Japanische SmallCaps – unerforschte Chancen
- Shunsuke Sean Park
- BNP Paribas
MÜNCHEN – Japans Aktienmarkt macht wieder von sich reden. Mit dem höchsten Zinssatz seit 17 Jahren und weitreichenden Veränderungen in der Unternehmenskultur stehen die Zeichen für wirtschaftlichen Auftrieb – trotz der Trump-Zölle, wie Shunsuke Sean Park von BNP Paribas betont. Er setzt auf Nebenwerte und verrät, welche Sektoren jetzt attraktiv sind.
„Japan hat die Deflation hinter sich“, sagt Shunsuke Sean Park, Investment Specialist für japanische Nebenwerte bei BNP Paribas. Hintergrund ist, dass die japanische Zentralbank ihre langjährige Negativ- und Nullzinspolitik aufgegeben hat und Anfang des Jahres ihren Leitzins auf 0,5 Prozent anhob – die nunmehr dritte Zinserhöhung seit März 2024 und zugleich der höchste Leitzinsstand seit 17 Jahren. Ein neues Umfeld, das der japanischen Wirtschaft Auftrieb gebe und insbesondere kleine und mittelgroße Unternehmen attraktiv mache.
Japan im Wandel
Die Löhne und die Preise steigen und auch die Unternehmenskultur verbessert sich dank staatlicher Reformen und Anreize zunehmend, was der Effizienz und den Gewinnen der Unternehmen zugutekommt, wie Sean Park befindet. In einem solchen Umfeld seien japanische Small Caps besonders interessant. Mit ihren stark binnenmarktorientierten Geschäftsmodellen würden sie von den guten Konjunkturaussichten profitieren und gleichzeitig nicht vom Konjunkturzyklus oder den Devisenmärkten abhängig sein, was angesichts der Unsicherheit rund um die Trump-Zölle von großem Vorteil sei.
Gleichzeitig beurteilt der Experte Japans Nebenwerte aktuell noch als unterbewertet. Damit bieten sie attraktive Einstiegschancen und können die Portfoliodiversifikation verbessern.
Gewinnwachstum und positiver Inflationstrend
Die besteuerbaren Gewinne für alle Branchen haben im 4. Quartal 2024 um 13,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zugenommen, wie Sean Park berechnet hat. Dieser Wert liege weit über den Markterwartungen und kennzeichne die erste positive Trendwende seit zwei Quartalen. Dabei würden sowohl die Verkaufszahlen als auch die Gewinne darauf hindeuten, dass die Unternehmen die Preissteigerungen erfolgreich an die Konsumenten weitergeben konnten und dass es auch weiteren Spielraum für Lohnsteigerungen gebe.
Kleinunternehmen profitieren von Konjunkturerholung
Auch in Japan herrscht Arbeitskräftemangel, womit gerade für die jüngeren Generationen die Aussicht auf größere Lohnzuwächse bestehen, was deren an sich sparbewusstes Konsumverhalten ändern könnte, schließt der BNP-Spezialist, und vor allem erschwingliche Sektoren „für den kleinen Luxus wie Bekleidung, Transport, Unterkunft, Freizeit, Spiele und hochwertige Unterhaltungselektronik sowie Nahrungsmittel“ ankurbeln könnte.
Negativeffekte durch Zinsen und Trump-Zölle halten sich in Grenzen
Auch wenn kleinere Unternehmen in der Regel empfindlich auf Zinsanhebungen reagieren, scheinen das Umfeld und die Finanzierungsbedingungen in Japan günstig zu bleiben, urteilt Sean Park. Insbesondere hält er überstürztes Handeln seitens der Bank of Japan für unwahrscheinlich. Diese lege großen Wert darauf, den Markt auf mögliche Zinsschritte vorzubereiten. „Wir erwarten eine weitere Erhöhung auf 0,75 Prozent im Juli 2025, was den Aktienmarkt weiter stützen wird“, präzisiert der Marktkenner. Weitere Zinserhöhungen sollten in den nächsten Quartalen eher schrittweise und weniger abrupt als bisher erfolgen und auf diese Weise den an sich negativen Einfluss steigender Zinsen auf Haushalts- und Unternehmensgewinne in Grenzen halten. Zudem sollten die Gewinnsteigerungen der Unternehmen sowie die Lohnerhöhungen für die Konsumenten diesen negativen Effekt mehr als ausgleichen, erklärt Sean Park.
Zwar stelle der Handelskrieg von Donald Trump und die Unsicherheit um die weitere Entwicklung der chinesischen Wirtschaft auch für Japans Konjunktur ein Risiko dar. Doch das betreffe vor allem exportorientierte Sektoren wie die Automobilindustrie sowie verwandte Sektoren wie Basismetalle und Elektronik, da diese Unternehmen Produktions- und Verarbeitungsanlagen in Kanada, Mexiko, China und anderen Standorten außerhalb Japans besitzen. Halbleiter- und Tech-Zulieferer könnten kurzfristig ebenfalls betroffen sein, aber der Appetit auf technologische Innovation, generative KI und Rechenzentren sollte den Abwärtstrend begrenzen. Zudem werden die Nebenwerte, die sich eher auf den Binnenkonsum konzentrieren, davon kaum betroffen sein.
Japanische Unternehmen sind wenig analysiert und falsch bewertet
Japan beherbergt den weltweit zweitgrößten Small-Cap-Markt, sagt Sean Park. Es gebe mehr als 3700 börsennotierte kleine und mittelgroße Unternehmen mit einer Kapitalisierung von umgerechnet knapp drei Milliarden US-Dollar. Dieser Markt biete eine breite Palette an Sektoren mit vielversprechenden Anlagemöglichkeiten, zumal japanische Nebenwerte im Vergleich zu anderen Märkten nur unzureichend von Analysten abgedeckt werden – mit dem Ergebnis, dass viele Unternehmen falsch bewertet sind und somit günstige Einstiegschancen bieten.
Der Marktspezialist nennt aber noch ein weiteres Argument zugunsten japanischer Unternehmen: Dank der Reformbestrebungen der Regierung würden sie ihre Effizienz und Profitabilität verbessern – sehr zur Freude der Aktionäre. Die Eigenkapitalrendite steige, Kapital werde besser allokiert, Kreuzbeteiligungen abgebaut. Zudem würden viele kapitalstarke japanische Unternehmen Aktien zurückkaufen, wovon der Markt gleichfalls profitiere.
Last but not least haben Japans SmallCaps eine niedrige Korrelation mit anderen Aktien. Daher sei er bislang vom globalen Investorensentiment, aber auch von kurzfristigen Spekulationen verschont geblieben. Auf der anderen Seite können Anleger somit Unternehmen identifizieren, die noch nicht im Rampenlicht stehen und ein vielversprechendes Gewinnpotenzial bieten.
