Optimistischer Ausblick für europäische Unternehmensanleihen
- Howard Woodward
- T. Rowe Price
MÜNCHEN – „Die Goldilocks-Ära hält weiterhin an“, sagt Howard Woodward von T. Rowe Price – und betont damit seine positive Einstellung zu europäischen Unternehmensanleihen. Er sieht insbesondere die soliden Fundamentaldaten der Emittenten sowie die Gesamtrenditen als wichtige Treiber für diese Anlageklasse.
Obwohl die Bewertungen europäischer Unternehmensanleihen, angesichts der Spreads, die wieder auf ihrem Jahrestief und nahe dem 18-Jahres-Tief liegen, hoch erscheinen, sei die renditetechnische Nachfrage der Käufer in Verbindung mit soliden Fundamentaldaten ein wichtiger erforderlicher Faktor, damit die Spreads nachhaltig aus ihrer jüngsten Handelsspanne ausbrechen können, lautet die Einschätzung von Howard Woodward, Co-Portfoliomanager der T. Rowe Price European Corporate Bond Strategies.
Wichtige Treiber für die Nachfrage nach europäischen Unternehmensanleihen
Unter dem Strich erachtet er indes die Gesamtrenditen als wichtigen Treiber für die Nachfrage in dieser Anlageklasse. Hinzu kommt, dass er die Fundamentaldaten der Unternehmen als weiterhin solide betrachtet: „Die Verschuldung und andere wichtige Indikatoren sind im Allgemeinen besser als im langfristigen Durchschnitt, selbst nach dem Renditeanstieg.“ Dies stehe im Gegensatz zur Verschlechterung der Staatshaushalte, wo sich die Haushaltsdefizite und die steigende Staatsverschuldung immer deutlicher bemerkbar machten. „Wir befinden uns daher in einer Situation, in der trotz enger Spreads ein Handel innerhalb einer engen Bandbreite auf kurze bis mittlere Sicht weiterhin möglich ist“, sagt Woodward.
Von Emittentenseite erwartet der Experte 2026 ein höheres Bruttoangebot, das durch den Finanzierungsbedarf für KI-Rechenzentren, die erhöhte Emissionstätigkeit US-amerikanischer Schuldner und eine Belebung der M&A-Aktivitäten in Europa getrieben werde. Allerdings dürften längere Laufzeiten und höhere Kuponzahlungen einen bedeutenden Ausgleich schaffen, so sein Kalkül, sodass das Nettoangebot im historischen Vergleich überschaubar bleibe. Wichtig sei auch, dass der Markt bisher höhere Emissionen ohne Schwierigkeiten absorbiert habe; die Nachfrage stark bleibe und Hyperscaler weiterhin Zugang zu Finanzmitteln mit begrenzten Zugeständnissen haben – ein Bereich, den er weiterhin beobachten will.
Die eigene Positionierung ist leicht long
Mit seinen eigenen Portfolios ist Woodward leicht long positioniert, hält es jedoch für sinnvoll, einige Absicherungen beizubehalten, da Marktstörungen aufgrund von Zöllen, KI-getriebenen Angeboten, der Geopolitik und andere Faktoren, immer wieder auftreten könnten. Im Kreditbereich bevorzugt er weiterhin Finanzwerte – sowohl Banken als auch Versicherungen – sowie ausgewählte Industriesektoren, die ein attraktives relatives Wertpotenzial und ein begrenztes Risiko in Bezug auf Zölle oder Konjunkturschwankungen bieten. Untergewichtet bleibt er indes bei Emittenten und Sektoren, bei denen die makroökonomischen, strukturellen oder zollbezogenen Risiken nicht angemessen eingepreist erscheinen, wie etwa beim Automobilsektor.
