Private Debt gewinnt zunehmend Aufmerksamkeit

  • Jean Baptiste Berthon
  • Amundi Investment Institute

MÜNCHEN – Private Debt befindet sich in einer interessanten, aber auch kritischen Phase, sagt Jean Baptiste Berthon vom Amundi Investment Institute. Die Wachstumsprognosen seien gut, die Zuflüsse steigen. Dem entgegen stünden ein zunehmender Wettbewerb und veränderte Regulierungen. Insgesamt aber sei die Branche gut positioniert, um weiter stark zu wachsen.

Ein bedeutsamer Vorteil von Private Debt sei, dass sich in der Regel höhere Renditen bieten als bei Public Debt. Das sei zum Teil auf die Illiquiditätsprämie zurückzuführen erklärt Jean Baptiste Berthon vom Amundi Investment Institute, sowie auf das Expertenwissen, das für den Zugang, die Quelle und die Strukturierung dieser Kredite erforderlich ist. Darüber hinaus finanziere Private Debt häufig kleinere und mittelgroße Unternehmen mit begrenztem Zugang zu den Kapitalmärkten, die ein attraktives Risiko-Rendite-Profil bieten und weniger Wettbewerb unter den Kreditgebern ausgesetzt sind. Dies schaffe Möglichkeiten für höhere Renditen und günstigere Konditionen.
Zudem würden die Anleger Private-Debt-Fonds in der Regel bis zur Fälligkeit halten und sich mehr auf Cashflows konzentrieren als auf Marktpreisschwankungen, was sie weniger anfällig für kurzfristige Volatilitäten mache.

Private Debt als alternativer Performance-Treiber

Im Gegensatz zu den Public Markets, an denen die Bedingungen relativ standardisiert sind, sind die Verträge für Private Debt oft maßgeschneidert, führt Berthon weiter aus. Diese Flexibilität könne zu einem stärkeren Kreditschutz und stabileren Cashflows führen, als dies bei Public Debt der Fall ist. Viele Private Debt-Titel seien außerdem variabel verzinst, mit einer Basiszinsuntergrenze, was eine natürliche Absicherung gegen steigende Zinsen und Inflation darstelle.
Bedeutsam ist zudem, dass Private Debt aufgrund der Unterschiede in der Liquidität, den Schuldnerprofilen und den Preisbildungsmechanismen nur eine begrenzte Korrelation mit Public Debt aufweise, was die Anlagen zu attraktiven Diversifizierungsinstrumenten innerhalb von festverzinslichen Portfolios mache.

Steigendes Privatanlegerinteresse wird komplexe Anpassungen auslösen

In Zukunft werden mehr Retail-Investoren in Private Debt-Lösungen investieren, betont Berthon. Dafür müsse die Branche sich weiterentwickeln und neue Produkte und Strukturen schaffen, die auf die Bedürfnisse von Retail-Investoren zugeschnitten sind. Dazu gehöre unter anderem die vermehrte Einführung von Evergreen-Fonds, die Entwicklung eines Sekundärmarktes, niedrigere Mindestanlagebeträge sowie eine verbesserte Berichterstattung. Daneben werde es auch bei den regulatorischen Vorgaben viel Bewegung geben: Die Aufsichtsbehörden könnten neue Rahmenwerke entwickeln, um Anlegerinnen und Anleger zu schützen und gleichzeitig den Zugang zu alternativen Investments zu fördern.

Private Debt am Scheideweg

„Konjunkturell profitiert Private Debt von stabileren Kreditbedingungen, ist aber auch mit Schocks wie Handelskriegen oder geopolitischen Risiken konfrontiert“, resümiert der Experte. Da die Portfoliodiversifizierung immer schwieriger werde, dürfte die Nachfrage nach Private Debt weiter steigen, so seine Überzeugung. Dieses Wachstum sollte durch die Erschließung neuer Möglichkeiten in verschiedenen Regionen und Sektoren gesteuert werden. Perspektivisch gesehen eröffne die aktuelle Entwicklung daher viele Chancen für Private Debt: Von der steigenden Wahrnehmung in der Breite über KI-gestützte Innovationen bis hin zu globaler Expansion.

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