Grünes Licht für den Goldpreis
- Alexander Posthoff
- Bantleon
MÜNCHEN – Für viele Anleger beunruhigend hat der Goldpreis in diesem Jahr eine Achterbahnfahrt hingelegt. Inzwischen hat er sich aber im Bereich von über 4000 US-Dollar je Unze stabilisiert, einem Niveau, das Alexander Posthoff von Bantleon sowohl charttechnisch als auch fundamental als fair bewertet ansieht. Sein Ausblick ist grundsätzlich positiv, als Kursziel nennt er 4800 bis 5000 US-Dollar je Unze.
„Goldinvestoren mussten in diesem Jahr starke Nerven haben, rauschte der Preis des gelben Edelmetalls doch vom Allzeithoch bei 5595 US-Dollar im Januar bis auf 3943 US-Dollar Ende Juni nach unten“, erinnert Alexander Posthoff, Senior Portfoliomanager bei Bantleon. Das entspricht einem Kursrückgang von rund 30% und führte in erster Linie zu einer Abkühlung des Marktsentiments. Die Unterseite dieser Korrekturformation bildete dabei die Marke von etwa 4000 US-Dollar je Unze. Hier gelang eine Stabilisierung. „Neben einer charttechnischen Einschätzung ziehen wir beim Management unserer Multi-Asset-Strategien auch fundamentale Bewertungsfaktoren heran, die ebenfalls ein faires Niveau von circa 4000 US-Dollar je Unze anzeigen“, führt der Goldexperte weiter aus.
Goldpreis wird von drei wichtigen Faktoren beeinflusst
Für die weitere Entwicklung müssten Anleger auf die Haupteinflussfaktoren des Goldpreises achten, rät Posthoff: erstens die Geopolitik, zweitens die Käufe und Verkäufe von Zentralbanken sowie drittens Zinsen, Schuldenlast, Dollar und Konjunktur in den USA. Dabei sei es wichtig zu wissen, dass eine sehr enge Wechselwirkung zwischen den einzelnen Faktoren besteht und ihre Bedeutung für die weitere Goldpreisentwicklung schwankt.
Dazu aktuelle Beispiele: Auf die Ankündigung des US-Finanzministeriums, länger laufende US-Staatsanleihen zurückzukaufen bei gleichzeitiger Ausgabe kurz laufender Papiere, reagierte der US-Dollar mit Kursverlusten, während der Goldpreis stark stieg. Eine (langfristige) Schwächung des US-Dollars hilft zweifellos der US-Administration, die Schuldenlast in den Griff zu bekommen, indem das Problem globalisiert wird, wie der Experte erklärt. Gleichzeitig entlastet die Umschichtung der Schulden im aktuellen Marktumfeld zunächst den Haushalt, erhöht jedoch andererseits die Unsicherheit bezüglich der künftigen US-Zinspolitik. Daher sei Zurückhaltung bei institutionellen Käufern zu erwarten, auch weil insbesondere staatliche Akteure aus Schwellenländern inzwischen gelernt haben, dass Haltern von US-Staatsanleihen unliebsame Sanktionen drohen können. Gold, Silber (und Kryptowährungen) als alternative Reserveanlagen zur Diversifikation dürften daher weiter an Bedeutung gewinnen.
Zentralbanken als Goldkäufer
Das sollte auch den aktuell wichtigsten Treiber für einen steigenden Goldpreis stützen: Käufe internationaler Zentralbanken. Im 2. Quartal 2026 erwarben die Notenbanken gemäß World Gold Council weltweit etwa 289 Tonnen Gold. Damit erreichten die offiziellen globalen Goldreserven einen historischen Höchststand. Zu den Käufern gehörten insbesondere China, Polen, Kasachstan und Usbekistan. Schwellenländer haben gegenüber den Zentralbanken der Industriestaaten insgesamt noch einen erheblichen Aufstockungsbedarf bei Gold als Währungsreserve, da ihr Goldanteil mit durchschnittlich 30% deutlich tiefer liegt.
Der Einfluss der US-Konjunktur
„Mit Argusaugen beobachten derzeit die Marktteilnehmer den amerikanischen Arbeitsmarkt und die weitere Entwicklung der US-Konjunktur“, weiß Posthoff. Rückschläge bei der Beschäftigung und schwächere Einzelhandelsumsätze nährten zuletzt die Hoffnung auf sinkende Zinsen. Diese wiederum würden die Attraktivität von Gold erhöhen, da bei sinkenden Opportunitätskosten (Zinsen) Staatsanleihen gegenüber dem zinslosen Gold ihren relativen Vorteil verlieren. Eine friedliche Lösung im US-Iran-Konflikt am Persischen Golf und damit einhergehend ein fallender Ölpreis würde für nachlassenden Inflationsdruck sorgen und Raum für Zinssenkungen schaffen, was wiederum den Goldpreis weiter stützen könnte. Gleichzeitig wäre aber die geopolitische Unsicherheit – zumindest temporär – gemindert. Die Wirkung dieser Faktoren würde sich hier somit aufheben.
Schuldenlast der USA als entscheidender Faktor
„Letztlich dominiert als Ergebnis im Zusammenspiel der genannten Faktoren die US-Schuldenlast beziehungsweise deren Tragfähigkeit den Goldpreis“, fasst der Experte zusammen. Komme es zu einer wirklichen Schuldenreduktion, werde diese den Preis des Edelmetalls belasten. Bleibe es indes lediglich bei der Bekämpfung der Schuldensymptome, stehe Gold eine glänzende Zukunft bevor.
Charttechnisch nennt Posthoff als konservatives Kursziel für das laufende Jahr eine Range von 4800 bis etwa 5000 US-Dollar je Unze. Unterstützend würden hierbei die Aufhellung des mittelfristigen Wochenchartbilds und das aktuelle Kaufsignal beim MACD-Indikator wirken. Dennoch erscheine das unmittelbare Kurspotenzial im Fall einer Erholung begrenzt. „Im Bereich um 4900 US-Dollar treffen eine Reihe technischer Widerstände zusammen, sodass den Bullen hier zunächst die Puste ausgehen dürfte“, mäßigt Posthoff allzu viel Euphorie.
