Goldpreis auf Rekordhoch – wie weiter?

  • Vincenzo Vedda
  • DWS

MÜNCHEN – Der Goldpreis steigt weiter und markiert immer wieder neue Höchststände. Viele Anleger stellen sich nun die Frage, ob ein Einstieg noch lohnt. Vincenzo Vedda, CIO der DWS, sieht weiterhin gute Chancen mit Goldinvestments. Um daran zu partizipieren, würden sich Investments in physisches Gold und Goldminenaktien gleichermaßen eignen.

„Starke physische Nachfrage, aber auch die Funktion des gelben Edelmetalls als sicherer Hafen in unsicheren Zeiten haben den Goldpreis auf Rekordstände getrieben“, fasst Vincenzo Vedda, Chief Investment Officer der DWS, die Entwicklung der vergangenen Monate zusammen. Bleibt die Frage, ob das auch so weitergeht. Vedda selbst bezeichnet die Aussichten für das Gesamtjahr 2025 als „konstruktiv“.

Zugleich bringt er mögliche Engagements in Goldminenaktien ins Spiel. Seiner Einschätzung nach seien beide Investitionsmöglichkeiten interessant, doch gebe es Unterschiede, die im Vorfeld einer Investmententscheidung berücksichtigt werden sollten.

Physisches Gold – Vermögenswert mit speziellen Vorzügen

Historisch gilt Gold als Absicherungsinvestment gegen Inflation und konjunkturelle Schwächephasen. In Bezug auf die Verwendung als Währung kann das gelbe Edelmetall auf eine mehr als 3000-jährige Geschichte zurückblicken, wie Vedda erinnert, „innerhalb derer Gold nahezu jedes andere bekannte Zahlungsmittel leicht in den Schatten gestellt hat“.

Heutzutage steht bei Gold eher die Funktion als Wertspeicher im Vordergrund. Die Menge an physischem Gold auf der Welt ist begrenzt, wobei die Goldförderung bereits vor Jahren ihren Höhepunkt erreichte. „Diese aktuelle und auch zukünftige Knappheit sollte unserer Einschätzung nach dazu beitragen, dass Gold langfristig einen Wert behält“, sagt der DWS-CIO. Folglich könne Gold etwa in Notsituationen problemlos gegen andere Güter getauscht werden.

Für Anleger ist auch wichtig, dass Gold in vielen Marktphasen eine geringe bis negative Korrelation zu anderen wichtigen Anlageklassen aufweist, was das Gesamtrisiko eines Portfolios reduzieren kann. Und obwohl es auch zu Phasen gleichgerichteter Entwicklungen kommen könne, betont Vedda, dass Gold als Portfoliobestandteil den doppelten Vorteil der Risikominderung und des Vermögensaufbaus biete.

Auslöser für die Gold-Hausse

Einflussfaktoren, die die positive Entwicklung des Goldpreises angetrieben haben, waren neben den Erwartungen an die US-Notenbank, die Leitzinsen massiv zu senken, unter anderem Sorgen um ein Ausufern des US-Haushaltsdefizits, eine weltweite Diversifizierung der Zentralbankreserven in Gold und somit starke Käufe insbesondere der chinesischen Zentralbank und anderer Notenbanken aus Schwellenländern, Absicherung gegen Inflation und eine geopolitische Landschaft mit immer neuen Problemherden. „Der Einfluss dieser Faktoren war so hoch, dass sich der Goldpreis im Laufe des Jahres zeitweise auch von einem steigenden Dollar und kletternden US-Renditen nicht hat aufhalten lassen“, erklärt Vedda.

ETF-Flows und der Goldpreis

Die Verlockungen des Goldes haben viele Anleger zu Engagements in Gold-ETFs verleitet, was wiederum die Goldnachfrage erhöht und den Goldpreis befeuert hat. Im Jahr 2024 zählte die DWS vierzigmal ein Allzeithoch bei Gold, woraufhin das Volumen physisch besicherter Gold-ETFs um 26 Prozent auf 271 Milliarden US-Dollar kletterte.

Die Hoffnungen der ETF-Investoren auf einen weiter steigenden Goldpreis, könnten aufgehen. So dürften nach Einschätzung der DWS die Zentralbanken ihre Goldkäufe fortsetzen. „Zudem gehen wir davon aus, dass mit der Amtseinführung Donald Trumps die Nervosität im Markt mit Blick vor allem auf die zu erwartende Wirtschafts- und Handelspolitik der neuen US-Administration für anhaltendes Interesse an Gold sorgen sollte“, sagt Vedda.

Ausblick für Goldminenaktien

„Auf den ersten Blick erscheinen Goldminenaktien als eine attraktive Alternative für Investitionen in physisches Gold für diejenigen, die indirekt an den Entwicklungen des gelben Edelmetalls teilhaben und sich zusätzlich das Performance-Potenzial einer Aktie sichern möchten“, erklärt der DWS-Manager. Die Vorteile: Im Gegensatz zu physischen Rohstoffen können Bergbauunternehmen Gewinne und Cashflows generieren, was den Investoren zugutekommt. Auch ermöglicht ein Aktieninvestment den Anlegern, sowohl an der aktuellen als auch an der zukünftigen Produktion der jeweiligen Minen zu partizipieren.

„Aktien von Minenbetreibern bieten unserer Einschätzung nach aufgrund höherer Gewinnspannen insbesondere während Bullenmärkten eine günstig bewertete Wachstumschance“, fasst Vedda zusammen. Die Branche scheine die Phase rasch steigender Kosten in den Griff bekommen zu haben. Allerdings werde es immer aufwendiger, neue Goldvorkommen zu erschließen. Insofern sollte bei der Aktienauswahl der Fokus darauf liegen, dass die Minenbetreiber nicht nur etabliert sind, sondern gleichzeitig auch bereits in die Sicherung der zukünftigen Produktionen investiert haben. Auch Kostenkontrolle und eine konsequente Zielerreichung sollten nachweislich vorhanden sein.

Gold oder Goldminen – Im Zweifel gerne beides

„Die aktuellen Treiber des Goldpreises dürften vorerst bestehen bleiben, sodass Gold 2025 das Potenzial für eine gute Performance hat“, resümiert Vedda. Zwischenzeitliche Gegenbewegungen und Rückschläge seien indes nicht auszuschließen. Was wiederum die Frage nach Gold oder Goldminen betrifft, ermöglicht seiner Einschätzung nach eine gute Mischung, von den Vorteilen beider Anlageklassen zu profitieren, ohne sich einer der beiden Anlageklassen und den damit verbundenen Risiken auszusetzen.

Zurückzum Seitenanfang