„Private Equity sollte in jedem diversifizierten Portfolio enthalten sein“

  • Margareta McConnell
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FRANKFURT – Margareta McConnell, Head of DACH bei Moonfare, gab beim Hedgework-Event im März einen aktuellen Einblick, weshalb Private Equity langfristig höhere Renditen als Public Markets bietet und ein Bestandteil jedes diversifizierten Portfolios sein sollte. Im Interview nimmt sie Stellung, wie sich PE-Investoren angesichts gestiegener Zinsen und größerer geopolitischer Unsicherheiten verhalten sollten und welche Chancen die ELTIF 2.0-Verordnung bringt.

Hedgework: Das Volumen von Private-Equity-Anlagen hinkt in Europa traditionell den USA hinterher, sowohl in absoluten wie in relativen Zahlen. Dabei gelten Investitionen über Private Equity, also in nicht börsennotierte, oft schnell wachsende und innovative Unternehmen, als ein Schlüssel zu mehr Wirtschaftswachstum. Wie ist Ihre Beobachtung, gewinnt Private Equity in Europa endlich an Dynamik?

Margareta McConnell: Europa war schon immer ein komplexer Markt für Private Equity, da es sich in Wirklichkeit um eine Vielzahl von Märkten handelt, wobei jedes Land seinen eigenen Rechtsrahmen, sein eigenes unternehmerisches Ökosystem und seine eigenen kulturellen Eigenheiten hat. Es handelt sich daher per definitionem um einen Markt, der von innen heraus gewachsen ist, mit vielen lokalen PE-Managern, die ihren Fokus nach und nach auf eine gesamteuropäische Ebene ausdehnen, und die PE-Durchdringung ist von Land zu Land immer noch recht unterschiedlich.

Hedgework: Welche Rolle spielen hier beispielsweise nordamerikanische PE-Investoren?

McConnell: In den letzten Jahrzehnten ist auch das Interesse traditioneller nordamerikanischer PE-Investoren gestiegen, die spezielle Teams für Investitionen in Europa aufbauen, um die Chancen in Europa zu nutzen, aber auch, um ihren nordamerikanischen Unternehmen zu helfen, über den Atlantik hinaus zu wachsen und weltweit führend zu werden. Im aktuellen geopolitischen Kontext hat Europa sicherlich seinen Anteil an den Herausforderungen, aber auch an den Chancen, die ein sich ständig veränderndes Umfeld bietet (beispielsweise Energiewende und Infrastruktur). Europa neigt auch dazu, den Trends, die wir in den USA beobachten, hinterherzuhinken. Die dortigen Entwicklungen bieten oft Anhaltspunkte dafür, was in Europa zu erwarten ist. So bleiben etwa Unternehmen dort länger in Privatbesitz und der zunehmende Bedarf an Wachstumskapital über die mittlere Venture-Capital-Phase hinaus ist in den USA bereits gut etabliert, das muss sich aber in Europa erst noch entwickeln.

Hedgework: Höhere Zinsen, Inflation und Zurückhaltung von Investoren sind aktuell ein schwieriges Umfeld für Private Equity. Was heißt das für die (Rendite-) Aussichten für die Anlageklasse?

McConnell: Höhere Zinsen und ein unsicheres Umfeld wirken sich auf die Transaktionsaktivitäten aus, und wir haben gesehen, dass die Buyout- und M&A-Aktivitäten in den letzten 18 Monaten im Vergleich zu den Werten von 2021 drastisch zurückgegangen sind. Wenn sich das makroökonomische Umfeld schrittweise ändert, dauert es in der Regel eine gewisse Zeit, bis sich der Markt auf ein neues Niveau normalisiert und eine Preisbildung stattfindet. Der Preisdruck, den höhere Zinsen auf Private Equity ausüben, ist gut für die Käufer, aber zugleich unattraktiv für die Verkäufer, die möglicherweise keine Geschäfte abschließen wollen, solange der Markt nicht in einen anhaltenden Zustand höherer Zinsen eintritt. In einem solchen Umfeld, wie wir es in der Vergangenheit beispielsweise während der Covid-19-Pandemie erlebt haben, konzentrieren sich Buyout-Manager eher auf die Verwaltung bestehender Portfolios und auf Add-on-Akquisitionen, während sie abwarten, bis sich der Markt normalisiert hat, bevor sie mit Plattform-Deals weitermachen.

Hedgework: Add-on-Akquisitionen sind aber wohl kaum die Lösung?

McConnell: Nein, aber kleinere Add-on-Akquisitionen können in der Regel mit geringer Verschuldung durchgeführt werden, da sie zusätzliche strategische Vorteile bieten. Unter dem Gesichtspunkt der Rendite müssen die Manager ihre Zielrendite unter Berücksichtigung des neuen Zinsumfelds ermitteln. Die Erzielung eines ähnlichen Renditeniveaus mit einer ähnlichen Schuldenlast erfordert in der Regel eine kräftige Anpassung des Übernahmepreises. Dies ist zwar möglich, aber die Preise brauchen in der Regel eine gewisse Zeit, um sich anzupassen, weshalb es in der ersten Zeit nach Zinserhöhungen an Geschäftsaktivitäten mangelt. Darüber hinaus könnte die Verfügbarkeit von Fremdkapital in der Übergangsphase eingeschränkt sein, da die Banken ihre Kreditvergabe an PE in der Regel reduzieren, was die Transaktionsaktivität weiter behindern könnte.

Hedgework: Moonfare befragt regelmäßig Investoren, wie sie in Private Equity investieren. Schichten Investoren aufgrund der abgekühlten Konjunktur in Europa bereits in defensivere Strategien um?

McConnell: Unsere Umfrage ergab, dass unsere Anleger angesichts von Faktoren wie steigenden Zinsen und Inflation gehandelt haben, um ihre Portfolios heute zu schützen und sich für morgen zu positionieren. Viele betrachten ihre Anlagen ganzheitlich und suchen auf dem Weg in eine neue wirtschaftliche Realität nach Möglichkeiten zur Umgestaltung ihrer Portfolios.

Hedgework: Wie kann man sich das vorstellen?

McConnell: Zum einen hat sich in den letzten 19 Monaten die Diversifizierung als zentrales Thema für die Moonfare-Anlegergemeinschaft herauskristallisiert. Mehr als 45 % der Befragten gaben an, dass sie der Diversifizierung Vorrang vor der Aufstockung ihrer Barreserven und einer aktiveren Anlagetätigkeit einräumen. Die Anleger versuchen, potenzielle Verluste zu minimieren und die Volatilität ihres Portfolios zu verringern, indem sie Vermögenswerte einbeziehen, die im Allgemeinen eine negative Korrelation mit zyklischen Vermögenswerten aufweisen, wie beispielsweise öffentliche Aktien. Private Equity tut genau das – es weist eine geringere Korrelation mit öffentlichen Aktien auf. Unsere Umfrage ergab, dass die überwiegende Mehrheit, nämlich 88 %, eine weitere Aufstockung ihrer Investitionen in private Märkte plant.

Hedgework: Und in welchen Segmenten?

McConnell: Was die Strategien betrifft, so sind Buyouts nach wie vor die bevorzugte Option für Privatmarktinvestoren auf der Moonfare-Plattform. Dieser Trend ist weltweit zu beobachten, wie die solide Mittelbeschaffung im Jahr 2023 beweist. CVC CapitaL Partners beispielsweise schloss im Juli seinen Fonds IX und sammelte 26 Milliarden Euro ein, was ihn zum weltweit größten Buyout-Fonds aller Zeiten machte. Buyout-Manager bieten gewisse defensive Eigenschaften, da sie durch operative Verbesserungen und nicht nur durch Leverage Wert schaffen. Damit stehen sie im Gegensatz zu Growth-Strategien, die oft mit Wachstum und Risikokapital in Verbindung gebracht werden, die in der Regel kapitalintensiver und bei den heutigen höheren Zinssätzen auch teurer sind. Die Beschaffung von Risikokapital hat sich allerdings in der Tat verlangsamt, was sich auch in unserer Umfrage widerspiegelte. Im Vergleich zum letzten Jahr zeigten sich Investoren bei zusätzlichen Investitionen in diese Vermögenswerte zurückhaltend. Sie bevorzugen stattdessen eher defensivere Strategien wie Private Credit, Infrastruktur und Secondaries.

Hedgework: Ein Grund für die höheren Renditeaussichten von Private Equity sind die schwierigeren Auswahlprozesse der Zielunternehmen und die eingeschränkte Liquidität für Investoren. Trotzdem sagt Moonfare, Private Equity solle in jedem diversifizierten Portfolio enthalten sein. Wie passt das zusammen?

McConnell: Investitionen in privates Beteiligungskapital sehen nicht mehr so aus wie noch vor 15 oder 20 Jahren. Moonfare hat an der Innovation der Branche mitgearbeitet, um einer größeren Gruppe von Anlegern den Zugang zur Outperformance zu ermöglichen, die früher nur den größten Family Offices, Pensionsfonds und institutionellen Anlegern zur Verfügung stand. Dazu gehört der Zugang zu Fonds des obersten Quartils, die also eine überdurchschnittliche Wertentwicklung aufweisen und die Möglichkeit, mit geringeren Mindestbeträgen zu investieren – von 50.000 Euro im Vergleich zu 10 Millionen Euro in klassischen PE-Fonds. Außerdem bietet Moonfare eine innovative Liquiditätsoption über unseren Sekundärmarkt – wir verstehen, dass Einzelanleger diese Liquiditätsoption begrüßen.

Hedgework: Lassen Sie uns noch etwas mehr über Moonfare reden. Auf den ersten Blick könnte man Ihr Haus für eine Art Neobroker mit Fokus auf Privat-Equity-Fonds halten. Was macht Moonfare über das Angebot einer digitalen Plattform hinaus? Welche Möglichkeiten finden Investoren bei Ihnen?

McConnell: Unser Anspruch ist, das Investieren in Private Equity in das digitale Zeitalter zu bringen. Die digitale Plattform ist natürlich der Schlüssel zum Erfolg von Moonfare, da sie dazu beiträgt, die Zeichnung von Fonds einfach zu gestalten, und zudem Zugang zu vielen Informationen über Private Markets selbst bietet – diese sind nicht nur für Investoren, sondern grundsätzlich auch für die Öffentlichkeit zugänglich. Ein wichtiger Aspekt sind auch detaillierte Informationen zu den Fonds auf der Plattform für unsere registrierten, qualifizierten sowie geeigneten Nutzer. Moonfare ist bestrebt, Aufklärung zu betreiben und Transparenz in die Anlageklasse zu bringen.

Hedgework: Wie sieht Letzteres aus?

McConnell: Im Rahmen der Aus- und Weiterbildung zu Private Markets bieten wir beispielsweise „Deal Talks“ mit unserem CEO, Steffen Pauls, und anderen führenden Persönlichkeiten der Privatmarktbranche an – kürzlich erst mit David Rubenstein, Mitbegründer und Co-Chairman von Carlyle, sowie mit Henry Kravis, Mitbegründer und Co-Executive Chairman von KKR.

Hedgework: Wodurch hebt sich Moonfare sonst noch ab?

McConnell: Da wäre unser Anlageausschuss und Investmentteam zu nennen. Bei uns arbeiten Private-Equity-Insider mit jahrzehntelanger Erfahrung in der Branche, die es uns ermöglichen, Zugang zu Fonds des obersten Quartils zu erhalten, die oft überzeichnet sind. Wir sind kein Marktplatz für alle Fonds in der Branche, aber unser Team führt für jeden Fonds eine institutionelle Due-Diligence-Prüfung durch. Wir prüfen jedes Jahr etwa 200 Fonds und bringen davon etwa 25 Fonds auf den Markt. Damit ermöglichen wir unserer Anlegergemeinschaft den Zugang zu Expertenwissen und passenden Private-Equity-Anlagen. Wir bieten Gelegenheiten im gesamten Spektrum der privaten Märkte, das heißt natürlich auch traditionelles Private Equity, aber auch Risikokapital, Wachstum, Infrastruktur, private Kredite, Secondaries – alles wichtige Strategien für den Aufbau eines diversifizierten Portfolios in dieser Anlageklasse.

Hedgework: Vielleicht noch ein Wort zur Kommunikationspolitik bei Moonfare?

McConnell: Hier sollte noch betont werden, dass wir, obwohl Moonfare eine digitale Plattform ist, viel Wert auf die Moonfare Community legen – eine Gemeinschaft von Gleichgesinnten mit derzeit über 5000 Anlegern auf der Plattform. Wir bringen Investoren auf Veranstaltungen und Treffen in wichtigen Städten wie Berlin, Frankfurt, Hamburg, München, Düsseldorf, London, Zürich, Paris, Mailand, Amsterdam und vielen anderen zusammen. Der persönliche Austausch mit unserem Team, anderen Anlegern und führenden General Partners und Vordenkern ist uns sehr wichtig.

Hedgework: Kurzer Themenwechsel – Ihr Gründer Steffen Pauls hat kürzlich gesagt, die ELTIF 2.0-Verordnung sei „extrem wichtig“ für Moonfare. Warum?

McConnell: Unserer Überzeugung nach senkt der ELTIF 2.0 die Hürden für Privatanleger beim Zugang zu privaten Märkten. Die ursprüngliche ELTIF-Verordnung wurde 2015 eingeführt – mit der Absicht, die private Finanzierung von europäischen Unternehmen und Projekten, insbesondere in den Bereichen Nachhaltigkeit und digitale Transformation, zu erhöhen. Im Laufe der Zeit stellte sich jedoch heraus, dass sie sowohl für Wertpapierfirmen als auch für Private zu restriktiv war. Daher kam es zu weitreichenden Änderungen, die im Januar in Kraft traten. Beim ELTIF 2.0 erweitern die Reformen in der aktualisierten Verordnung das Anlagespektrum und verringern die Hindernisse für Anleger. Dies geschieht durch die Einbeziehung neuer Vermögenswerte zusätzlich zu den bereits bestehenden wie Private Equity und Private Debt, durch die Schaffung einer Möglichkeit für einen Sekundärmarkt und die Ermöglichung von Dachfonds-Strukturen. Damit können Anleger mit relativ geringen Investitionssummen und ohne die Zeit oder das Fachwissen für die Auswahl geeigneter Manager in diesem Segment investieren. Und letztlich bietet dies einen einfacheren Weg zu einem angemessen diversifizierten Portfolio.

Hedgework: Wie sieht die ELTIF-Strategie von Moonfare konkret aus? Ab wann steht sie voraussichtlich zur Verfügung?

McConnell: Unsere ELTIF-Strategie ist als eine Kombination von Fonds und Co-Investitionen mit etablierten Managern strukturiert. Die Strategie besteht aus einer Anzahl von Flaggschiff-Private-Equity-Fonds sowie Co-Investmentmöglichkeiten. Dies bedeutet, dass die Anleger mit einer einzigen Investition in eine hohe zweistellige Zahl an Unternehmen investiert sind. Unser strategischer Schwerpunkt liegt auf Buyouts, also der Übernahme von Mehrheitsanteilen an einem Unternehmen und Wachstumsinvestitionen, um einen schnelleren Unternehmenserfolg zu erreichen. Wir nehmen nur Investitionen von Managern auf, die unserer Meinung nach zu den Besten der Branche gehören. Dies ist wichtig, da der Unterschied zwischen den besten und den schlechtesten Managern im Private Equity wesentlich ausgeprägter ist als auf den öffentlichen Märkten. Und zur Frage nach der Verfügbarkeit – wir haben unsere ELTIF-Strategie Anfang Februar in Frankfurt vorgestellt, der Fonds wird in den kommenden Wochen an den Start gehen.

Margareta (Molly) McConnell ist Head of DACH bei Moonfare. Sie arbeitet eng mit Privatkunden, Family Offices und Privatbanken in der DACH-Region zusammen, um Portfolios aufzubauen und Zugang zu erstklassigen Privatmarktinvestitionen zu ermöglichen. Vor Moonfare war sie als Senior Private Equity Produktspezialistin für UHNW und Family Offices bei der Credit Suisse tätig und arbeitete eng mit der Young Investor Organisation zusammen, wo sie den Global Next Generation Report federführend entwickelte. Molly hat einen MBA von INSEAD (und einen Master von der Diplomatischen Akademie in Wien) und begann ihre Karriere in der Entwicklungsfinanzierung.
  
Moonfare bietet qualifizierten Einzelanlegern, Family Offices und ihren Beratern Zugang zu Investitionsmöglichkeiten auf dem Privatmarkt. Mit seinem digitalen Onboarding-Prozess und seiner Vermögensverwaltungsplattform ermöglicht Moonfare geeigneten Anlegern, sich zu registrieren und direkt online über eine intuitive und effiziente Plattform zu investieren. Bis heute hat Moonfare mehr als 110 Privatmarktfonds von weltweit führenden General Partnern wie KKR, Carlyle und EQT angeboten, wobei der Schwerpunkt auf Private-Equity-Buyout, Venture Capital, Growth und Anlageklassen wie Infrastruktur liegt. Moonfare bietet auch eigene Fonds an, darunter hochgradig kuratierte Co-Investitionen sowie Secondaries.

Das Investmentteam von Moonfare führt bei allen Fonds eine gründliche Due-Diligence-Prüfung durch. Weniger als 5 % der verfügbaren Fonds durchlaufen diesen Prozess und werden auf die Moonfare-Plattform aufgenommen. Dieser Fokus auf Qualität ist einer der Gründe, warum Moonfare das Vertrauen von 4000 Kunden gewonnen hat, die mehr als 2,7 Milliarden Euro auf der Plattform investiert haben. Moonfare hat seinen Hauptsitz in Berlin und ist in 22 Ländern in Europa, Asien und Amerika tätig. Das Unternehmen hat außerdem Büros in New York, London, Zürich, Singapur, Paris und Luxemburg.

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