Großes Potenzial chinesischer Aktien
- Stephen Li Jen
- CEO
- Eurizon SLJ Capital
FRANKFURT – Aus Sicht von Stephen Li Jen, CEO bei Eurizon SLJ Capital, haben chinesische Aktien viel Aufwärtspotenzial. Erstens seien sie gemessen am KGV im Vergleich zu Aktien aus anderen Ländern sehr günstig. Zweitens würden chinesische Haushalte über reichlich Finanzkraft verfügen, die in Aktien umgeschichtet werden könnte.
„Nach den massiven Verkäufen seit Sommer 2021 haben sich chinesische Aktien noch nicht vollständig erholt“, erklärt Stephen Li Jen, CEO bei Eurizon SLJ Capital, die vergleichsweise günstige Bewertung an den Börsen. Gleichwohl dürfte das Gewinnwachstum ähnlich robust sein wie in den USA, auch wenn es geringer ausfällt als vor der Pandemie.
Als zweiten Grund für das beschriebene Aufwärtspotenzial nennt er die Finanzkraft der chinesischen Haushalte. In der Vergangenheit sei der Immobiliensektor die wichtigste Anlageform gewesen, um Ersparnisse anzulegen. Angesichts der anhaltenden Schwierigkeiten auf dem Immobilienmarkt und der beträchtlichen Ersparnisse würden die Haushalte nun über reichlich Spielraum verfügen, um ihre Ersparnisse in Aktien zu investieren. „Meiner Meinung nach ist dies der Grund, warum chinesische Aktien in den letzten 12 Monaten ohne offensichtliche Auslöser stark gestiegen sind“, betont er.
Unterstützung durch die chinesische Regierung
Neben den beiden wichtigsten Stützen für chinesische Aktien habe Peking darüber hinaus seine Kehrtwende, „wenn auch in einem weiten Bogen“, in der Regulierungspolitik fortgesetzt. Im Sommer 2021 zeigte sich Peking noch sehr streng gegenüber dem Immobiliensektor, dem Nachhilfesektor, dem Technologiesektor und den Privatunternehmen im Allgemeinen. Seit Sommer 2024 habe die Regierung jedoch seine Haltung in den meisten Bereichen umgekehrt und sich kürzlich für die Privatunternehmen ausgesprochen. Auslöser dürften in erster Linie die Entwicklungen bei KI gewesen sein. Sie erinnerten Peking daran, dass die Privatunternehmen in einem Technologiekrieg mit den USA eine entscheidende Rolle spielen und die Unterstützung Pekings verdienen.
Die immense Binnennachfrage in China
Ein weiterer Punkt sei die sehr große Binnennachfrage in China – auch wenn sich das nominale Wachstum in den letzten Jahren verlangsamte. „Dieser riesige Binnenmarkt bietet den wettbewerbsfähigeren Unternehmen die Möglichkeit, überproportionale Gewinne zu erzielen“, erinnert Li Jen. So wie einige der monopolistischen Unternehmen in Indien in einem großen Markt überproportionale Gewinne erzielen, gelte das Gleiche auch für die chinesischen Überflieger. Allerdings sei hier selektives Vorgehen gefragt, weil die chinesischen Aktienindizes mit mittelmäßigen Unternehmen überladen seien. Zwar könnten die Indizes aus den genannten Gründen steigen, doch die eigentlichen Gewinner in China könnten Renditen erzielen, die mit den Besten der Welt mithalten können.
Resümee
„Wir haben in den letzten Jahren gesehen, wie wichtig die Politik Pekings für die Entwicklung der chinesischen Aktien ist“, fasst Li Jen zusammen. Das größte Risiko sei eine falsch kalibrierte Politik, die von politischen Erwägungen bestimmt wird. Chinesische Haushalte verfügen über Ersparnisse und sind daran interessiert, diese zu investieren. Solange die Politik der Regierung dazu beiträgt, dass Unternehmen florieren und Renditen erzielen, dürfte sich ein positiver Kreislauf durch die Aktienkurse einstellen, so der Experte. Peking müsse sich weiterhin auf die Wirtschaft und den Wohlstand konzentrieren, lautet sein Rat.
