Institutionelle Investoren halten an Nachhaltigkeit fest
- Harald Rieger
- Union Investment
MÜNCHEN – „Institutionelle Investoren setzen weiterhin auf nachhaltige Kapitalanlagen“, betont Harald Rieger von Union Investment. Einer aktuellen Befragung zufolge seien mehr als zwei Drittel der Großanleger überzeugt, dass Nachhaltigkeit langfristig einen hohen ökonomischen Nutzen hat. 85 Prozent der Befragten würden nach wie vor ESG-Kriterien bei ihren Investments berücksichtigen.
Dagegen lassen sich nur wenige von der zunehmenden Polarisierung beim Thema Nachhaltigkeit beeinflussen. 88 Prozent der Investoren zufolge hat diese keine Auswirkungen auf ihre Anlagestrategie. Das geht aus der diesjährigen Befragung von 130 institutionellen Anlegern in Deutschland zur nachhaltigen Kapitalanlage durch Union Investment hervor.
„Bei den meisten institutionellen Investoren ist Nachhaltigkeit im Investmentprozess fest etabliert“, berichtet Harald Rieger, Leiter des institutionellen Kundengeschäfts bei Union Investment, aus der diesjährigen Befragung von 130 institutionellen Anlegern in Deutschland zur nachhaltigen Kapitalanlage. Diese würden sich durch öffentliche Debatten wenig beeindrucken lassen und sich stattdessen auf die Qualität ihrer Anlagestrategie und den Anlageerfolg konzentrieren.
Nachhaltige Anlagen machen bei den Befragten im Durchschnitt fast zwei Drittel der Portfolios aus: Der Anteil nachhaltiger Assets beträgt 65 Prozent, der konventioneller 35 Prozent. Überdies erwarten 64 Prozent der Befragten in den kommenden zwölf Monaten ein stabiles Marktvolumen bei nachhaltigen Kapitalanlagen. Mit einem Volumenwachstum rechnen indes nur noch 27 Prozent (Vorjahr: 38 Prozent).
Rendite hat für Investoren Priorität gegenüber Nachhaltigkeitswirkung
Die Investoren begründen ihre Entscheidung, nachhaltig zu investieren, in erster Linie mit den Werten des eigenen Unternehmens (84 Prozent) sowie dem Wunsch, Verantwortung zu übernehmen (81 Prozent). Angesichts der vor allem intrinsischen Motivation verwundert es nicht, dass 87 Prozent der Befragten es sich nicht vorstellen können, aus nachhaltigen Kapitalanlagen auszusteigen.
Gleichwohl steht auch bei nachhaltigen Kapitalanlagen für die meisten Investoren die Rendite an erster Stelle: Für 62 Prozent hat die Rendite Priorität, während für 38 Prozent der Befragten die Nachhaltigkeitswirkung im Vordergrund steht.
Was Rendite und Risiko betrifft, sind nachhaltige und konventionelle Anlagen aus Sicht der meisten Befragten ohnehin auf vergleichbarem Niveau. 66 Prozent sehen hier unter Rendite- und 63 Prozent unter Risikoaspekten kaum Unterschiede zwischen nachhaltigen und konventionellen Portfolios. In Bezug auf das Risikomanagement ihrer Kapitalanlagen geben sogar 40 Prozent der Investoren an, dass nachhaltige Strategien eine hohe Bedeutung für ihr Risikomanagement hätten.
Künstliche Intelligenz beeinflusst Nachhaltigkeit
Die große Mehrheit der Investoren (87 Prozent) ist überzeugt, dass die Künstliche Intelligenz (KI) auch Auswirkungen auf die Nachhaltigkeit haben wird, doch gehen die Meinungen bei der Bewertung des Einflusses auseinander. Dabei halten sich der Anteil derjenigen, die einen positiven Einfluss der KI auf Nachhaltigkeit prognostizieren (56 Prozent), und der Anteil der Skeptiker, die durch KI einen erhöhten Ressourcenbedarf und eine Verschärfung des Klimawandels erwarten (44 Prozent), nahezu die Waage.
Praktikablere ESG-Regulierungen gefordert
Negativ beurteilen die Befragten die Regulierung. So fordern 92 Prozent eine praktikablere Regulierung für nachhaltige Kapitalanlagen. Gleichzeitig geben 60 Prozent der Befragten an, bei nachhaltigen Investments über gute oder sehr gute Kenntnisse zu verfügen.
Pariser Klimaziele hält nicht einmal jeder Zehnte für erreichbar
In Hinblick auf die Realisierbarkeit von Nachhaltigkeitszielen sind die Befragten skeptisch. So glauben 91 Prozent der Befragten nicht daran, dass die 2015 in Paris vereinbarten Klimaziele erreichbar sind. Zwar überwog bereits bei der Investorenbefragung im Jahr 2016 der Anteil der Skeptiker. Dieser hat sich jedoch seitdem um weitere 20 Prozentpunkte erhöht.
„Die meisten institutionellen Investoren setzen eine Nachhaltigkeitsstrategie um, sind aber realistisch. Sie wünschen sich eine deutlich pragmatischere Regulierung und sehen Nachhaltigkeit zunehmend als integrales Instrument ihres Investmentprozesses und Risikomanagements“, erläutert Rieger.
Über die Umfrage
Für die aktuelle Untersuchung wurden von Januar bis März 2026 insgesamt 130 institutionelle Investoren in Deutschland mit einem verwalteten Vermögen von rund 1,7 Billionen Euro befragt. Zu den Befragten zählten Großunternehmen (Anteil: 23 Prozent), Kreditinstitute (23 Prozent), Stiftungen/Kirchen (16 Prozent), Versicherungen (15 Prozent), Kapitalverwaltungsgesellschaften (15 Prozent) und Altersversorger/Pensionskassen (7 Prozent).
