„Liquidität erhöhen, bis wieder mehr Klarheit besteht“
- Kay-Peter Tönnes
- Antecedo
FRANKFURT – Der Krieg im Nahen Osten werde noch vor dem Sommer enden, gibt sich Antecedo-Gründer Kay-Peter Tönnes überzeugt. Das größte Risiko für die Märkte sieht er aktuell bei den Notenbanken, weshalb er rät, die Liquidität im Portfolio zu erhöhen, bis wieder mehr Klarheit besteht, und auch auf gute Einstiegschancen zu achten.
Der Krieg im Nahen Osten erhöht die Unsicherheit, treibt den Ölpreis und könnte über Zweitrundeneffekte die Inflation erneut anfachen, befürchtet Kay-Peter Tönnes, Gründer und Geschäftsführer von Antecedo Asset Management. Gestiegene Energiepreise seien als Belastungsfaktor für Wachstum und Geldpolitik bereits spürbar.
Notenbanken als Risikofaktor?
Die Frage sei, wie die Notenbanken reagieren. Während zum Jahresstart vielerorts noch Zinssenkungen erwartet wurden, hat sich das Bild inzwischen gedreht. In Europa werden teils wieder Zinserhöhungen eingepreist. „Wenn Notenbanken aggressiv Inflation bekämpfen, die von einem externen Schock kommt, laufen wir nahe an ein Crash-Szenario heran“, warnt der Anlagestratege und erinnert an historische Fehler, als restriktive Geldpolitik Krisen verstärkte.
Das gewohnte Chancenprofil kippt
Für wahrscheinlicher hält Tönnes allerdings ein Szenario, in dem die Geldpolitik nicht „überzieht“, und positioniert sich selbst antizyklisch. So habe Antecedo zuletzt mittel- und langlaufende Anleihen gekauft. Für Aktienanleger bedeute die neue Lage vor allem eines: Das gewohnte Chancenprofil kippt. „Unter normalen Umständen ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Märkte steigen, etwa dreimal so hoch, als dass sie fallen“, so der Vermögensverwalter. „Für die kommenden Wochen sehe ich eher ein Verhältnis von 50:50.“
Daraus leitet Tönnes konkrete Handlungsempfehlungen für Anleger ab: keinesfalls alles panisch verkaufen, aber Liquidität erhöhen, bis wieder mehr Klarheit besteht. Oder Portfolios gezielt absichern. Optionen seien trotz höherer Volatilität an den Märkten noch nicht extrem teuer; alternativ könnten Strategien und Produkte interessant sein, die von höheren Marktschwankungen profitieren, etwa Volatilitätsfonds.
Auf Einstiegschancen achten
Chancen sieht der Anlagestratege ebenfalls: kurzfristig bei US-Fracking-Unternehmen, die vom Ölpreisanstieg profitieren könnten. Mittel- bis längerfristig – wenn der Konflikt abklingt und der Ölpreis wieder deutlich nachgibt – könne sich nach Tönnes‘ Einschätzung ein günstiges Einstiegsfenster für Aktien auftun.
