Investoren im Spannungsfeld von Politik und Zinsentscheid

  • Carsten Mumm
  • DONNER & REUSCHEL

FRANKFURT – Zurzeit seien es vor allem politische Ereignisse, die die Finanzmärkte beeinflussen, erinnert Carsten Mumm von DONNER & REUSCHEL. Darüber sollte nicht die beginnende Berichtssaison für das 2. Quartal vergessen werden, die durchaus Überraschungspotenzial bieten könnte.

Ab hier folgt der Marktkommentar von Carsten Mumm, Chefvolkswirt bei der Privatbank DONNER & REUSCHEL:

„Die Auswirkungen auf die Börsen lassen sich kurzfristig in Form steigender Risikoprämien für französische Staatsanleihen und andere Schuldner der Eurozonen-Peripherie ablesen, sowie an einer unterdurchschnittlichen Entwicklung des französischen Aktienindex CAC 40. Zwar dürften die Risikoprämien angesichts der unsicheren politischen Lage in Frankreich vorerst erhöht bleiben. Allerdings hat sich die größte Sorge bereits gelegt, nachdem weder das Linksbündnis noch der Rassemblement National von Marine Le Pen eine absolute Mehrheit erreichen konnten. Damit dürfte der Fokus von Anlegern wieder auf fundamentale Einflussfaktoren schwenken.

In den USA werden in dieser Woche die Juni-Daten zum Anstieg der Verbraucher- und Erzeugerpreise veröffentlicht. Beide werden stabil bzw. leicht schwächer erwartet. Zusammen mit der vielbeachteten Anhörung des Präsidenten der US-Notenbank Fed, Jerome Powell, vor dem Kongress könnte sich die Erwartung der Marktteilnehmer an künftige Leitzinssenkungen ändern. Bisher geht man von zwei Zinsschritten bis zum Jahresende aus. Allerdings dürfte Powell kaum konkrete Ankündigungen schon jetzt vornehmen. Vielmehr ist davon auszugehen, dass er auf bestehende Inflationsrisiken verweisen und den bisherigen Kurs der datenabhängigen Ausrichtung der künftigen Geldpolitik untermauern wird.

Beginnende Unternehmensberichtssaison

Darüber hinaus werden Anleger auf die beginnende Unternehmensberichtssaison für das zweite Quartal achten. Sowohl die jüngsten Stimmungsindizes als auch die schwachen Daten zur Produktion im Verarbeitenden Gewerbe, zum Auftragseingang für die Industrie und zum Außenhandel in Deutschland im Juni legen negatives Überraschungspotenzial bei Industrieunternehmen nahe. Etwas besser dürften sich nach wie vor viele Dienstleister entwickelt haben, während einige Technologie-Unternehmen weiterhin vom Megatrend der Investitionen in IT-Infrastruktur und Künstliche Intelligenz profitieren dürften.

Besonders von Interesse ist in diesem Zusammenhang der Ausblick der Unternehmen auf die kommenden Monate. Bisher war dieser auch in Europa noch überwiegend konstruktiv angesichts einer erwarteten Konjunkturerholung im zweiten Halbjahr. Nicht alle Unternehmen dürften jedoch uneingeschränkt positive Erwartungen haben, daher sind kurzfristig deutlich differenzierte Aktienkursentwicklungen wahrscheinlich.“

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