Katastrophenanleihen als attraktive Beimischung

  • Volker Kurr
  • L&G Asset Management

MÜNCHEN – Katastrophenanleihen oder auch Cat Bonds genannt, haben in den letzten drei Jahren eine Gesamtrendite von fast 50 Prozent erzielt, weiß Volker Kurr von L&G Asset Management. Zwar würden die Renditeaussichten derzeit geringer ausfallen, dennoch könne dieses Anleihesegment auch zukünftig eine gewichtige Rolle in Multi-Asset-Portfolios spielen.

„Mit einer Gesamtperformance von nahezu 50 Prozent erzielten Katastrophenanleihen zwischen 2023 und 2025 das beste Drei‑Jahres‑Ergebnis ihrer Geschichte“, betont Volker Kurr, Head of Europe bei L&G Asset Management. Auslöser hierfür sei eine außergewöhnlich günstige Phase mit geringen versicherten Schäden und attraktiven Risikoaufschlägen nach dem Hurrikan Ian Ende 2022 gewesen. Entsprechend groß war das öffentliche Interesse nachdem Cat Bonds 2023 als Anlagestrategie mit der besten Performance feststanden.

Hohe Renditen ziehen Kapital an

„Erfolg führt jedoch häufig dazu, dass sich die zukünftigen Renditechancen verschlechtern“, bedauert Kurr. So führten steigende Zuflüsse von Investoren und mehrere ruhige Jahre ohne größere Ereignisse dazu, dass die vormals sehr hohen Risikoprämien dieser Anlageklasse inzwischen deutlich zurückgegangen sind. Das habe einerseits an hohen Rückversicherungsvolumina wie bei den Hurrikanen Helene und Milton 2024 gelegen, aber auch daran, dass die größten Metropolen glücklicherweise von den Stürmen verschont blieben. 2025 erreichte erstmals seit zehn Jahren kein einziger der fünf Hurrikane im Atlantik das US-Festland.

Da das Angebot an Cat Bonds andererseits nur schwer mit dem gewachsenen Anlegerinteresse Schritt halten konnte, haben sich die Spreads verringert – trotz der Emission neuer Anleihen mit immer neuen Rekordvolumina. Da sich der Markt für Katastrophenanleihen zum Teil isoliert von den herkömmlichen Kapital- und Versicherungsmärkten entwickelt, kann es zu einem Boom-Bust-Zyklus führen, der eher von Emissionsmustern und den jüngsten Schadensereignissen als von den Fundamentaldaten allein bestimmt wird, wie Kurr erläutert. Er hat außerdem beobachtet, dass Cat Bonds in neue Regionen und Gefahrenarten expandieren, von denen einige weniger rentabel sind als die Absicherung der bekannten Sturm- und Erdbebenrisiken in den USA.

Liegt der attraktivste Teil des Cat-Bond-Zyklus hinter uns?

Dessen ungeachtet würden Katastrophenanleihen trotz der niedrigeren Spreads weiterhin eine attraktive Prämie gegenüber Investment-Grade- und Hochzins-Unternehmensanleihen bieten, sagt Kurr. „Unserer Ansicht nach eröffnet dies Anlegerinnen und Anleger die Möglichkeit, selektiv in gut vergütete Risiken zu investieren, um die Performance in einem Umfeld rückläufiger Spreads zu stabilisieren.“ Institutionelle Investoren sollten bei konzentrierten Engagements jedoch Governance-Aspekte berücksichtigen. Zumal große, ereignisbedingte Drawdowns zu einer verstärkten Kontrolle führen könnten, selbst dann, wenn sie die Charakteristik der Anlageklasse widerspiegeln und nicht auf Mängel im Investmentprozess hindeuten.

Last but not least haben Katastrophenanleihen trotz aller Widrigkeiten ihre entscheidende Stärke, nämlich die geringe Korrelation mit den traditionellen Anlageklassen, beibehalten, wie Kurr resümiert. Daher könne seiner Ansicht nach für Anleger, die eine Gesamtportfolio-Perspektive verfolgen, ein selektives Engagement in den attraktivsten Versicherungsrisiken „weiterhin eine potenziell wertvolle strategische wie auch dynamische Rolle spielen“. Multi-Asset-Anleger könnten somit ihre Allokation in dieser Anlageklasse beibehalten und gleichzeitig auf günstigere Einstiegsmöglichkeiten warten, ohne die Integrität des Gesamtportfolios zu beeinträchtigen.

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