Regulieren – aber richtig!

  • Uwe Lill
  • Hedgework

Kaum einer kennt Mancur Olson. Der amerikanische Wirtschaftswissenschaftler, der bereits 1998 verstorben ist, hatte sich Anfang der 1980er-Jahre gefragt, warum denn Deutschland so stark dasteht, obwohl es den zweiten Weltkrieg verloren hatte, und sich das siegreiche Vereinigte Königreich am Rande des Abgrunds bewegt. Unter dem Eindruck der Thatcher-Ära ging er in seinem 1985 erschienen Buch „Aufstieg und Niedergang von Nationen“ dieser Frage nach.

Ich mache es kurz: Deutschland hatte nach dem verlorenen Krieg von den Siegermächten ein nahezu in sich widerspruchfreies Set an Gesetzen bekommen, das die Produktivkraft zur maximalen Entfaltung brachte. Sie wissen was jetzt kommt: mit jeder Wahl wurden zusätzliche Gesetze und Regulierungen vorgenommen, um Politiker und Wählergruppen auf ihren jeweiligen Indifferenzkurven näher zu bringen. Das Ergebnis: nach einer hohen Zahl an Wahlkämpfen mit Versprechungen haben Politiker und Lobbygruppen sich ihrem jeweiligen Pareto-optimalen Zustand angenähert. Und die Summe der Pareto-optimalen Zustände erstickt jede Volkswirtschaft, weil ihre Gesetzgebung überfrachtet ist und verholzt. Soweit – ganz grob – Mancurs conclusio.

Da stand das Vereinigte Königreich 1985. Hier steht Deutschland heute. Insofern mutet es schon optimistisch an, dass Frank Dornseifer, der Geschäftsführer des Bundesverbandes Alternative Investments, als Referent des 211. Hedgeworks positive Zeichen bei Politik und Regulatoren sieht. Auch 2024 erwartet er etliche regulatorische Schritte: AIFMD II, ELTIF 2.0, Sustainable Finance, Änderungen AnlageVerordnung, MICAR/DORA, Jahressteuergesetz 2024. Entsprechend wird es für die Finanzbranche einiges zu tun geben. Frank Dornseifer sieht aber zunehmende Bemühungen von Seiten der Politik und der Regulatoren, pragmatische Ansätze zu finden: Lesen Sie das Interview mit ihm in diesem Newsletter. (Ein Podcast folgt in Kürze).

In eigener Sache: Hedgework geht ins 21. Jahr. Der 211. Hedgework mit über 50 Teilnehmern wieder im Café Hauptwache zeigt, dass es nach wie vor einen großen Kommunikationsbedarf in der Branche der alternativen, digitalen und nachhaltigen Investments gibt. Nur – die Kosten haben sich seit Corona verdoppelt. Hedgework würde sich über neue Sponsoren freuen. Sollten Sie Interesse an einem Sponsorship haben, würde ich mich über eine Kontaktaufnahme freuen.

Ich wünsche Ihnen einen guten Start in ein erfolgreiches Jahr 2024 und freue mich, Sie bald wieder auf einem Hedgework begrüßen zu können.

Ihr


Uwe Lill

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