Mikrofinanz – Stabilitätsanker im Portfolio
- Michael Zink
- Invest in Visions
FRANKFURT – Das 50/50-Portfolio aus Aktien und Anleihen galt lange Zeit als robustes Grundgerüst der Kapitalanlage, erinnert Michael Zink von Invest in Visions. Doch die Schutzwirkung von Anleihen als natürlicher Gegenspieler zu Aktien könne in Stressphasen deutlich nachlassen. Hier empfehle sich ein Blick auf Mikrofinanz als Baustein, der außerhalb der Kapitalmarktzyklen stehe.
Aktien liefern Wachstum, Anleihen Stabilität – so die klassische Logik. Doch die vergangenen Jahre hätten diese Überzeugung ins Wanken gebracht, warnt Michael Zink, Chief Customer Officer beim Frankfurter Impact Investor Invest in Visions. Die Inflationsschocks 2022/2023, die rasante Zinsanpassung durch die großen Notenbanken und die anhaltenden geopolitischen Spannungen führten zu einem Umfeld, in dem Aktien- und Rentenmärkte in Stressphasen nicht mehr zwingend gegenläufig reagierten. In bestimmten Marktphasen könnten Korrelationen zunehmen und dadurch die Schutzwirkung traditioneller Mischportfolios zeitweise nachlassen.
Damit rücke die Frage in den Fokus, welche alternativen Diversifikationsbausteine das Portfolio stabilisieren können? „Einer dieser Bausteine ist Mikrofinanz“, sagt Zink.
Unterschätzter Baustein zur Portfoliodiversifizierung
Zur Erklärung: Mikrofinanzfonds investieren Anlegergelder als Darlehen an ausgewählte Mikrofinanzinstitute. Diese vergeben wiederum Kredite an kleine Unternehmen und wirtschaftlich aktive Menschen etwa im Handel, in der Landwirtschaft oder im Handwerk in Entwicklungs- und Schwellenländern. Aus Sicht der Anleger entstehe dadurch ein indirekter Zugang zu einer breit diversifizierten Kreditstruktur mit hoher Granularität und geringer Zyklizität im Vergleich zu klassischen Anlagen am Kapitalmarkt, erklärt Zink.
Charakteristisch für Mikrofinanzportfolios sei die geringe Korrelation zu Aktien- und Anleihemärkten (typischerweise 0 bis 0,3). Ihre Wertentwicklung weise damit einen vergleichsweisen geringen Gleichlauf mit diesen Märkten auf. Daneben würden die breit gestreuten Kreditportfolios der Mikrofinanzfonds relativ stabile Cashflows bieten und eine geringe Sensitivität gegenüber kurzfristigen Marktstimmungen zeigen. Investoren würden im Ergebnis von einer strukturell hohen Diversifikation profitieren, weshalb Mikrofinanz in der Portfolio-Sicht daher vor allem als Stabilitätsbaustein interessant sei, nicht in erster Linie als Renditetreiber.
Signifikante Verbesserung des Risikoprofils
Ein ergänzender Stabilitätsbaustein innerhalb moderner Multi-Asset-Portfolios könne ein strukturiertes Fondsvehikel wie der IIV Mikrofinanzfonds sein, führt der Experte weiter aus. Jener ermögliche institutionellen und professionellen Investoren, aber auch Retailkunden den Zugang zu einem breit diversifizierten Portfolio von Mikrofinanzinstituten weltweit, wobei die Bereitstellung stabiler, nicht korrelierter Ertragsströme im Vordergrund stehe und nicht die Maximierung kurzfristiger Renditen.
Die Positionierung innerhalb eines Mischportfolios folge einer klar funktionalen Logik: Sie reduziert die Gesamtvolatilität, verbessert die risikoadjustierte Rendite und stärkt die Diversifikation über Kapitalmarktzyklen hinweg, so Zink. Eine Modellrechnung veranschauliche laut IIV-Manager Zink einen zentralen Punkt: Bereits eine Beimischung von zehn Prozent Mikrofinanz reduziere die Portfoliovolatilität im Modell um rund 0,5 Prozentpunkte. Bei einer Erhöhung auf 20 Prozent steige dieser Effekt weiter an, ohne dass die erwartete Rendite spürbar verwässert werde. Dabei liege der Grund nicht in einer überlegenen Renditeklasse, sondern in der strukturell niedrigen Korrelation von Mikrofinanz zu traditionellen Kapitalmarktanlagen.
Mikrofinanzfonds als strukturelle Ergänzung
„Die vergangenen Jahre haben gezeigt, dass klassische Diversifikation nicht mehr selbstverständlich funktioniert“, erinnert Zink. Während früher Anleihen als natürlicher Gegenspieler zu Aktien galten, sei diese Beziehung seit der Inflations- und Zinswende weniger zuverlässig geworden. Gleichzeitig hätten geopolitische Spannungen, fragmentierte Lieferketten und eine erhöhte makroökonomische Unsicherheit dazu geführt, dass Kapitalmärkte stärker synchron reagieren. In solchen Umfeldern würden Anlageklassen an Bedeutung gewinnen, die außerhalb der traditionellen Marktzyklen stehen.
Als genau solch einen Baustein bezeichnet der Anleiheexperte Mikrofinanz: „Die Rückzahlungsstrukturen hängen vor allem von der lokalen Realwirtschaft ab und nicht von kurzfristigen Schwankungen an den globalen Kapitalmärkten – und im Portfolio hilft ein solcher Baustein, das Verhältnis von Risiko und Ertrag in komplexen Marktphasen robuster zu gestalten.“
