassischerweise profitiere in einem solchen Szenario Gold, wobei Silber häufig nachzieht – „oftmals noch mit zusätzlichem Schwung“. So hat auch in der aktuellen Marktphase der starke Anstieg des Goldpreises das Edelmetall Silber mitgezogen. Zumal viele Investoren Silber als günstigere Alternative zum gelben Metall betrachten würden.

Tatsächlich könne Silber im Portfolio eine bedeutende Rolle spielen, betont Staubli. Allerdings bezeichnet er Gold als das strategische Edelmetall, während er Silber eher als „taktisches Booster-Investment“ sieht. Damit meint er, dass Silber in Phasen von steigender Inflation oder geopolitischer Unsicherheit zusätzliche Renditechancen eröffnen könne. Als Beispiel führt er an, dass Silber in den inflationären Jahren zwischen 1977 und 1979 deutlich besser rentierte als Gold. Auch im Jahr 2022, während die Welt mit einer hohen Inflationsrate konfrontiert war, hätte der Silberpreis immer wieder seine starke Seite gezeigt.

Aufgrund der höheren Volatilität sollten Anleger Silber indes mit Augenmaß einsetzen und nicht als Basisabsicherung betrachten. So liegt die längerfristige Volatilität des Silberpreises im Schnitt bei 29%, jene von Gold hingegen bei 16%. Zudem biete Gold eine bessere Diversifikation in einem gemischten Portfolio, indem die Korrelation des Goldpreises zum US-Aktien-Leitindex S&P500 magere 0,04 betrage, während die Korrelation von Silber zum S&P 500 bei immerhin 0,233 liege.

Fazit

„Aus unserer Sicht bestehen gute Chancen, dass sich der Silberpreis weiterhin positiv entwickelt“, resümiert der Experte. Dafür spreche, dass das Interesse der Investoren ungebrochen hoch erscheine. Dies umso mehr, weil Silber – verglichen mit Gold – weiterhin relativ günstig bewertet sei. Der strukturelle De-Dollarisierungs-Trend, welcher auch den Dollar schwächt, bleibe ebenfalls bestehen. Und schließlich dürfte das strukturelle Defizit in Silber ebenfalls vorläufig Bestand haben; sinnigerweise ein Trend, der durch die Anlegernachfrage noch verschärft werde, wie die steigenden Silberbestände in börsengehandelten Indexfonds (ETFs) zeigen.

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