Japans Aktienmarkt mit neuer Dynamik
- Lucas Brauner
- DWS
MÜNCHEN – Der japanische Aktienindex Nikkei 225 ist seit Jahresbeginn in der Spitze um rund 25 Prozent gestiegen und notiert nahe seines Rekordhochs, resümiert Lucas Brauner von der DWS. Treiber seien die KI-Euphorie, ein schwächerer Yen und eine neue politische Konstellation in Tokio gewesen. Nach der Wahl von Sanae Takaichi zur Premierministerin würde der Markt nun auf eine wachstumsfreundliche Agenda setzen.
Der neue Optimismus in Japan rühre von Spekulationen des Marktes her, Takaichi werde „Abenomics 2.0“ umsetzen, erklärt Lucas Brauner, Japan-Ökonom bei der DWS. Dieser Begriff steht für die Wirtschaftspolitik von Premierminister Shinzo Abe, die er bei seinem zweiten Amtsantritt im Jahr 2012 einführte. Sie umfasste eine Erhöhung der Geldmenge, eine Steigerung der Staatsausgaben und die Umsetzung von Reformen, um die japanische Wirtschaft wettbewerbsfähiger zu machen. Eine Politik, die darauf abzielte, die Wirtschaft aus ihrer seit mehr als zwei Jahrzehnten andauernden Stagnation zu befreien, so Brauner weiter.
Wichtige Stützen für die wirtschaftliche Entwicklung in Japan
Genau diese Erwartungen – nämlich fiskalische Anreize, eine unterstützende Geldpolitik und verstärkter Reformdruck – würden auch heute wieder Hoffnungen wecken. Die Kombination aus politischer Stabilität und einer wachstumsorientierten Agenda könnte eine wichtige Stütze für die wirtschaftliche Entwicklung und die Märkte sein, wobei einige Experten jedoch warnen, dass ein Großteil des Optimismus bereits eingepreist sein könnte.
„Die Rallye der japanischen Aktien basiert jedoch nicht allein auf politischen Impulsen“, betont Brauner. Daneben würden strukturelle Kräfte den Aufschwung verstärken, wie die Rückkehr ausländischer Investoren, Reformen der Unternehmensführung und Aktienrückkäufe japanischer Unternehmen in nahezu Rekordhöhe.
Aktuelle Marktstruktur als wichtiger Treiber der Dynamik
Ein wichtiger Treiber der aktuellen Dynamik sei auch die Marktstruktur. Während Technologieaktien immer volatiler würden, hätten Industrie- und Finanzaktien die Indizes nach oben gezogen. Sie profitierten von steigenden Renditen und der Aussicht auf fiskalische Unterstützung. Insofern ist der breitere Topix-Index ebenfalls gestiegen, getragen von Elektronik- und Bankaktien. Zudem rücken Small Caps zunehmend in den Fokus, da sie von der Forderung der Tokioter Börse nach einer effizienteren Kapitalnutzung besonders betroffen sind und ihre Kapitalstruktur entsprechend anpassen müssten. Daher sei die Rallye viel breiter angelegt als die Nikkei-orientierten Schlagzeilen vermuten lassen, fasst der Experte zusammen.
Ebenso betrachtet er die Geldpolitik der Bank of Japan als einen wichtigen Dreh- und Angelpunkt: „Nach dem Ausstieg aus der Negativzinspolitik sind weitere Zinserhöhungen wahrscheinlich, auch wenn wir aufgrund der politischen Übergangsphase und der geplanten Konjunkturmaßnahmen derzeit mit einer gewissen Verzögerung rechnen.“ Diese Verzögerungen sollten den Märkten genügend Zeit geben, die fiskalischen Impulse zu absorbieren und den Übergang zu höheren Nominalrenditen abzufedern, ergänzt Brauner, wodurch die wirtschaftliche Erholung gesichert würde.
Der Einfluss von Premierministerin Sanae Takaichi
Die jüngste Aktienrallye basiere auf der Ernennung von Sanae Takaichi zur Premierministerin ebenso wie dem strukturellen Rückenwindfaktoren und einem schwächeren Yen, zieht Brauner ein Fazit. Entsprechend würden die Märkte nun eine Phase politischer Stabilität und fiskalischer Expansion erwarten – ein Umfeld, das Japan nach Jahren der Stagnation wieder ins Rampenlicht der globalen Investoren rücke. Brauner: „Die Aussichten bleiben unserer Meinung nach positiv!“
