Hohe Zinsen im hohen Norden

  • Daniel Herdt
  • Lazard Asset Management

MÜNCHEN – An den Kapitalmärkten rückt der nordische High-Yield-Markt zunehmend in den Fokus von Anlegern, sagt Daniel Herdt von Lazard Asset Management. Investoren könnten hier vergleichsweise hohe Erträge erzielen, während bestimmte Risikofaktoren strukturell geringer ausgeprägt seien als in traditionellen Hochzinsmärkten.

Beispiel Volatilität: Im direkten Vergleich liege die Schwankungsbreite von Nordic High Yield signifikant unter der von Euro- und US-High Yield-Anleihen, während das Renditeniveau höher sei, erläutert Daniel Herdt, Portfoliomanager und Analyst bei Lazard Asset Management in Deutschland. Investoren erhalten somit mehr Ertrag bei gleichzeitig moderaterem Risiko.

Dies spiegelt sich auch in den Renditen wider: „In entsprechend ausgerichteten Strategien liegen die annualisierten Renditen aktuell bei rund 8,8 % – bei gleichzeitig deutlich geringerer Volatilität als klassische Hochzinssegmente“, so der Experte (EUR-gesichert; Stand: 31. März 2026).

Strukturelle Mehrrendite bleibt bestehen

Als einen wesentlichen Treiber dieser Attraktivität nennt Herdt die sogenannte „nordische Prämie“. Diese liege langfristig bei rund 200 Basispunkten gegenüber europäischen High-Yield-Märkten und habe sich zuletzt wieder ausgeweitet. Diese Mehrrendite sei indes nicht auf ein höheres Ausfallrisiko zurückzuführen. Vielmehr sei sie „Ausdruck struktureller Besonderheiten eines vergleichsweise kleinen und weniger effizienten Marktes“. Dazu gehörten insbesondere kleinere Emissionsgrößen sowie ein hoher Anteil an Emittenten ohne externes Rating, wodurch sich eine engere Investorenbasis ergebe. „Aufgrund der geringeren Anlegernachfrage müssen die Emittenten im Gegenzug höhere Spreads zahlen“, löst Herdt die Besonderheit auf.

Fundamentaldaten und Ausfallraten stabil

Hinsichtlich der Kreditqualität wiederum liegen die Ausfallraten im nordischen High-Yield-Markt mit rund 2,7 % in etwa auf dem Niveau globaler Hochzinsmärkte, wie Herdt weiter ausführt. Zugleich hätten sich die Fundamentaldaten der Emittenten zuletzt verbessert. Insbesondere rückläufige Verschuldungsquoten sowie stabile beziehungsweise steigende Zinsdeckungsgrade träfen auf weiterhin erhöhte Risikoprämien. Darüber hinaus würden Marktindikatoren darauf hindeuten, dass die Ausfallrisiken sogar eher rückläufig seien, obwohl die Spreads auf einem vergleichsweise attraktiven Niveau verharren.

Strukturell geringere Zins- und Spread-Sensitivität

Als zentrales Unterscheidungsmerkmal gegenüber klassischen Hochzinsmärkten führt der Experte zudem die Struktur der Anleihen an. Weil rund zwei Drittel des Marktes aus variabel verzinsten Papieren bestehen, sei das Zinsänderungsrisiko deutlich reduziert.
Zudem liege die Duration im nordischen High-Yield-Markt typischerweise auf einem sehr niedrigen Niveau von unter einem Jahr, während die Spread-Duration mit rund 2 bis 3 ebenfalls deutlich unter den Werten traditioneller High-Yield-Indizes liege. „Das führt zu einer strukturell niedrigeren Volatilität, da sowohl Zins- als auch Spreadbewegungen weniger stark auf die Kurse durchschlagen“, erläutert Herdt.

Diversifikation durch eigenständiges Marktsegment

Neben Rendite- und Risikoeigenschaften hebt der Portfoliomanager auch den Diversifikationsnutzen hervor, da Nordic High Yield als eigenständiges Marktsegment mit spezifischen Treibern eine vergleichsweise geringen Abhängigkeit von klassischen Zinsentwicklungen aufweise. „Die Kombination aus lokaler Ausrichtung vieler Emittenten, geringer Zinsabhängigkeit und eigenständigen Marktstrukturen kann einen stabilisierenden Effekt im Portfolio haben“, fasst Herdt zusammen.

Marktumfeld und Ausblick

Das Marktumfeld spreche insgesamt für das Segment Nordic High Yield. 2025 sei ein Rekordjahr am Primärmarkt gewesen, und auch der Jahresauftakt 2026 zeige eine anhaltend solide Emissionsaktivität. Zugleich bleibe die Risikoprämie im historischen Vergleich attraktiv, während sich die Kreditqualität der Emittenten stabilisiere. Vor diesem Hintergrund zieht Herdt ein positives Fazit: „Nordic High Yield bietet weiterhin eine überzeugende Kombination aus Ertragspotenzial und Stabilität – insbesondere im aktuellen Umfeld erhöhter Zinsen und geopolitischer Unsicherheiten.“

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