Goldpreis auf Höchststand – Notenbankkäufe auf Rekordniveaus
- Leopold Zellwecker
- steinbeis & häcker vermögensverwaltung
FRANKFURT – „Oft wird kritisiert, dass Gold keine Zinsen abwirft, an sich nicht produktiv ist und somit auch keinen Beitrag in einem Wertschöpfungsprozess leistet“ erklärt Vermögensverwalter Leopold Zellwecker. Ungeachtet dessen habe Gold seit der Antike seine Kaufkraft langfristig erhalten können.
Ab hier folgt die Marktanalyse von Leopold Zellwecker, steinbeis & häcker vermögensverwaltung in München:
„In der Vergangenheit kam es immer wieder zu „Vertrauenskrisen“ an den Finanzmärkten. Die letzte Banken- und Finanzkrise, von Amerikas Immobilienmarkt ausgelöst, endete schließlich in der Euro-Krise. Massive globale Stützungsprogramme konnten das Schlimmste verhindern.
Gold als Krisenbarometer
Der Schaden, welcher 2008/09 an den internationalen Börsen entstand, war enorm. Der DAX büßte beispielhaft zeitweise 50% seines Werts ein. Gold hingegen entwickelte sich in dieser Phase komplett konträr und konnte seinen Wert zeitweise mehr als verdoppeln. Das Vertrauen in Notenbanken und Regierungen war in dieser Phase auf seinem Tiefpunkt. Mit zurückkehrendem Vertrauen an den Finanzmärkten kam es anschließend zu einer sukzessiven Umschichtung von Gold in höher rentierliche Anlageklassen wie Aktien und Immobilien.
Dementsprechend ist es sinnvoll, die Goldquote der jeweiligen Situation aktiv anzupassen. Richtig eingesetzt, kann Gold ein Portfolio in kritischen Phasen stabilisieren und vor größeren Verlusten bewahren.
Heute stehen wir erneut vor unsicheren Zeiten, der Konflikt zwischen Israel und Hamas, der Krieg in der Ukraine sowie die Spannungen zwischen USA und China sind nur ein Auszug aus der aktuellen geopolitischen Gemengelage. Hinzu kommen beispielsweise Schwierigkeiten bei kleineren und mittleren Banken in den USA, hauptsächlich aufgrund von deutlich gesunkenen Preisen bei Gewerbeimmobilien. Einige dieser Banken dürften sich bei der Finanzierung verhoben haben. Ein Beispiel dafür ist die New York Community Bank deren Kurs innerhalb weniger Tage von über 10 auf unter 2 USD gefallen ist. Bei den großen US-Banken scheint die Lage bislang entspannt zu sein.
Notenbanken kaufen Gold
Notenbanken stockten mit jeweils über 1.000 Tonnen Gold in den Jahren 2022 und 2023 ihre Bestände deutlich auf und waren demnach für mehr als 20 Prozent der Gesamtnachfrage am Goldmarkt verantwortlich. Das klare Ziel dahinter ist die Stabilisierung der jeweiligen Landeswährung in einem Umfeld geopolitischer Spannungen.
Die zweite inflationäre Welle steht vor der Tür
Der Goldpreisanstieg antizipiert bereits höhere Inflationsraten in der Zukunft und erreichte mit über USD 2300 pro Unze einen neuen Höchststand. Ebenfalls beginnen die Preise für Energie und Rohstoffe zu steigen. Dies deutet darauf hin, dass wir uns bereits nahe am Fuß der zweiten Inflationswelle befinden.
Eine zusätzliche Unterstützung sollte zudem von der Zinsseite kommen. Wir gehen davon aus, dass sowohl die Zinsen in den USA und der Eurozone demnächst wieder fallen werden. Die US-Notenbank hat die geldpolitische Wende bereits angedeutet. Die Zinsbelastung aufgrund gestiegener Zinsen und hoher Staatsverschuldung, hat in den USA bereits die Marke von 1000 Milliarden USD geknackt und ist somit erstmals höher als die jährlichen Rüstungsausgaben von ca. 900 Milliarden USD.
Die Möglichkeiten von Gold-Investments
Grundsätzlich stehen dem Anleger diverse Möglichkeiten offen, in die Anlageklasse Gold zu investieren. Neben dem klassischen Kauf von Barren und Münzen besteht auch die Möglichkeit, entsprechende ETFs und ETCs zu erwerben. Kriterien, die man beachten sollte, sind das Volumen, die Art der Replizierung, ob eine Währungsabsicherung gewünscht ist und welche Produktkosten anfallen. Zudem kann der Anleger auch durch den Erwerb von Goldminenaktien am Goldpreis partizipieren.
Goldminen mit erheblichem Aufholpotential
Goldminen haben verglichen mit der Goldpreisentwicklung eine Unter-Performance von ungefähr 30 Prozent in den letzten drei Jahren vollzogen. Goldminen könnten nun eine Chance für Anleger darstellen, da in der Vergangenheit Goldminen meist als Hebel auf die Goldpreisentwicklung fungierten. Des Weiteren ist es dem Anleger hier möglich, Anteile an einem Goldvorkommen zu erwerben. Ein gutes Management gepaart mit einer hochwertigen Substanz der Mine kann dem Aktionär unter anderem durch die Erschließung neuer Goldvorkommen und guten Margen eine deutliche Überrendite gegenüber dem Goldpreis liefern.
Während der Goldpreis ein neues Allzeithoch sowohl in Euro als auch in USD markieren konnte, hinken die Goldminen in ihrer Performance diesmal deutlich hinterher. Dabei erzielen gut geführte Goldminen bei Gesamtkosten für die Gewinnung von einer Unze Gold von ungefähr 1200 USD und einem Goldpreis von über 2300 USD, Margen jenseits von 1000 USD. Wichtig dabei ist, Goldminen zu besitzen, die in geopolitisch sicheren Regionen ihre Minen betreiben. Ebenso sollten sie ihre Goldproduktion nicht bereits auf Jahre per Termin verkauft haben und demnach von einem steigenden Goldpreis nicht oder nur kaum profitieren.
Gold als Schutz und Versicherung
Gold sollte als Diversifikation in einem gut strukturierten Portfolio nicht fehlen. Es ist letztlich ein Schutz in der Vermögensanlage gegen die fortschreitende Erosion der Papierwährungen, die bereits im vollen Gange ist. Konnte man zur Einführung unserer Gemeinschaftswährung noch für 1000 EUR vier Unzen des gelben Metalls erwerben, so bekommt man heute für diesen Betrag nicht mal mehr eine halbe Unze Gold. Zudem gilt Gold als Versicherung gegen den Kollaps des Finanzsystems und geopolitische Konflikte. Eine Versicherung, die man hoffentlich nie benötigen wird.“
