Schwellenländeranleihen in lokaler Währung: Gute Aussichten

  • Recai Günesdogdu
  • Nomura AM Europe

FRANKFURT – „Eigentlich waren zum Jahresbeginn alle Voraussetzungen für eine gute Kursentwicklung von Schwellenländeranleihen in Lokalwährung gegeben“, sagt Recai Günesdogdu von Nomura AM Europe. Dennoch verlor der Leitindex JP Morgan GBI-EM Global Diversified Index in den ersten 7 Monaten 1,5 Prozent – was sich nun ändern könnte.

Ab hier folgt der Marktkommentar von Recai Günesdogdu, Geschäftsführer von Nomura Asset Management Europe:

Recai Günesdogdu sieht gute Gründe, die vorausblickend für eine Erholung bei Schwellenländeranleihen in Lokalwährung sprechen. Laut Günesdogdu war es neben dem festen US-Dollar vor allem die Unsicherheit, die von einer Reihe von Wahlen ausging, die lokale Schwellenländeranleihen belastete. „Die wichtigsten Wahlen in den Schwellenländern liegen hinter uns (z.B. Südafrika, Indien, Indonesien), und sie haben die politische Landschaft nicht wesentlich verändert“, so Günesdogdu.

Darüber hinaus seien die makroökonomischen Fundamentaldaten nach wie vor weitgehend günstig, insbesondere die Außenhandelsbilanzen und die anhaltende Disinflation. Das Wachstum der Schwellenländer bleibe robust, und der Wachstumsvorsprung zu den Industriestaaten sei seit der Pandemie wieder angewachsen. Viele Schwellenländer würden einen Reifeprozess durchlaufen, die Einkommensverteilung werde gleichmäßiger, und Haushalte könnten Ersparnissen bilden.

Fed-Zinssenkungen wirken auch hier

Weiteren Rückenwind erwartet der Schwellenländerexperte von den Zinssenkungen der Fed. „Eine weniger restriktive US-Geldpolitik sollte eine wichtige Hürde für die lokalen Rentenmärkte der Schwellenländer beseitigen, indem sie das Aufwärtspotenzial des US-Dollars eindämmt und Spielraum für Zinssenkungen in den Schwellenländern schafft.“

Gerade der Mexikanische Peso (MXN: minus 7 Prozent) und der Brasilianische Real (BRL: minus 13 Prozent) hätten in 2024 gegenüber dem US-Dollar stark abgewertet und nun Erholungspotenzial.

Günesdogdu: „Insgesamt sind alle Schwellenländerwährungen im JP Morgan-Referenzindex nun angemessener bewertet, was Anlegern einen attraktiven Einstiegspunkt bietet.“

Einige Anleger scheinen die Gunst der Stunde bereits zu nutzen: Lokalwährungsanleihen aus Asien verzeichneten zuletzt Kapitalzuflüsse und auch asiatische Währungen werten in der Breite seit Ende Juni gegenüber dem US-Dollar auf, allen voran der Malaysische Ringgit (MYR: plus 8,5 Prozent), der Thailändische Baht (THB: plus 8,0 Prozent) und die Indonesische Rupiah (IDR: plus 6,1 Prozent).

Favorit Indien

Für besonders interessant hält Günesdogdu Indien, deren 10jährige Staatsanleihe eine Rendite von 6,9 Prozent (Stand 31.7.2024) bietet. Günesdogdu: „Starke Dienstleistungsexporte stützen die Leistungsbilanz Indiens, während die günstigen Inflationsaussichten es der indischen Zentralbank ermöglichen sollten, bald die Zinsen zu senken. Zudem gewinnen in Indien institutionelle Investoren an Bedeutung. Für lokale Staatsanleihen wächst somit eine beständige Käuferbasis an, was sich positiv auf die Markttiefe und -liquidität auswirken dürfte.“

Indische Lokalwährungsanleihen bieten laut Nomura AM eine überzeugende Mischung aus attraktiven Renditen und geringer Volatilität bei Zinsen und Währung. Nachdem der lokale indische Staatsanleihenmarkt im Juni in den JP Morgan GBI-EM Global Diversified-Referenzindex aufgenommen wurde, werden bis zum ersten Quartal 2025 Zuflüsse in Höhe von 20 Milliarden USD erwartet, wenn Indien die maximale Indexgewichtung von 10 Prozent erreicht.

In Lateinamerika hält Günesdogdu Brasilien für attraktiv – trotz der politischen Unsicherheit. Immerhin liege die Rendite der 10-jährigen brasilianischen Staatsanleihe derzeit bei 12 Prozent, und nach Abzug der Inflation verbleibe eine Realrendite von 8 Prozent, eine der höchsten weltweit.

Günesdogdu: „Die Fiskalpolitik der Regierung scheint verantwortungsvoll zu sein, und die wirtschaftlichen Fundamentaldaten Brasiliens sind weiterhin günstig (z. B. robustes Wachstum, umfangreiche Währungsreserven). Schließlich hat die Banco Central do Brasil vor einem Jahr mit ihrem Zinssenkungszyklus begonnen – wir erwarten 2025 weitere Senkungen, die die Anleihekurse stützen werden.“

Untergewichtung in China

Untergewichtet ist Nomuras Team für Schwellenländeranleihen hingegen in China. Der Immobiliensektor scheine sich nicht von seinem Einbruch erholen zu können, die Wachstumsdynamik sei nach wie vor schleppend und die Verschuldung stelle eine Gefahr für die Finanzstabilität dar. „Die Tatsache, dass Präsident Xi seine Macht weiter ausbaut, ändert unsere Meinung nicht zum Besseren“, resümiert Günesdogdu.

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