Kupfer glänzt im Windschatten des globalen Energiehungers
- Stefan Breintner
- DJE Kapital AG
MÜNCHEN – In den letzten Monaten zählten Metallproduzenten und diversifizierte Minenkonzerne nicht gerade zu den Anlagefavoriten. Als Ursache dafür hat Stefan Breintner, Head of Research bei DJE Kapital AG, anhaltende konjunkturelle Unsicherheiten und Befürchtungen einer globalen Wirtschaftsschwäche ausgemacht. Doch die Branche zeigt sich optimistisch.
Auf einer Branchenkonferenz in Barcelona unter dem Motto „Navigating Uncertainty“ hätten sich die CEOs der global führenden Minenkonzerne jüngst vorsichtig optimistisch geäußert, wie Breintner beobachten konnte. Die wirtschaftliche Lage Chinas sei stabiler bewertet worden als erwartet, und die Branche hätte sich trotz Unsicherheiten insgesamt widerstandsfähig präsentiert.
Vorsichtiger Optimismus bei Minenkonzernen
China, der nach wie vor mit Abstand wichtigste Einzelmarkt für Rohstoffe, zeigte im ersten Quartal eine robuste Entwicklung. Auch für die kommenden Monate werde eine weitgehend stabile Nachfrage nach Schlüsselrohstoffen wie Eisenerz und Kupfer erwartet, was die fundamentalen Rahmenbedingungen für die Branche unterstütze. Daneben werde Indien für die globale Nachfrage immer wichtiger: Mit einem erwarteten wirtschaftlichen Aufschwung von jährlich rund sieben Prozent erlebe das Land ein Wachstum bei der Stahlproduktion, ähnlich wie früher China. Dadurch steige etwa Indiens Bedarf an auf dem Seeweg importiertem Eisenerz.
Indien plane zudem, seine Kohleproduktion bis 2030 zu verdoppeln und die Anzahl seiner Kohlekraftwerke von derzeit rund 280 auf fast 600 zu erhöhen, wie Breintner berichtet. Im Vergleich dazu betreibe China über 1000 Kohlekraftwerke. Daher dürfte die Entwicklung in Indien und anderen Schwellenländern die deutschen Klimaziele zum Kohleausstieg bis 2030 und zur CO2-Freiheit bis 2050 mehr als kompensieren.
Zölle und Handelskrieg fördern US-Binnennachfrage nach Rohstoffen
Die USA tragen ihrerseits mit weniger als zehn Prozent nur begrenzt zur globalen Rohstoffnachfrage bei. Handelsprotektionistische Maßnahmen wie Importzölle führen daher vor allem zu höheren Kosten für inländische Verbraucher und Industrien, was sich in höheren Preisaufschlägen an US-Handelsplätzen wie der COMEX gegenüber der London Metal Exchange zeige. Dennoch könnten laut Breintners Einschätzung einige US-Rohstoffproduzenten von diesen Maßnahmen profitieren, da sie ihre Wettbewerbsposition im Inland stärken und die Nachfrage nach lokal erzeugten Rohstoffen fördern.
Auf Stahl und Aluminium, das in die USA eingeführt wird, werden inzwischen Zölle in Höhe von 50 Prozent erhoben. Und während die USA im Bereich der Stahlproduktion weitgehend autark sind, sei die Situation bei anderen Industriemetallen deutlich differenzierter, sagt der DJE-Manager. Im Fall von Kupfer liege der Autarkiegrad der USA bei etwa 50. Der verbleibende Bedarf – rund eine Million Tonnen jährlich – müsse durch Importe gedeckt werden. Bei Aluminium seien die Vereinigten Staaten sogar in hohem Maße von Importen abhängig und müssen etwa 80 Prozent ihres jährlichen Aluminiumbedarfs aus dem Ausland einführen.
Anhaltend positive Aussichten für Kupfer weltweit
„Kupfer bleibt ein stark gefragtes Metall, das bei diversifizierten Konzernen im Fokus steht“, zieht Breintner ein Fazit. Die mittel- bis langfristigen Perspektiven seien aufgrund des Ausbaus erneuerbarer Energien, der Elektrifizierung des Verkehrs und der Erweiterung der Energieinfrastruktur sehr positiv. Bereits heute würden etwa 31 Prozent der globalen Kupfernachfrage auf die Energieinfrastruktur entfallen.
Überdies dürfte der künftige Energiebedarf, insbesondere in den USA, aufgrund des schnellen Ausbaus von Rechenzentren für Anwendungen der künstlichen Intelligenz weiter steigen. Gemäß Internationaler Energieagentur betrug der Stromverbrauch von Rechenzentren im Jahr 2022 rund 400 Terrawattstunden, was etwa zwei Prozent des weltweiten Strombedarfs entspricht – Tendenz steigend.
Fazit
Rohstoff- und Metallproduzenten entwickelten sich im bisherigen Jahresverlauf schwächer als der Gesamtmarkt, betont der Research-Experte. Er erwartet, dass eine Stabilisierung in zentralen Schwellenländern sowie der Ausbau der Energie-Infrastruktur unterstützend wirken. Daher bleiben diversifizierte Konglomerate mit Kupferexposure attraktiv.
