Kapitalmärkte 2024 – Szenarien und Renditeprognosen für das nächste Jahrzehnt

  • Vincent Mortier
  • Amundi

FRANKFURT – Die aktuelle Kapitalmarktprognose von Amundi bietet Einschätzungen für 40 Anlageklassen. Ein wichtiger Faktor dabei sei die zunehmende Nutzung von künstlicher Intelligenz (KI), wodurch das Wachstum in den kommenden zehn Jahren höher und die Inflation niedriger ausfallen könnte als bisher angenommen, sagt Amundi-CIO Vincent Mortier.

Ab hier folgt die Mitteilung der Gesellschaft:

Die makroökonomischen Annahmen in der Kapitalmarktprognose von Amundi berücksichtigen auch Veränderungen bei der Energiewende und die Auswirkungen der künstlichen Intelligenz auf das Produktivitätswachstum. Die 10-Jahres-Renditeerwartungen bilden die Grundlage für die strategische Vermögensallokation, die einen besonderen Fokus auf wichtige Veränderungen bei den Risiko-Rendite-Erwartungen und der Rolle der verschiedenen Anlageklassen bei der Portfoliokonstruktion legt.

Vincent Mortier, Group CIO von Amundi, betont: „Im nächsten Jahrzehnt dürfte sich die relative Attraktivität der verschiedenen Anlageklassen ändern. Anleihen werden der Anker sein. Ihre neue Attraktivität erstreckt sich auch auf die Schwellenländer. Schwellenländeraktien sollten bevorzugt werden, insbesondere Indien. Auch europäische Aktien dürften wieder an Attraktivität gewinnen.“

Monica Defend, Leiterin des Amundi Investment Institute, ergänzt: „Der Klimawandel, die Energiewende und die Geopolitik werden sich auf das Wachstum der Länder unterschiedlich auswirken. Es könnte neue Gewinner geben. Die Zentralbanken müssen ein Gleichgewicht schaffen, das Preisstabilität und bezahlbare Kosten für den Schuldendienst zur Finanzierung des Übergangs gewährleistet.“

Steigende Risiken prägen das zentrale Szenario für 2024

Unser überarbeitetes, zentrales Szenario für 2024 bezieht Entwicklungen aufgrund des Klimawandels, geopolitische Spannungen und die möglichen Auswirkungen von KI auf die Weltwirtschaft ein. Das zentrale Szenario berücksichtigt außerdem die höhere Wahrscheinlichkeit von Verzögerungen in der Klimapolitik und die schrumpfenden Aussichten auf das Erreichen des 1,5 bis 2° Grad-Ziels bis 2050.

Diese Anpassungen haben wichtige makroökonomische Auswirkungen für das nächste Jahrzehnt, mit insgesamt etwas geringeren Übergangsrisiken und höheren physischen Risiken, da die Kosten über einen längeren Zeitraum verteilt werden:

  • Die Zentralbanken werden ihre geldpolitischen Ziele, die hohe Verschuldung und die Notwendigkeit relativ niedriger langfristiger Zinsen zur Finanzierung des Übergangs miteinander in Einklang bringen müssen.

  • Inflation – Unsere kurzfristigen Inflationsprognosen liegen nach wie vor über den Zielvorgaben der Zentralbanken, wurden aber im Vergleich zum letzten Jahr gesenkt, da sich die Kosten der Energiewende über einen längeren Zeitraum verteilen. Mittel- bis langfristig werden der Produktivitätsanstieg, der durch KI ausgelöst wird, und allgemeine Kostensenkungen die Inflation in die Nähe der Zentralbankenziele drücken.

  • Wachstum – Umgekehrt werden die 10-Jahres-Wachstumsraten in den entwickelten Märkten (DM) nach oben korrigiert, da sich die Klimapolitik verzögert und die verstärkte Nutzung von KI positive Auswirkungen hat. Wir gehen davon aus, dass dies Schritt für Schritt erfolgen wird, da die sozialen Kosten und die Energiekosten der KI bewertet werden müssen. Bis 2050 dürften höhere physische Risiken durch extreme Wetterereignisse und die nachlassenden Auswirkungen der KI das Wachstum verringern.

  • Das jährliche Wachstum der Schwellenländer wird bis 2033 im Durchschnitt 2,3 % höher sein als das der Industrieländer. Dieser Wachstumsvorteil wird sich in den beiden darauffolgenden Jahrzehnten wieder verringern, da der Weg zum Netto-Nullwachstum viele Schwellenländer vor große Herausforderungen stellt. Wir sehen jedoch auch, dass einige Schwellenländer wie Chile und Indonesien von der Umstellung profitieren werden, also insbesondere diejenigen Länder, die große Vorkommen an seltenen Erden haben.

  • Eine CO2-Steuer hätte erhebliche Auswirkungen auf das Wachstum und die Inflation und würde vor allem Haushalte in Schwellenländern und Haushalte mit niedrigem Einkommen treffen. Ein fairer Übergang sollte das Kernargument für eine CO2-Besteuerung sein.

Strategische Vermögensallokation: Diversifikation mit neuen Vermögensklassen

Die erwarteten 10-Jahres-Renditen sind im Durchschnitt etwas niedriger als im letzten Jahr. Aber wir sehen eine Veränderung in den relativen Präferenzen der Anlageklassen. Die Renditen und die höhere Volatilität werden auch wichtige Auswirkungen auf die strategische Vermögensallokation haben.

  • Neuordnung der Anlageklassen. Nach dem starken Comeback im letzten Jahr bleibt die langfristige Sicht auf Anleihen mit hoher Qualität positiv. Schwellenländeranleihen, Hedgefonds und Private Debts sind die Anlageklassen mit dem attraktivsten Renditepotenzial bei mittlerem Risiko. Bei den Aktien der Industrieländer dürfte der US-Markt aufgrund der bereits hohen Bewertungen insgesamt zurückbleiben (5,6 % erwartete Renditen auf Jahresbasis für die nächsten zehn Jahre), während Aktien aus dem pazifischen Raum ohne Japan und Europa bessere Renditen bieten könnten (rund 6,5 %). Indische Aktien, Schwellenländer ex-China und Private Equity sind die Anlageklassen mit dem höchsten Renditepotenzial (mehr als 7 %). Die Sektoren Gesundheitswesen, IT- und Kommunikationsdienste sowie Finanzwerte werden voraussichtlich zu den globalen Gewinnern gehören.

  • Eine stärker diversifizierte strategische Vermögensallokation. Die Portfolios müssen noch stärker diversifiziert werden, um die erwartete höhere Volatilität bei risikoreichen Anlagen zu bewältigen und das Renditepotenzial zu erhöhen. Festverzinsliche Anlagen bleiben weiterhin ein wichtiger Portfoliotreiber, hier insbesondere hochwertige Anlagen. Wegen der höheren Aktienvolatilität werden Anleger aber nach zusätzlichen Diversifizierungsquellen suchen, wie beispielsweise Anleihen aus Schwellenländern.

  • Sachwerte und Alternative Assets im Fokus. Sachwerte und Alternative Assets können dazu beitragen, das langfristige Risiko-Rendite-Profil eines Portfolios zu verbessern und sollten eine Allokation von rund 20 % haben. Hedgefonds und Private Debt werden von Anlegern mit moderatem Risikoappetit bevorzugt, während Private Equity auch für Anleger mit einer höheren Risikobereitschaft geeignet ist. Infrastrukturthemen eignen sich für die Diversifikation, da sie von den erheblichen Investitionen in den Klimaschutz und die Klimaanpassung profitieren könnten.

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