Gold? Silber! – gute Gründe für einen Einstieg
- Cornel Bruhin
- MainFirst
MÜNCHEN – Der Goldkurs klettert derzeit von einem Höchststand zum nächsten. Hier lohnt der Blick auf andere Edelmetalle, die teilweise deutlich zurückgeblieben sind. Insbesondere Silber biete Potenzial, sagt Cornel Bruhin von MainFirst.
Die Erfahrung zeigt, jeder Goldboom löst im Anschluss auch einen Preisanstieg im gesamten Rohstoffuniversum aus. Daher könnte es sich für Anleger lohnen, auch die anderen Edelmetalle unter die Lupe zu nehmen. Nach Einschätzung von Cornel Bruhin, Portfoliomanager im Team Emerging Markets/Corporate Debt bei MainFirst, befindet sicch die Welt derzeit inmitten der vierten signifikanten Goldrallye in den vergangenen 100 Jahren. Seine Analysen zeigen auch, dass jede bisherige Goldhausse einen Preisanstieg im gesamten Rohstoffuniversum nach sich gezogen hat, während der generelle Aktienmarkt im Zeitraum des Goldpreisanstiegs 50 Prozent oder mehr nachgegeben hat. So sei in den USA die Börse zwischen 1972 bis 1974 um fast 50 Prozent gefallen und im selben Zeitraum der Goldpreis von 35 auf 185 US-Dollar gestiegen. Dieser kletterte dann bis 1980 weiter – auf 850 US-Dollar –, begleitet von einem Anstieg aller Rohstoffe, was sich im Bloomberg Commodity Index zwischen 1970 bis 1980 in einem Zuwachs von 16 auf 160 Punkte spiegelte.
Rotation im Investorenverhalten
„Jede der bisherigen Goldpreis-Rallyes wurde ausgelöst durch eine Rotation der Anlagepräferenzen“, konstatiert Bruhin. In den vergangenen Jahren seien die Tech-Werte dominant gewesen und markierten eine Hausse. Aber deren Beliebtheit habe zuletzt stark abgenommen und der Markt deutlich verloren. Die relative Stärke der Magnificent 7 scheint vorerst vorüber zu sein, urteilt der Experte.
Im Gegensatz dazu sei die Goldrallye noch nicht am Ende: „Historisch betrachtet hat eine Goldrallye im Durchschnitt acht Jahre gedauert.“ Davon ausgehend, dass der Start des aktuellen Goldbooms im März 2020 begann, bedeutet dies, dass sich die Marktrallye noch in der Frühphase befindet. „Ein Indiz dafür ist, dass verschiedene Rohstoffe noch nicht stark partizipiert haben“, sagt Bruhin. Jedoch sei anhand der Geschichte zu erwarten, dass sich das noch ändert. Insbesondere bei Silber, wo der Preis zurzeit nicht einmal auf dem Niveau von 1980 notiert.
Der Silberkurs als Spätzünder
„Es ist wichtig zu wissen, dass bei jeder Goldhausse das Verhältnis von Gold zu Silber beim Höchststand zwischen 15 und 45 lag“, erinnert Bruhin. Teilt man den aktuellen Goldpreis durch den Silberpreis, ergibt sich eine Relation von 89. Dies zeige, dass wir uns nicht einmal annähernd in der Nähe eines Höchstpunktes befinden. Kein Wunder: „Historisch ist Silber ein Spätzünder und steigt zum Ende des Zyklus stärker als Gold.“
Silber wird absehbar knapper
Ein weiteres Argument, das Edelmetall Silber ins Auge zu fassen, liegt in der relativen Knappheit. Zwar enthält die Erdkruste achtmal mehr Silber als Gold, wie Bruhin einräumt, dennoch reiche die Silberproduktion nicht aus, um den Bedarf von Industrie und Anlegern zu decken. So werde rund ein Viertel des Silbers zurzeit in Solarpaneele verbaut. Und nicht nur hier steigt die Nachfrage, denn Silber kommt in immer mehr Produktionen zum Einsatz: Samsung hat beispielsweise im vergangenen Jahr eine neue Batterie auf Silberbasis vorgestellt.
Erste Anzeichen für einen möglichen Short Squeeze
Die Nachfrage nach Silber lässt sich Bruhins Erkenntnissen nach recht gut einschätzen. So hätten zuletzt neben Russland auch Indien und China die Importe gesteigert. In Shanghai ist eine Rohstoffbörse entstanden, vergleichbar zur New York Commodities Exchange (COMEX) oder der Londoner Metal Exchange (LME), wo der Silberpreis permanent mit einer Prämie von drei bis fünf Prozent über den anderen Börsen gehandelt wird. „Das führt dazu, dass vermehrt Silber nach China gelangt, während sich im Westen der Markt verengt“, sagt der Experte. In der Folge hätten an der Comex und der LME die Lagerbestände kritische Tiefpunkte erreicht, auch, weil die Marktteilnehmer vermehrt nach physischer Lieferung verlangen. „Das könnte mittelfristig einen Short Squeeze auslösen“, fürchtet Bruhin.
Warten auf die Institutionellen Investoren
„Institutionelle Anleger sind noch nicht stark in Silber investiert“, weiß der Experte. Beispielsweise habe der iShares Silver Trust als größtes Silberanlagetool seit Jahresbeginn Abflüsse zu verzeichnen, während der Silberpreis in diesem Zeitraum von 29 auf knapp 33 US-Dollar angestiegen ist. Genau hier verortet Bruhin auch eine charttechnisch wichtige Linie. „Sollte diese durchbrochen werden, könnte sich die Anstiegsgeschwindigkeit des Silberpreises beschleunigen.“ Da wiederum der Markt für Silber im Vergleich zu Gold relativ klein ist, könnten schon kleinere Nachfragesteigerung zu spürbaren Kursausschlägen führen.
