Positiver Jahresausklang in Sicht
- Dr. Eduard Baitinger
- Leiter Asset Allocation
- FERI AG
FRANKFURT – Die Chancen auf einen positiven Jahresausklang stünden sehr gut, sagt Dr. Eduard Baitinger von der FERI AG. Zu verdanken sei das in erster Linie dem geldpolitisch freundlicheren Umfeld für Investoren, das durch die erfolgte Leitzinssenkung durch die Fed eingeleitet wurde. Auch für 2026 beurteilt er die Stimmung als positiv.
„Nach einer längeren Pause hat die Fed wie erwartet den Leitzins gesenkt und den Marktteilnehmern zwei weitere Zinsschritte in diesem Jahr in Aussicht gestellt“, sagt Dr. Eduard Baitinger, Leiter Asset Allocation der FERI AG. Die weltweit tonangebende Notenbank setze damit ihren zuvor pausierten Zinssenkungszyklus fort und schaffe ein geldpolitisch freundlicheres Umfeld für Investoren zum Jahresende. Die Chancen auf einen positiven Jahresausklang stünden deshalb sehr gut.
2026 weniger Zinsschritte erwartet
Für das kommende Jahr prognostizierte die Fed allerdings deutlich weniger Zinsschritte, als die Marktteilnehmer zuletzt erwartet hatten. Der freundlichen Stimmung an den Börsen tat dies jedoch keinen Abbruch. Denn ab Mai 2026 wird voraussichtlich ein neuer Notenbankchef das Ruder übernehmen. Dieser dürfte taubenhafter agieren als der derzeit noch amtierende Jerome Powell, ahnt Baitinger.
Auch von der politischen Krise in Frankreich ließen sich die Marktteilnehmer nicht nachhaltig beeindrucken, wo erneut ein Regierungschef daran gescheitert ist, den Kurs des Landes auf einen fiskalpolitisch nachhaltigeren Pfad zu bringen. Nunmehr steht bereits der fünfte Regierungschef seit 2022 im Amt – und das Land entwickelt sich zunehmend zum Sorgenkind der Eurozone. In absoluten Zahlen weise Frankreich die höchste Verschuldung der Währungsunion auf, während ernsthafte Sparmaßnahmen und Reformen politisch wie gesellschaftlich kaum durchsetzbar sein, so der Experte.
Regierungskrise in Frankreich
Im Falle einer echten Schuldenkrise und dem Verlust des Zugangs zum Anleihemarkt wären andere EU-Staaten kaum in der Lage, ein Rettungspaket für Frankreich zu schnüren – die benötigten Summen wären schlicht zu groß. In letzter Konsequenz käme wohl nur eine direkte Intervention der Europäischen Zentralbank in Betracht. Nicht überraschend zählen die Risikoaufschläge für französische Staatsanleihen inzwischen zu den höchsten innerhalb der Eurozone.
Noch deute allerdings wenig auf eine ausgewachsene Finanzkrise in der Eurozone hin. „Insgesamt bewegen sich die Risikoprämien auf Staatsanleihen der Euro-Staaten trotz partieller Anstiege nach wie vor auf historisch tiefen Niveaus“, stellt Baitinger fest. Die jüngsten Auktionen französischer sowie anderer europäischer Staatsanleihen seien reibungslos verlaufen. Auch die Aktienmärkte in Europa hätten die politischen Turbulenzen bislang gut verkraftet. Sofern Frankreich allerdings keine substanziellen Reformen umsetzen werde, dürfte die Geduld der Märkte früher oder später schwinden und die Investoren das Land über deutlich steigende Aufschläge disziplinieren.
Goldpreis weiter mit Aufwärtstendenz
Zweifellos gehört physisches Gold zu den Hauptprofiteuren der jüngsten Ereignisse. Neben der politischen Krise in Frankreich und den damit verbundenen Sorgen um die Stabilität öffentlicher Haushalte in der Eurozone trug auch die Zinssenkung der Fed, die von wiederholten Angriffen auf die Unabhängigkeit der Notenbank begleitet wurde, zu den neuerlichen Avancen beim Goldpreis bei, erklärt der Experte. Mit einer Performance von über 40 Prozent seit Jahresbeginn hat das Edelmetall die globalen Finanzmärkte deutlich übertroffen. Allerdings sei das gelbe Metall kurzfristig überkauft, weshalb sich der Preisanstieg kaum im selben Tempo fortsetzen dürfte. Das grundsätzliche Umfeld bleibe allerdings goldfreundlich: Anhaltende Zweifel an der Unabhängigkeit der Fed und damit das erodierende Vertrauen in den US-Dollar, hohe globale Staatsschulden sowie langfristig steigende geopolitische Spannungen würden gegen eine grundsätzliche Trendumkehr beim Goldpreis sprechen, endet Baitinger.
