Neuer Trend: Privatinvestoren setzen verstärkt auf aktive ETFs

  • Ivan Durdevic
  • J.P. Morgan AM

MÜNCHEN – Die Bedeutung aktiver ETFs nimmt weiter zu, sagt Ivan Durdevic von J.P. Morgan AM. Eine aktuelle Studie seines Hauses zeige, dass nicht mehr nur institutionelle Investoren zu den aktiven-passiven greifen, sondern zunehmend auch Private.

Die Ergebnisse der Studie ergaben für aktive ETFs einen Bekanntheitsgrad von 91,3 Prozent bei den befragten 1000 Privatanlegern. Das heißt, wer bereits am Kapitalmarkt investiert ist, hat zumindest schon von aktiven ETFs gehört. Darüber hinaus hätten bereits 40,5 Prozent der Befragten erste Erfahrungen mit dem aktiven Management im ETF-Mantel gemacht.

Hoher Bekanntheitsgrad und wachsendes Interesse

Für Produktanbieter erfreulich ist zudem, dass rund ein Drittel der Befragten über Investments in aktive ETFs nachdenkt. Demgegenüber schließt ein Viertel der befragten Privatinvestoren (derzeit noch) aus, in aktive ETFs zu investieren. Die Studie belege, dass einerseits bereits verbreitet sei, dass ein ETF nicht per se ein passives Investment sein muss, erklärt Ivan Durdevic, Leiter ETF-Distribution Deutschland, Österreich und Schweiz bei J.P. Morgan AM. Andererseits gebe es auch eine zunehmende Akzeptanz aktiver ETFs bei denjenigen, die bisher eher in passive ETFs investierten. Der wichtigste Punkt sei hierbei das aktive Management zu günstigen Konditionen, gefolgt von der Möglichkeit zur Maximierung der Rendite sowie der Einkommensgenerierung.

Strategische Nutzung aktiver ETFs als Portfolio-Beimischung

Die Umfrageergebnisse zeigen auch, dass aktive ETFs von den meisten der befragten Privatinvestoren aktuell als strategische Beimischung zu bestehenden passiven Portfolios genutzt werden. Allerdings sehen 23,1 Prozent – und damit fast ein Viertel der Befragten – aktive ETFs bereits als Kerninvestment oder als einen wichtigen Teil ihrer Kerninvestments an. Nichtsdestotrotz machen aktive ETFs bei den Befragten selten mehr als 30 Prozent des Gesamtvermögens aus – lediglich bei 15,4 Prozent liege der Anteil aktuell höher.

Von besonderem Interesse seien daneben aktive ETFs, die regelmäßige Ausschüttungen bieten (Income) sowie Investments via Sparplan. Während die Sparplanraten vergleichsweise hoch seien – 20,1 Prozent investieren 500 Euro oder mehr monatlich in aktive ETFs –, liegen die Einmalanlagen mehrheitlich bei 5000 Euro oder niedriger, wie Durdevic weiter ausführt. Die durchschnittliche ETF-Sparplanrate in Deutschland liege über alle Produkte indes bei 136 Euro.

Marktpotenzial heben und Wissenslücken schließen

Trotz der wachsenden Bekanntheit gebe es für die Akzeptanz aktiver ETFs noch weiteres Potenzial, sagt der ETF-Experte. So räumte ein Viertel der Befragten, die bisher noch nicht investieren, ein, noch über zu geringes Wissen über die Produkte zu verfügen. Einem weiteren Viertel (23,5 Prozent) seien die Produkte noch zu jung – sie wollen lieber noch ein wenig abwarten, bis die aktiven ETFs einen längeren Track Record aufweisen. Und schließlich empfindet etwas mehr als ein Drittel der Befragten die Kosten aktiver ETFs als zu hoch.

Demgegenüber würde ein Vergleich der Gebührenstrukturen aktiver und passiver ETFs in Deutschland zeigen, dass diese im Durchschnitt nur wenige Basispunkte auseinanderliegen. So würden die passiven ETFs durchschnittlich mit 0,20 Prozent zu Buche schlagen, die aktiven mit 0,31 Prozent.

Unter dem Strich würde die Studie zeigen, dass weitere Aufklärungsarbeit und vor allem transparente Informationen über Kosten und Nutzen der aktiven Strategien entscheidend sind, um das volle Potenzial aktiver ETFs auszuschöpfen und hartnäckige Vorurteile abzubauen, resümiert Durdevic. Professionelle beziehungsweise institutionelle Anleger seien da schon einen Schritt weiter. In einer entsprechenden Untersuchung seines Hauses zeigte sich unlängst, dass 90 Prozent der befragten Investoren in Europa bereits in aktive ETF investieren und 68 Prozent ihre aktiven ETF-Investments weiter ausbauen wollen.

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