Private Credit im Aufwind
- Matthew Harvey
- PGIM
MÜNCHEN – „Die Perspektiven für den Private-Credit-Markt bleiben auch nach Jahren dynamischen Wachstums optimistisch“, sagt Matthew Harvey von PGIM. Banken würden sich zunehmend aus ihrer Rolle als Kreditvermittler zurückziehen, während etwa spezialisierte Kreditfonds mehr Raum gewinnen. „Dies eröffnet Nichtbanken als Kreditgebern zusätzliche Chancen.“
Die Bedeutung nicht gesponserter Kredite dürfte weiter zunehmen, zeigt sich Matthew Harvey, Global Head of Middle Market Direct Lending von PGIM, sehr positiv für das Marktsegment. Während Private-Equity-gesponserte Transaktionen den heutigen Markt dominieren, würden Finanzierungen für inhabergeführte oder familiengeprägte Unternehmen zusätzliche Diversifikationschancen und oft strengere Schutzmechanismen bieten. Dies verleihe Anlegerportfolios mehr Stabilität und könne höhere Rückflüsse im Fall von Problemen ermöglichen, erklärt der Experte.
Der Bereich non-sponsored beinhalte klassischerweise ereignisgesteuerte Transaktionen, wie beispielsweise Add-on-Akquisitionen, Rekapitalisierungen und großen Wachstumsinvestitionen, jedoch keinen Wechsel der Unternehmenskontrolle. Dies könne das exogene Faktorrisiko bei der Kreditvergabe reduzieren, indem sichergestellt werde, dass Eigentumsverhältnisse, Management und Strategie konsistent bleiben. Im Allgemeinen spiegele das auch einen weniger aggressiven Ansatz im Bereich Leverage wider. Schließlich sei für die meisten Familieneigentümer ihr Unternehmen über Generationen hinweg der einzige Vermögenswert. Sie sind außerdem eng mit ihrem direkten gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Umfeld verbunden, anstatt einfach Teil eines breiteren Portfolios von Vermögenswerten zu sein, die sich im Besitz eines Finanzinvestors befinden.
Riesiges Marktsegment
Da sich über 95 % der Unternehmen im europäischen Mittelstand in Gründerhand befinden, ist der adressierbare Markt für nicht gesponserte Kredite riesig und profitiert von denselben Trends, die ursprünglich die direkte Kreditvergabe durch Sponsoren vorangetrieben haben, führt Harvey weiter aus. Namentlich geht es dabei um die Disintermediation der Banken für private Kreditgeber, um maßgeschneiderte, sicherere und flexiblere Finanzierungslösungen in großem Maßstab anzubieten.
Zwar würden hohe Zinsen und eine schwächere Konjunktur kurzfristig das Gesamtvolumen der Emissionen aufgrund geringerer Übernahmeaktivitäten dämpfen, die der Experte allerdings auch weiterhin als Primärtreiber sieht, weshalb er die Nachfrage langfristig als ungebrochen einschätzt. „Solange Private-Equity-Gesellschaften über erhebliche Mittel verfügen, suchen sie nach Partnern, die ihnen verlässliche Finanzierungen sichern können“, ist er überzeugt.
Abkühlende Konjunktur als Warnsignal
Dennoch seien die Aussichten nicht überall rosig. Mit einer abkühlenden Konjunktur steige die Wahrscheinlichkeit von Zahlungsausfällen, räumt Harvey ein. Ernstzunehmenden Prognosen zufolge könnten die Ausfallraten bis Ende 2026 auf 2,8 Prozent bei Hochzinsanleihen und 4,8 Prozent bei Leveraged Loans steigen. Doch gerade in einem solchen Umfeld trenne sich die Spreu vom Weizen: Kreditgeber, die auf stark gehebelte Engagements mit lockereren Kreditbedingungen setzen, laufen Gefahr, überdurchschnittlich hohe Verluste zu erleiden. Konservative Anbieter hingegen, die auf stabile Cashflows und vorrangig besicherte Strukturen setzen, sollten ihre Risiken besser begrenzen und mögliche Ausfälle im Portfolio eher auffangen können.
Für Investoren bleibt daher entscheidend, wie selektiv ein Manager vorgeht. Direktkreditgeber mit breiten Netzwerken und erfahrenen Teams können nicht nur stabilere und besser diversifizierte Kreditportfolios zusammenstellen, sondern auch in schwierigen Marktphasen enger mit Kreditnehmern zusammenarbeiten, mahnt der PGIM-Manager. Insofern erlaube es gerade die Beziehungsebene – etwa die Rolle als alleiniger oder führender Kreditgeber – in schwierigen Situationen maßgeschneiderte Lösungen zu finden, anstatt in kollektive Notverkäufe gedrängt zu werden mit nur geringem Einfluss auf das Ergebnis.
Private Credit als Wachstumssegment
Alles in allem deutet laut Harvey vieles darauf hin, dass Private Credit auch in einem unsicheren konjunkturellen Umfeld ein Wachstumssegment bleibt. Die damit einhergehende Illiquidität mache den Bereich weniger anfällig für die Schwankungen der Märkte, und die flexible, oft individuell ausgehandelte Struktur erlaube es, Risiken differenziert zu steuern. „Anleger, die auf langfristige Trends setzen, finden hier eine Anlageklasse, die Stabilität, Diversifikation und attraktive relative Renditen bieten kann“, resümiert Harvey, „allerdings nur, wenn sie bereit sind, den komplexen Selektionsprozess und die besonderen Risiken dieser Märkte zu akzeptieren.“
