Schwellenländeraktien – Anlageklasse mit Potenzial

  • Jean-Louis Nakamura
  • Vontobel AM

MÜNCHEN – „Die starke Performance 2025 könnte erst der Anfang sein“, ahnt Jean-Louis Nakamura von Vontobel AM. Was ihn für Emerging-Markets-Aktien so zuversichtlich macht? Dass sich zwei zentrale strukturelle Faktoren gedreht haben – „sinkende Risikoprämien und weniger Verwässerung beim Gewinn je Aktie“.

Schwellenländeraktien haben 2025 mit einem Plus von mehr als 30 Prozent in US-Dollar deutlich zugelegt und damit erstmals seit 2017 entwickelte Märkte sowie US-Aktien auf Jahressicht übertroffen, erklärt Jean-Louis Nakamura, Head of Conviction Equities bei Vontobel. Was aber noch bedeutsamer ist – er interpretiert die Entwicklung als mögliches Signal für einen Zykluswechsel: „Weg von der langjährigen strukturellen Underperformance hin zu stabileren Rahmenbedingungen und besserer Aktionärsrendite“, wie er es formuliert.

Insofern sieht Nakamura die Ergebnisse des vergangenen Jahres weniger als Einmaleffekt, sondern als möglichen Beginn einer Neubewertung. Dabei könnten sich seiner Einschätzung nach zwei starke Gegenwinde der vergangenen Jahre drehen, in dem die Risikoprämien sinken und die Verwässerung des Gewinns je Aktie tendenziell zurückgeht.

„Verlorene Dekade“ der Emerging-Markets-Aktien

Nach Ansicht von Nakamura haben drei Faktoren EM-Aktien über die Jahre belastet:

  • der abnehmende nominale Wachstumsvorsprung gegenüber Industrieländern (unter anderem Disinflation/Deflation in China, weniger eindeutige Kostenvorteile);
  • anhaltend hohe Risikoaufschläge durch geopolitische und politische Unsicherheiten;
  • sowie eine Verwässerung des Gewinns je Aktie durch eine steigende Aktienanzahl – im Gegensatz zu stärker aktionärsfreundlichen Kapitalmaßnahmen (zum Beispiel Aktienrückkäufe) in den USA.

Was sich 2025 verändert hat:

Sinkende Risikoprämien: Viele Volkswirtschaften der Schwellenländer zeigten sich widerstandsfähiger als erwartet. Zudem nahm die Handelsverflechtung untereinander zu. China konnte US-Zollrisiken besser abfedern, auch weil Chinas Anteil an den US-Importen in den vergangenen Jahren deutlich zurückgegangen ist.

Mehr Fokus auf Aktionärsrenditen: Unternehmen aus den Emerging Markets erhöhen die Aktienrückkäufe deutlich. Die kumulierten Rückkaufvolumina sind seit 2020 fünffach gestiegen; zudem stützen staatlich flankierte „Value up“-Initiativen (beispielsweise Südkorea, China) aktionärsfreundlichere Maßnahmen.

Bewertungen und Positionierung bleiben attraktiv: Trotz Neubewertung handeln Schwellenländeraktien im Shiller-KGV weiterhin mit rund 45 % Abschlag gegenüber Industrieländern. Zudem ist das Engagement globaler Investoren noch gering: Bei einer Rückkehr zur 10-Jahres-Durchschnittsallokation könnten rund 340 Milliarden US-Dollar in Emerging-Markets-Aktien fließen; 2025 lagen die Zuflüsse bei rund 31 Milliarden US-Dollar.

Ausblick 2026: selektiv investieren

Nakamura betont die Bedeutung eines aktiven, granularen Ansatzes bei Schwellenländer-Investments und skizziert Chancen unter anderem in folgenden Sektoren:

Technologie: AI-getriebene Nachfrage (beispielsweise Hardware/„Enabler“ wie Cooling/Memory; Kapazitätsdisziplin bei Advanced Packaging);

Konsum: Rückenwind durch sinkende Inflation/Zinsen in Teilen der Emerging Markets; Präferenz für ausgewählte zyklische Konsumwerte;

Finanzen: Konsolidierung, neue Ertragsquellen jenseits der Zinsmarge; Reform- und Kapitalmarkt-Impulse in einzelnen Ländern;

Infrastruktur/Rohstoffe: Gold (Zentralbankkäufe/ETFs), Kupfer (Energiewende & AI), selektiv auch Energie/Industrie-Themen.

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