Japan – Die „17 Pfeile“ der Sanaeonomics
- Stephan Kemper
- BNP Paribas
MÜNCHEN – Die jüngste Parlamentswahl in Japan hat Premierministerin Sanae Takaichi einen Erdrutschsieg beschert. Für die Finanzmärkte bedeutet dies, dass sie ihre angekündigten Sanaeonomics vorantreiben kann, wie Stephan Kemper von BNP Paribas bestätigt. Er bescheinigt japanischen Aktien ein attraktives Risiko-Rendite-Profil und setzt auf Branchen wie Banken, Kernkraft, Verteidigung, Industrie und Bauwesen.
Sanae Takaichi ist die unangefochtene Gewinnerin der jüngsten Parlamentswahl in Japan. Die japanische Premierministerin hat mit ihrer Liberaldemokratische Partei (LDP) den größten Sieg einer einzelnen Partei seit Kriegsende errungen und sich eine sogenannte „Supermehrheit“ gesichert. Mit einer Zweidrittel-Mehrheit wird es für das Regierungsbündnis viel einfacher, Gesetze zu verabschieden. Darüber hinaus dürfte die zuvor als fragil geltende Unterstützerbasis von Premierministerin Takaichi und ihrer Agenda innerhalb der Partei durch das Wahlergebnis gestärkt worden sein.
Die „17 Pfeile” der Sanaeonomics
„Wir gehen davon aus, dass die LDP ihre neu gewonnene Stärke nutzen wird, um die Finanzprogramme auszuweiten und die öffentlichen Ausgaben anzukurbeln“, sagt Stephan Kemper, Chief Investment Strategist, Wealth Management BNP Paribas. Um das Wirtschaftswachstum durch öffentlich-private Investitionen mit Schwerpunkt auf wirtschaftlicher Sicherheit anzukurbeln, hat die Regierung Takaichi eine Zentrale für Japans Wachstumsstrategie eingerichtet, die sich mit 17 ausgewählten strategischen Bereichen befasst. Die Premierministerin hat hierzu bereits erklärt, die Wachstumsstrategie entschlossen vorantreiben zu wollen, was die Versorgungsstruktur des Landes grundlegend stärken und eine robuste Wirtschaft verwirklichen solle.
Die Initiative stützt sich auf zwei Säulen
Zunächst die „Krisenmanagement-Investitionen“ zur Stärkung der Lieferketten in Bereichen, die für die nationale Sicherheit relevant sind, sowie „Wachstumsinvestitionen“ in fortschrittliche Technologien, wie Kemper erklärt. Mit anderen Worten strebe Japan danach, „seine strategische Autonomie und Unentbehrlichkeit zu erhöhen“, das heißt die Abhängigkeit von bestimmten Ländern zu verringern und gleichzeitig die eigenen Technologien und Industrien für globale Wertschöpfungsketten unverzichtbar zu machen.
Zu den 17 strategischen Sektoren, die den Grundstein dieses Ansatzes bilden, gehören KI, Halbleiter, digitale Infrastruktur und Cybersicherheit sowie der Schiffbau – ein Bereich, der nach Kempers Beobachtung beim jüngsten Gipfeltreffen zwischen den USA und Japan besonders hervorgehoben wurde – sowie nicht zuletzt fortschrittliche Verteidigungstechnologien als erklärte Wachstumsbranche.
Takaichi-san kündigte auch bereits an, von der bisherigen Sparpolitik abweichen zu wollen und bekräftigte den Plan, Lebensmittel und Getränke für einen Zeitraum von zwei Jahren von der Verbrauchssteuer zu befreien. Insofern geht Experte Kemper davon aus, dass die japanische Regierung die Ausgaben weiter ausweiten werde.
Gute Nachrichten für Aktien
„Wir bekräftigen unsere Übergewichtungsempfehlung für japanische Aktien, da sich unser positives Szenario gut entwickelt“, betont Kemper. Zwar seien japanische Aktien nicht mehr günstig, doch die Gewinn- und Cashflow-Schätzungen wurden unlängst nach oben korrigiert. Dabei dürfte eine höhere EPS-Wachstumsrate auch höhere KGV-Multiplikatoren stützen, so das Kalkül. Obwohl kurzfristige Korrekturen immer möglich seien, sieht er ein attraktives Risiko-Rendite-Profil bei japanischen Aktien und bevorzugt Branchen, die von der japanischen Wachstumsstrategie und ihren Auswirkungen profitieren. Beispiele hierfür seien Banken, Kernkraft, Verteidigung, Industrie und Bauwesen.
