Kursziel 1 000 000 Dollar!

MÜNCHEN – „Kann der Bitcoin von 100.000 Dollar auf 1.000.000 Dollar ansteigen?“, stellt Ed Yardeni, Chef von Yardeni Research, die rhetorische Frage in den Raum, die zurzeit viele Anleger umtreibt. Und die Antwort: „Sicher, warum nicht!“ Gleichwohl ist ein Einstieg mit erheblichen Unsicherheiten verbunden. Ebenso wie bei Gold.

Bildquelle: Foto von Traxer auf Unsplash

Seit Anfang 2023 habe sich der Wert der Kryptowährung versiebenfacht, erklärt Ed Yardeni, seit Mitte 2020 verzehnfacht und seit Anfang 2017 verhundertfacht – so das theoretische Potenzial. Schön für Anleger, die investiert sind. Doch die meisten werden den Anstieg eher von der Seitenlinie aus beobachtet haben. Sie dürfte indes interessieren, ob es lohnt, noch einzusteigen. Natürlich kann das niemand seriös beantworten, auch Yardeni nicht, der deshalb auch keine Kursprognose abgibt. Aber er zieht eine Parallele: „In den 1970er-Jahren stieg der Goldpreis um das 20-Fache, nachdem US-Präsident Nixon das Gold-Window geschlossen hatte. Und während der aktuellen Goldhausse, die 2002 begann, hat sich der Preis des Edelmetalls fast verzehnfacht.“

Bitcoin-Investments empfehlen nur wenige Anlagestrategen, Gold hingegen schon. Auch dessen Preisanstieg war sehenswert – ausgelöst von privaten ebenso wie von Profianlegern. Hinzu kommen die Notenbanken, die weltweit ihre Bestände aufbauen. Aus Sicherheitsgründen, um sich aus der Abhängigkeit vom US-Dollar zu lösen. Das Einfrieren der Währungsreserven Russlands durch die USA nach Russlands Angriff auf die Ukraine sei für viele Staatschefs ein abschreckendes Beispiel gewesen, erinnern Anlagestrategen.

Gold im Höhenflug

„Wir befinden uns eindeutig in einem Bullenmarkt für Gold“, sagt Benjamin Louvet, Rohstoffexperte bei Ofi Invest. Als bedeutsamen Faktor sieht er die Zinswende in den USA. Zwischen den Realzinsen und dem Goldpreis bestehe eine stabile inverse Beziehung, sodass Gold attraktiver wird, wenn die Zinsen sinken (siehe Grafik). Für 2025 geht Louvet davon aus, dass die Zinsen nochmals gesenkt werden, was den Goldpreis weiter beflügeln dürfte.
Förderlich ist auch, dass die erhöhte Goldnachfrage auf ein begrenztes Angebot trifft. Neue Vorkommen zu erschließen ist kostspielig und lohnt nur bei einem steigenden Goldpreis. Falls aber die Goldhausse dann doch zu einem Ende kommen sollte, hätten die Besitzer zumindest eine Vollkaskoversicherung gegen allfällige Risiken des Finanzsystems.

Die Aussichten für Bitcoin

Ähnlich wie Gold ist auch die virtuelle Währung limitiert: Sobald sämtliche Bitcoins geschürft sind, gibt es maximal 21 Millionen Einheiten – eine Ausweitung darüber hinaus ist nicht möglich. Die bestehenden Coins könnten allenfalls gesplittet und in Baby-Coins aufgeteilt werden, aber die Gesamtmenge lässt sich nicht ausweiten. Das bedeutet, dass auf eine ausgeweitete Nachfrage allein der Preis reagieren kann. Allerdings gilt das auch für eine wegbrechende Nachfrage. Sofern das Interesse an Bitcoin schwindet, fällt der Wert in den Keller.

Den Anstieg von Kryptos, die keinen inneren Wert haben, führen Experten auf sogenannte Adoptionsschocks zurück. Etwa wenn die Akzeptanz der Coins plötzlich zunimmt. Oder wenn der selbst ernannte Krypto-Präsident Trump seine Meinung ändert und vom Bitcoin schwärmt. Doch diese Schocks wirken eben auch in entgegengesetzter Richtung, wenn etwa Hürden aufgebaut oder die Coins gar verboten werden. Interessierte Anleger sollten dies beherzigen.

Grafik: Goldpreis vs. Realzinsen – Sobald die Rendite der zehnjährigen inflationsgeschützten US-Treasuries (TIPS) sank, hat der Goldpreis angezogen.


Hinweis: Dieser Beitrag ist zuerst erschienen in TiAM - Trends im Asset Management
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