Richtig positionieren für die Volatilität der Trump-Welt
- Mark Nash
- Jupiter AM
MÜNCHEN – US-Präsident Donald Trump ist dabei, seine protektionistische America First-Agenda mit allen Mitteln durchzudrücken, womit zugleich ein Wiederaufflammen der Inflation und ein Dämpfer für die US-Wirtschaft droht. Auch der Umgang mit Europa hat für Verunsicherung gesorgt und die Märkte ins Chaos gestürzt, wie Mark Nash, Fondsmanager bei Jupiter AM betont.
In den ersten Tagen von Trumps zweiter Amtszeit glaubten die Märkte, dass die neue US-Regierung Zölle als Verhandlungsinstrument und nicht als stumpfe Waffe einsetzen würde, erinnert Mark Nash, Portfoliomanager bei Jupiter Asset Management. Dieser Optimismus habe zunächst für kräftigen Rückenwind an den US-Aktienmärkten und eine weitere Erstarkung des US-Dollars gesorgt.
Der Trump’sche Zollkrieg und seine Folgen
Inzwischen ist überdeutlich, dass die Regierung Trump einen regelrechten Zollkrieg vom Zaun gebrochen hat, „der geprägt ist von temporären Gnadenfristen, plötzlichen Kehrtwenden und massiven Eskalationen“, so Nash, wobei die höheren Einfuhrzölle Rivalen genauso treffen wie Verbündete. Nun zeigt sich auch, dass das politische Vorgehen der neuen Administration die Märkte ganz klar überrascht hat. Diese hatten auf den „Trump-Put“ gewettet – die Annahme, dass der US-Präsident alles Mögliche tun werde, um den Aktienmarkt bei Laune zu halten. Für Unternehmen bedeutet dies, dass die fehlende Stabilität in Bezug auf die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen und der ungewisse wirtschaftliche Ausblick die Investitionsplanung deutlich erschweren.
Wer erwartet hatte, dass der Kursrutsch am Aktienmarkt die Trump-Administration dazu bringen würde, ihr Vorgehen zu überdenken, wurde bislang enttäuscht. Trump scheint seine politische Agenda um jeden Preis durchdrücken zu wollen – auch auf Kosten eines schwächeren Wachstums. So könnte die Begrenzung der Einwanderung, als eines seiner großen politischen Ziele, das Arbeitskräfteangebot verringern und die Löhne in die Höhe treiben. „Für vermeintlich längerfristige Gewinne scheint der Präsident bereit, den amerikanischen Verbrauchern mittelfristig Schmerzen zuzufügen“, fasst Nash zusammen.
Konsequenzen an den Finanzmärkten
Als direkte Folge der Trump-Politik ist beispielsweise der marktbreite S&P 500 Index spürbar eingebrochen. Auch die als Magnificent Seven bekannten Tech-Mega-Caps haben mit ihren Kursabstürzen den Markt nach unten geführt. Der US-Dollar hat nachgegeben, die zuvor rekordtiefen Credit Spreads haben sich ausgeweitet und die Renditen von US-Staatsanleihen sind gesunken, wie Nash aufzählt. Die ungewisse Reaktion der Zentralbanken auf den unsichereren Wachstums- und Inflationsausblick habe zu einer höheren Volatilität an den Aktien- und Anleihenmärkten geführt.
Zusätzlich verstärkt werden die Wachstumssorgen der Anleger durch den aggressiven Personalabbau, mit dem die US-Regierung – vor allem die vom Milliardär Elon Musk geleitete Regierungsabteilung für staatliche Effizienz (DOGE) – die Staatsausgaben senken will, zumal die Arbeitslosenquote ohnehin bereits steigt.
Dass die hohen Staatsausgaben von Trumps Vorgängerregierung ein Grund für die Widerstandsfähigkeit der US-Wirtschaft im Hochzinsumfeld waren, ist kein Geheimnis, sagt der Jupiter-Manager. US-Finanzminister Scott Bessent wolle nun, dass die Wirtschaft weniger abhängig von Staatsausgaben wird und sich stärker auf den privaten Sektor verlagert. Die Wirtschaft sei süchtig nach Staatsausgaben und bräuchte eine Entgiftungsphase, so Bessent.
„Whatever it takes“ 2.0
Während die USA auf Sparkurs sind, zeichnet sich in Europa ein anderes Regime ab. In Deutschland hat der voraussichtliche neue Bundeskanzler Friedrich Merz seine Agenda durchsetzen können, um die Staatsausgaben massiv auszuweiten, das Wachstum anzukurbeln und angesichts des befürchteten Endes des jahrzehntelang bestehenden transatlantischen Sicherheitsbündnisses die Bundeswehr zu stärken. Merz‘ Schritt erinnert an das berühmte Versprechen des ehemaligen EZB-Präsidenten Mario Draghi vor mehr als einem Jahrzehnt, „zu tun, was auch immer nötig ist“, um den Euro zu retten. In starkem Kontrast zu den US-Renditen sind die Renditen deutscher Staatsanleihen nach der Entscheidung, Deutschlands strenge Schuldenbremse zu lockern, in die Höhe geschossen.
„Mit der höheren Kreditaufnahme in Europa und anderen Ländern wird es zu einem Wettbewerb um Kapital auf dem globalen Markt kommen“, prognostiziert Nash. Diese Entwicklung werde zur Einpreisung einer Laufzeitprämie in US-Staatsanleihen führen. In Verbindung mit einem schwächeren Wachstum in den USA könnte das eine steilere US-Zinsstrukturkurve zur Folge haben.
Die goldenen Zeiten für die USA könnten vorerst vorbei sein. In den letzten Jahren hatten hohe Kapitalzuflüsse in die USA den Dollar gestützt, der US-Regierung eine günstige Kreditaufnahme ermöglicht und zu einer Abflachung der US-Zinsstrukturkurve sowie steigenden KGVs am US-Aktienmarkt geführt, erinnert Nash. Jetzt dürfte das Gegenteil passieren. Aktuell sei eine Rotation aus US-amerikanischen Risikoanlagen in andere globale Märkte mit scheinbar besseren Wachstumsaussichten zu beobachten, so der Experte.
Ausblick für Anleger
Wann und ob die derzeit äußerst erratische Politik enden wird, lässt sich schwer sagen. „In jedem Fall sollten Anleger im aktuellen Umfeld darauf achten, dass ihr Portfolio in der Lage ist, der nicht enden wollenden Schlagzeilen-Flut standzuhalten“, rät Nash. Beispielsweise hätte niemand voraussagen können, dass Deutschland seine Haushaltspolitik lockern würde. Umso wichtiger sei ein gut diversifiziertes Portfolio und eine ausreichende Liquidität in diesem Umfeld. Ein Engagement in günstigen Bereichen der Märkte bei Wahrung eines ausgewogenen Gesamtportfolios hält er für eine gute Strategie.
Im Detail bevorzugt Nashs Team Long-Positionen in US-Staatsanleihen, insbesondere im mittleren Laufzeitenbereich, und Short-Positionen in europäischen Kernanleihen. Außerdem schätzen sie den Euro und den japanischen Yen, während sie den US-Dollar shorten, der selbst nach der jüngsten Abwertung noch teuer erscheine. Auch die zuletzt ungeliebten Staatsanleihenmärkte der Schwellenländer, die unter dem unaufhaltsamen Abfluss von Anlagegeldern Richtung US-Märkte gelitten hatten, seien mit realen Renditen, wie sie seit 20 Jahren nicht mehr zu sehen waren, wieder attraktiv.
