Schwellenländer-Bonds – komplexe Beimischung mit klaren Vorteilen

  • Michaël Vander Elst
  • DPAM

MÜNCHEN – Schwellenländeranleihen bieten erhöhte Renditen, echte Diversifizierung und ein anderes Risikoprofil als Anleihen aus Industrieländern, wie Michaël Vander Elst von DPAM erläutert. Eine einfache Anlageklasse seien dies zwar nicht, weil damit diverse Risiken einhergehen, aber diese würden sich durch aktives Management handeln lassen.

Insbesondere Schwellenländeranleihen in lokaler Währung sind nicht für jeden Anleger geeignet, betont Michaël Vander Elst, Leiter Emerging Market Debt bei DPAM. Sie könnten aber für viele Multi-Asset- und Rentenportfolios eine wertvolle Rolle spielen, indem sie die Erträge steigern, das Währungsexposure erhöhen und das Zinsrisiko diversifizieren, das in Industrieländern besteht.

Hintergrund ist, dass Währungen aus Schwellenländern schnell steigen oder fallen können, wenn die Regierungen vor Ort ihre Politik ändern, die Inflation steigt oder Investoren Geld abziehen. Diese Schwankungen würden die Renditen bisweilen unvorhersehbar machen. Sinnvoll sei daher, Ländern mit stärkeren Institutionen und klarerem politischen Regelwerk den Vorzug zu geben – und außerdem nicht-demokratische Länder auszuschließen. „Wenn die Macht in den Händen einer kleinen Elite liegt, fallen Entscheidungen oft zugunsten dieser Elite und nicht der Gesamtwirtschaft“, erklärt Vander Elst.

Wichtig für Anleger sind daneben Volatilität und Liquidität der Anleihen. Bei beiden Punkten hilft eine Konzentration auf Emittenten mit höherer Qualität. Die Erfahrung zeige, dass Portfolios, die sich auf stärkere ESG-Länder konzentrieren, in Stresssituationen tendenziell geringere Verluste erlitten und sich nach Rückschlägen schneller erholt haben. Aus diesem Grund sei es auch ratsam, Emittenten anhand von Umwelt-, Sozial- und Governance-Faktoren zu bewerten und jene Länder stärker zu gewichten, die dort gut abschneiden. Studien von Institutionen wie der Weltbank würden den Zusammenhang von besserer Governance und geringerem Ausfallrisiko bestätigen, sagt Vander Elst.

Vorteilhaft sei auch, in Länder zu investieren, die fair und transparent regiert werden, und weniger in solche, in denen Korruption oder eine gesteuerte Politik wirtschaftliche Risiken mit sich bringen. Dies trage dazu bei, plötzliche Währungsschocks zu reduzieren und Volatilität einzudämmen. Allerdings seien hierfür auch Recherchen vor Ort und Gespräche mit Entscheidungsträgern, Zentralbankern und lokalen Institutionen notwendig, um zu helfen, Verständnis für die Lage und das Wachstumspotenzial jedes Landes zu gewinnen und Signale frühzeitig zu erkennen.

Traditionelle Benchmark-Investments hätten hingegen den Nachteil, dass sie auf wenige große – in der Regel asiatische – Märkte konzentriert sind, was sich negativ auf die Diversifizierung auswirken könne, wie Vander Elst anfügt. Hier würde aktives Management helfen, mit dem schnellen Wandel dieser Anlageklasse umzugehen. Denn wer aktiv investiert, kann sich auf Positionen beschränken, die zur eigenen Risikoeinschätzung passen.

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