Hochzinsmarkt vor Wendepunkt

  • Mark Hoffmann
  • Chief Investment Officer
  • Robus Capital

MÜNCHEN – Der europäische Hochzinsmarkt geht mit einer seltenen Mischung aus hoher Liquidität, engen Spreads und wachsender makroökonomischer Unsicherheit in das Jahr 2026, sagt Mark Hoffmann von Robus Capital. Er warnt zugleich vor einer aufgehenden Schere zwischen Marktpreisen und fundamentalen Risiken und rät zu selektivem Agieren.

Die Emissionstätigkeit am europäischen Hochzinsmarkt ist seit dem 2. Quartal 2025 erhöht, viele Neuemissionen waren überzeichnet. „Der Markt ist teuer, die Risikoaufschläge sind sehr niedrig und Investoren lassen sich die Hochzinsrisiken ungewöhnlich günstig bezahlen“, erklärt Mark Hoffmann, Chief Investment Officer bei Robus Capital. „Wir gehen davon aus, dass 2026 ein Jahr wird, in dem Qualität wieder den Ton angibt. Wer im Primärmarkt wahllos zeichnet, kauft Risiken ein, die erst später sichtbar werden.“

Primärmarkt überhitzt – „Nicht jede Anleihe verdient diese Bewertung“

Insbesondere die langfristigen geopolitischen Risikothemen, angefangen von den Konflikten in der Ukraine und im Nahen Osten, den US-Handelszöllen bis hin zur europäischen Schuldenlage, hätten bereits in den vergangenen Monaten rapide Spread-Bewegungen verursacht. „Wir erwarten zwar unmittelbar kein systemisches Kreditereignis, aber die Lage ist und bleibt angespannt“, betont der Experte. Nicht jede Anleihe verdiene aktuell gute Bewertungen, weshalb davon ausgegangen werden müsse, dass bald deutlichere Differenzierungen der Risikoaufschläge zu sehen sein werden.

Hohe Volatilität als Chance für aktive Value-Investoren

Für 2026 rechnen die Robus-Experten mit einem attraktiven Umfeld in ihren aktiven Kreditstrategien. So schaffe das Zusammenspiel aus geopolitischer Unsicherheit, normalisierten Zinsen und einer sich stabilisierenden europäischen Konjunktur Chancen für substanzorientierte Investoren. Insbesondere das Mid-Market-Segment wird als ineffizient eingeschätzt, was einen fruchtbaren Boden für umfassende Fundamentalanalysen biete.

Klar sei aber auch, dass Defaults einzelner Emittenten das zentrale Risiko bleiben. Hoffmann rät hier zwischen einem Default – etwa einem Covenant-Bruch – und einem tatsächlichen Verlust nach Verwertung der Sicherheiten oder Restrukturierung zu unterscheiden. „Entscheidend ist nicht der Default selbst, sondern der realisierte Verlust nach erfolgter Restrukturierung oder Verwertung“, präzisiert er. Hier gelte es, das Risiko durch sorgfältige Analyse und aktive Involvierung möglichst niedrig zu halten. Zumal es in manchen Situationen auch gelinge, den anfänglichen Buchverlust in einen realisierten Gewinn zu wandeln.

Marktumfeld im Wandel – Qualität bleibt Trumpf

Nach Jahren sinkender Risikoprämien würden sich nun erste Belastungszeichen zeigen, resümiert der Experte. Während große Emittenten sich weiter günstig refinanzieren könnten, gerieten kleinere Unternehmen unter Druck. So notiere etwa der iTraxx XOVER mit bei rund 270 Basispunkten deutlich unter dem Niveau von 300 bis 400 Basispunkten, das die Robus-Manager langfristig als gesund bewerten. „Dieses Spread-Niveau spiegelt das tatsächliche Risiko nicht wirklich wider“, erklärt Hoffmann. Allerdings seien ausgewählte Titel aus dem europäischen Hochzinsmarkt für Anleger, die nach Substanz im Portfolio suchen, auch 2026 sehr attraktiv.

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