Klassik-Investment: Guadagninis Geige „Salabue, Castelbarco“ tokenisiert
FRANKFURT – Die Geige „Salabue, Castelbarco“ wurde im Jahr 1776 von Giovanni Battista Guadagnini gefertigt und gilt sowohl ästhetisch als auch akustisch als Meisterwerk, das in einem sehr guten Zustand erhalten ist. Sie wurde nun vom Fintech vountain tokenisiert und mit einem Digitalen Produktpass (DPP) versehen, wie vountain-CEO Sandro Pittalis erklärt.
Ab hier folgt die Mitteilung der Gesellschaft:
Zwischen dem 16. und 18. Jahrhundert schufen Geigenbauer aus Norditalien unverwechselbare Instrumente. Einer der neben Antonio Stradivari wohl berühmtesten Geigenbauer des 18. Jahrhunderts war Giovanni Battista Guadagnini, der zwischen 1711 und 1786 lebte. Geboren als Sohn einfacher Bauern in prekären Lebensverhältnissen, steht Guadagninis Werk wie kein zweites für lebenslanges Lernen, einen unumstößlichen Willen zum sozialen Aufstieg und die Bedeutung von Mäzenen für die Entwicklung der Kunst.
Wertvolle Geige mit Digitalem Produktpass
Das auf Blockchain-Technologie und Smart Contracts spezialisierte Fintech vountain hat im Auftrag der ART & STRINGS, der Tochtergesellschaft einer deutschen Familienstiftung, Guadagninis Geige „Salabue, Castelbarco“ tokenisiert und einen Digitalen Produktpass (DPP) erstellt. Das Instrument wurde 1776 in Turin im Auftrag des Grafen Cozio di Salabue gebaut und gilt sowohl nach ästhetischen als auch nach akustischen Gesichtspunkten als Meisterwerk. Di Salabue gilt als findiger Geschäftsmann und erwarb zwischen 1774 und 1777 die gesamte Produktion Guadagninis zum Zwecke der Spekulation. Der Boden der „Salabue, Castelbarco“ ist aus einem einzigen Stück Ahorn gefertigt. Das Instrument ist bis heute in einem sehr guten Erhaltungszustand.
„Außergewöhnliche Streichinstrumente müssen nicht zwangsläufig aus der Werkstatt von Antonio Stradivari kommen“, erklärt Sandro Pittalis, CEO und Gründer von vountain. „Das Werk Guadagninis ist unter Fachleuten zumindest in der Spätphase seines Schaffens ebenbürtig. Die Provenienz des Instruments und die biografischen Hintergründe des außergewöhnlichen Geigenbauers machen die „Salabue, Castelbarco“ zu einem einzigartigen Sachwert.“
Giovanni Battista Guadagnini – ein Meister des Geigenbaus
Obwohl Guadagnini in prekären Verhältnissen aufwuchs und seine Familie aus finanziellen Gründen mehrmals umziehen musste, entwickelte der Meister des Geigenbaus über Jahrzehnte einen einzigartigen Stil. Der Analphabet erlernte in den 20er-Jahren seines Lebens Kenntnisse in der Holzverarbeitung und spezialisierte sich schnell auf den Bau von Instrumenten. Bereits in seiner frühen Phase in Piacenza orientierte sich Guadagnini an den Meisterwerken, die seine Zeitgenossen in Cremona gebaut hatten. Dank des intensiven Kontakts zu Musikern, Geigenbauern und Händlern, erweiterte Guadagnini seinen Horizont Schritt für Schritt und arbeitete eng mit den Brüdern Paolo und Carlo Ferrari zusammen, die damals als Geiger und Cellist bekannt waren.
Kriegerische Auseinandersetzungen zwischen Österreichern und Spaniern um die Lombardei, sowie familiäre Veränderungen brachten Guadagnini dazu, 1749 nach Mailand zu ziehen. Dort spielte unter anderem auch sein Freund und Förderer Carlo Ferrari als Solist. Ohne große Konkurrenz durch andere Geigenbauer verbesserte Guadagnini die technische Präzision seiner Herstellungsprozesse und zeigte sich während seiner zehnjährigen Schaffensphase in Mailand sehr produktiv. Seine Instrumente galten inzwischen als Statussymbole und wurden von einer gehobenen Klientel als Luxusgüter angesehen.
1758 verließ Guadagnini Mailand und zog nach Parma. Dort regierte der Sohn des spanischen Königs, Philipp von Bourbon, der Musik und Kunst sehr schätzte und selbst Geige spielte. Guadagninis Zeit in Parma ist von seinem sozialen Aufstieg geprägt: Der Geigenbauer residierte in einem stattlichen Haus, hatte eine der wenigen Werkstätten für Geigenbau in der Stadt und setzte gar Importzölle auf Instrumente aus anderen Regionen durch, was Guadagninis Position als auch ökonomisch erfolgreicher Meister seines Fachs festigte. Nach dem überraschenden Tod von Philipp von Bourbon, dessen Nachfolger Sparmaßnahmen einleitete und unter anderem das Budget für die Hofkapelle kappte, zog es Guadagnini im Alter von 60 Jahren nach Turin.
Das Werk des Geigenbauers galt zu diesem Zeitpunkt bereits als einzigartig: Guadagnini erforschte pedantisch kleinste akustische Verbesserungen, experimentierte mit der Position der f-Löcher und fertigte für seine Instrumente Schnecken, die heute als Beleg dafür dienen, wie perfekt der Meister seine Werkzeuge beherrschte. Turin war zu dieser Zeit von einem aktiven Musikleben gekennzeichnet und leistete sich zwei feste Orchester. Unter anderem betreute Guadagnini dort den Geigenvirtuosen Gaetano Pugnani, dessen zahlreiche Schüler sowie weitere Musiker der beiden Orchester.
Nach dem Tod des Königs Karl Emanuel II. und der damit einhergehenden Trauerzeit, hatte Guadagnini plötzlich kein Einkommen. Doch dank einer Zusammenarbeit mit dem jungen Grafen Cozio die Salabue, der dem Meister des Geigenbaus zwischen 1773 und 1777 48 Geigen zum Festpreis abkaufte, blieb Guadagnini auch in dieser Zeit ökonomisch erfolgreich. Die Instrumente aus dieser Zeit zeichnen sich auch weiterhin in ästhetischer und akustischer Hinsicht aus und zeugen zudem von der großen Charakterstärke und Routine ihres Erbauers. Giovanni Battista Guadagnini begann seine Karriere als Analphabet, lernte Zeit seines Lebens nie aus und entwickelte sich dank Freundschaften zu Musikern und Adligen stetig weiter.
„Guadagninis Leben war von einem unbändigen Wissensdrang und großer Flexibilität geprägt“, erklärt Dr. Joachim Brunne, Vorstand der Familienstiftung und CEO der ART & STRINGS. „Immer wieder traf diese große Motivation auf Förderer, die das einzigartige Talent Guadagninis erkannten und ihm immer wieder Türen öffneten. Die „Salabue, Castelbarco“ ist ein sehr gut erhaltenes Werk dieses Meisters und repräsentiert beispielhaft die Kreativität und Phantasie, mit der Guadagnini außergewöhnliche Instrumente geschaffen hat“, so Brunne.
