Outrageous Predictions 2025
Die „unerhörten Vorhersagen“ der Saxo Bank sind keineswegs Fakten – zumindest noch nicht. Deren Experten wissen nicht, welche Stories die Weltwirtschaft im kommenden Jahr antreiben werden, dennoch scheinen die Vorhersagen für 2025 des Nachdenkens wert. Und wer weiß – womöglich bewahrheitet sich das ein oder andere schon recht bald.
Die 8 Outrageous Predictions 2025 der Saxo Bank:
1. Trump 2.0 sprengt den US Dollar
„Wenn Trump 1.0 im Jahr 2016 die Vorstufe zur Deglobalisierung war, wird Trump 2.0 im Jahr 2025 das Hauptereignis sein, mit all seinen Folgen für den US-Dollar“, ahnt John J. Hardy als Chief Macro Strategist der Saxo Bank.
Er sieht es als möglich an, dass die neue Trump-Administration die gesamten Beziehungen der USA zur Welt umgestalten werden, indem sie einerseits massive Zölle auf alle Importe erhebt und gleichzeitig die Defizite mit Hilfe eines von Elon Musk geleiteten Department of Government Efficiency (DOGE) abbaut. „Die Folgen für den US-Dollar sind für den weltweiten Handel verheerend, da dadurch der Nachschub an Dollars abgeschnitten wird, der benötigt wird, um die Räder des globalen USD-Systems am Laufen zu halten, was ironischerweise zu einem starken Anstieg des US-Dollars führen kann“, sagt Hardy.
Stattdessen würden Sicherheitsventile entwickelt, da die globalen Finanzakteure nach Alternativen suchen. China und die BRICS+-Staaten könnten ihre Geschäfte mit goldgedecktem digitalem Geld und bis zu einem gewissen Grad auch direkt in einem neuen goldgedeckten Offshore-Yuan abwickeln, Europa seine Handelsbeziehungen zunehmend auf den Euro umstellen und goldgebundene Krypto-Stablecoins den Mix ergänzen, wenn dieses dramatische neue Kapitel der globalen Finanzmärkte beginnt.
Mögliche Marktauswirkungen: „Der Kryptomarkt vervierfacht sich auf mehr als 10 Billionen USD, dieser fällt um 20 % gegenüber den wichtigsten Währungen und um 30 % gegenüber Gold. Die US-Wirtschaft erholt sich weiter, aber die Löhne steigen im Gleichschritt mit der Güterinflation, da die Produktionsressourcen in die USA zurückverlagert werden. Die US-Exporteure sind im Vorteil.“
2. Nvidia steigt auf den doppelten Wert von Apple
„Tech-Gigant Nvidia könnte mit seinen revolutionären KI-Chips auf die doppelte Größe von Apple anwachsen und das profitabelste Unternehmen aller Zeiten werden“, stellt John J. Hardy eine weitere Vorhersage in den Raum.
Was wir im Bereich der künstlichen Intelligenz erleben, ähnelt einem Goldrausch, bei dem schon damals meist nur die Verkäufer von Schaufeln ein Vermögen verdienten. In der Neuzeit sind die monopolistischen IT-Riesen sowie eine Vielzahl von Start-ups dabei, die Möglichkeiten der generativen KI nutzbar zu machen. Dies reicht von Metaverse bis hin zum autonomen Fahren.
Der wichtigste Schaufelhändler im KI-Goldrausch ist wiederum Nvidia, Entwickler der hochgezüchteten Chips und, was ebenso wichtig ist, des Software-Ökosystems, das den Löwenanteil der KI-Rechenzentren ausmacht, wie Hardy beschreibt. „Angesichts des sich verschärfenden KI-Wettrüstens, bei dem kein Konzern und keine Regierung zurückbleiben will, und der steigenden Stromkosten für KI-Rechenzentren sorgt die unstillbare Nachfrage nach den leistungsfähigeren und gleichzeitig weniger energiehungrigen Blackwell-Chips von Nvidia dafür, dass das Unternehmen die Krone als profitabelstes Unternehmen aller Zeiten übernehmen wird“, so die Vorhersage.
Mögliche Auswirkungen auf den Markt: „Nvidia-Aktien werden deutlich über 250 USD gehandelt, bevor der Markt beginnt, das Potenzial von Nvidia in Frage zu stellen, einen immer größeren Anteil an den Unternehmensgewinnen zu erlangen, und da unwillkommene regulatorische Untersuchungen zu seinem Monopolstatus die Aussichten trüben.“
3. China setzt 50 Billionen CNY als Konjunkturprogramm ein, um seine Wirtschaft anzukurbeln
„China befindet sich in einer klassischen Bilanzrezession, die mit der japanischen Erfahrung der 1990er-Jahre vergleichbar ist“, konstatiert Charu Chanana, Chief Investment Strategist der Saxo Bank. Das Reich der Mitte habe eine Blase aus Unternehmens- und Immobilienschulden aufgebaut, die in der globalen Wirtschaftsgeschichte ihresgleichen sucht. „Allein die Unternehmensverschuldung Chinas liegt bei über 150 % des BIP und die Verschuldung der lokalen Gebietskörperschaften bei weiteren 80-90 % des BIP.“
Expertin Chanana kann sich vorstellen, dass China nun die kühne Wette eingeht, eine Reflation anzusteuern und die Inflationsrisiken in den Griff zu bekommen, mittels eines 7 Billionen USD schweren Pakets an fiskalischen Initiativen. Ein Großteil der Ausgaben dürfte über den digitalen e-Yuan direkt in die Taschen der Verbraucher und somit direkt in die Wirtschaft fließen – und nicht zur Schuldentilgung verwendet werden. Außerdem sollen Anreize für Unternehmen geschaffen werden, die Arbeitszeiten zu verkürzen, um die Freizeit, den Konsum, die Gründung von Unternehmen und nicht zuletzt das Kinderkriegen zu fördern.
Mögliche Auswirkungen auf den Markt: „Starke reflationäre Auswirkungen in China und der Welt, Outperformance der Schwellenländer gegenüber der DM und insbesondere China, weltweit höhere Rohstoffpreise, stärkerer chinesischer Renminbi.“
4. Erstes biologisch gedrucktes menschliches Herz läutet eine neue Ära der Langlebigkeit ein
In einem beispiellosen wissenschaftlichen Durchbruch werde es Forschern im Jahr 2025 gelingen, mit Hilfe der fortschrittlichen 3D-Bioprinting-Technologie ein voll funktionsfähiges menschliches Herz zu drucken, vermutet Koen Hoorelbeke, Investment and Options Strategist bei der Saxo Bank. Die Auswirkungen dieser Errungenschaft sind gewaltig. Sie verspricht, den weltweiten Mangel an Spenderorganen zu lindern und ebnet den Weg zur Verlängerung der menschlichen Lebenserwartung, indem versagende Organe durch maßgeschneiderte, vollständig kompatible Organe ersetzt werden.
Potenzielle Auswirkungen auf den Markt: „Der Erfolg bei bio-gedruckten Organen lässt die Wachstumserwartungen für die Biotechnologie- und 3D-Druck-Branche sprunghaft ansteigen. Die meisten Unternehmen in diesem Bereich befinden sich in der Start-up-Phase, sodass mit einer Reihe von Börsengängen zu rechnen ist.“
5. Elektrifizierungsboom bedrängt OPEC
China ist der Vorreiter des Elektrifizierungsbooms im Verkehrswesen und hat alle früheren Annahmen über das potenzielle Ausmaß der Produktion und Verbreitung von Elektrofahrzeugen zum Gespött gemacht, wie Ole Hansen als Head of Commodity Strategy bei Saxo Bank beschreibt. Vor allem aber werden, wenn andere Länder Chinas Vorbild folgen, die Batteriepreise sinken, so dass E-Autos billiger werden als ihre benzinbetriebenen Pendants.
Mögliche Auswirkungen auf den Markt: Der Preis für Rohöl sinkt aufgrund der Überproduktion zunächst, was für Fluggesellschaften, Chemie-, Farben- und Reifenhersteller günstig ist. Danach stabilisieren sich die Ölpreise wieder, da verschiedene Anbieter, etwa in Nordamerika das teure Schieferöl, die Produktion einstellen.
6. Die USA besteuern KI-Rechenzentren, um die Strompreise bezahlbar zu halten
„Die KI-Revolution ist ein Stromfresser“, sagt Ole Hansen. Daher werden die Tech-Giganten drastische Maßnahmen ergreifen, um stabile, langfristige Stromquellen zu sichern. Allerdings dürften die Strompreise kurzfristig sprunghaft ansteigen, weshalb lokale Behörden die größten Rechenzentren mit hohen Steuern und sogar Bußgeldern belegen könnten, um die Kosten der KI zu subventionieren.
Mögliche Auswirkungen auf den Markt: „Ein massiver Boom bei US-Investitionen in die Energieinfrastruktur.“
7. Eine Naturkatastrophe führt zum Bankrott einer großen Versicherungsgesellschaft
Zuletzt gab es weltweit wilde Wetterereignisse – von einer Sintflut, die in einigen der trockensten Gebiete der Sahara vorübergehend Seen entstehen ließ, bis hin zu tödlichen Überschwemmungen in Spanien und in Connecticut nach einem „einmal in tausend Jahren“ auftretenden Regenereignis. „Das bedeutet, dass früher als 100- oder sogar 1000-jährlich erwartete Regen- und Überschwemmungsereignisse in der Größenordnung von einmal pro Jahrzehnt oder sogar noch häufiger auftreten könnten.
Im Jahr 2025 könnte ein katastrophales Sturm- und Regenereignis in den USA die Versicherungsbranche unvorbereitet treffen und Schäden verursachen, die ein Vielfaches der 40 Milliarden USD betragen, die der Hurrikan Katrina im Jahr 2005 verursacht hat, mutmaßt John Hardy. Da die Reserven zur Deckung der Schäden unzureichend sind und die Rückversicherung nicht ausreicht, um die Kosten dieses extremen Ereignisses abzufedern, breitet sich in der gesamten Branche Panik aus. Zudem dürfte die Katastrophe eine Neufestsetzung der Preise für Naturkatastrophen erzwingen, wodurch nicht zuletzt die Immobilienwerte in vielen Wohnungsmärkten stark sinken würden.
Mögliche Auswirkungen auf den Markt: „Die Aktien von Berkshire Hathaway steigen, da Buffetts Unternehmen über genügend Kapital verfügt, um die Panik zu überstehen, und das Unternehmen Marktanteile gewinnt.“
8. Pfund Sterling holt Abschlag gegenüber dem Euro auf
„Während die europäische Wirtschaft kämpft, weht im Vereinigten Königreich ein frischer fiskalpolitischer Wind, der das Pfund Sterling gegenüber dem Euro auf ein Niveau treibt, das es seit dem Brexit nicht mehr gegeben hat“, lautet die finale outrageous prediction von John Hardy. Durch die Kürzung unproduktiver Subventionen wie der Winterheizungsbeihilfe für Rentner, der Förderung von Investitionen im Immobiliensektor und im verarbeitenden Gewerbe sowie der Anhebung der Einkommen der Beschäftigten des öffentlichen Sektors sei das Vereinigte Königreich für ein solides nominales Wachstum in den kommenden Jahren gerüstet, so dass der Leitzins der Bank of England im Vergleich zu den wichtigsten globalen Wettbewerbern auf einem hohen Niveau bleibe.
Mögliche Auswirkungen auf den Markt: „Ermutigende Inlandsinvestitionen und robustere Wachstumsaussichten stützen das Pfund Sterling gegenüber dem schwächelnden Euro, so dass der Euro-Sterling-Kurs bis auf 0,7500 und damit unter den Kurs von 0,76 am Tag vor dem Brexit-Votum fällt – und der britische FTSE 100 verzeichnet eine starke Performance.“
