Gold bleibt eine Quelle der Stabilität
- Violeta Todorova
- Leverage Shares
MÜNCHEN – Gold war 2025 eine der Anlageklassen mit der besten Wertentwicklung, in dem die Spot-Goldpreise im Jahresvergleich um 65 Prozent stiegen. Doch wie stehen die Chancen 2026? „Gut“, sagt Violeta Todorova von Leverage Shares – nicht zuletzt, weil sich die Rolle von Gold als strategischem Portfolio-Vermögenswert zunehmend gefestigt habe.
„Die Goldrallye von 2025 wurde nicht durch einen einzelnen Katalysator ausgelöst, sondern durch ein Zusammenspiel sich gegenseitig verstärkender Kräfte“, resümiert Violeta Todorova, Senior Research Analyst bei Leverage Shares & Income Shares. Eine zentrale Rolle spielten beispielsweise die erhöhte geopolitische und wirtschaftliche Unsicherheit, die neuen Zölle, der Krieg in der Ukraine, Sanktionsrisiken sowie wachsender Sorgen über die Tragfähigkeit der US-Finanzen. Gleichzeitig hätten niedrigere Opportunitätskosten die Nachfrage gestützt. Etwa indem sinkende Zinssätze und ein schwächerer Dollar die relative Attraktivität von Bargeld oder Anleihen verringerten, was Anleger dazu veranlasste, Gold verstärkt als Absicherung für ihre Portfolios in Betracht zu ziehen.
Verschiedene Faktoren trieben 2025 den Goldpreis in die Höhe
All dies habe eine erneute Portfoliodiversifizierung ausgelöst, da die Renditen von Anleihen wenig inspirierend waren und die Aktienbewertungen zunehmend überreizt wirkten – was Gold als bevorzugten Wertspeicher in den Vordergrund rückte, wie die Expertin zusammenfasst. Zudem sei die Investmentnachfrage über alle Regionen hinweg angestiegen, was, unterstützt durch eine starke Preisdynamik, neue Marktteilnehmer anlockte. Auch die Zentralbanken setzten ihr mehrjähriges Kaufprogramm fort, um ihre Reserven weg von auf US-Dollar lautenden Vermögenswerten zu diversifizieren.
Gold gewinnt an Bedeutung – die Nachfrage nach Sachwerten steigt
Nach einem Monat der Konsolidierung testete Gold vor Jahresschluss erneut sein Intraday-Hoch von 4.381 US-Dollar – unterstützt durch die Kombination aus der Lockerung der Fed-Politik, der anhaltenden Nachfrage der Zentralbanken und der schwelenden geopolitischen Unsicherheit, so Violeta Todorova. Unter anderem hätten die Zentralbanken der Schwellenländer ihre Goldbestände seit der globalen Finanzkrise inzwischen mehr als verdoppelt, wobei sich die Käufe nach 2022 noch beschleunigten, als die Diversifizierung der Reserven weg von Dollar-Assets an Intensität gewann. Zudem gebe es kaum Anzeichen für einen nennenswerten Verkaufsdruck.
Ein wichtiges Argument für Gold liege in den Risiken der Währungsentwertung, anhaltenden Haushaltsdefiziten und der Fragilität des Finanzsystems verankert. Ganz allgemein spiegele das steigende Interesse an Sachwerten die Sorge wider, dass Inflationsrisiken unterbewertet sind. So würden auch Rohstoffe jenseits von Gold beginnen, aus mehrjährigen Handelsspannen auszubrechen, was die Aussicht erhöhe, dass sich die Nachfrage weiter verbreitern könnte, falls auch nur in geringem Maße Umschichtungen von Aktien und Anleihen erfolgen würden.
Dessen ungeachtet bleibe die Nachfrage der Zentralbanken eine der stärksten strukturellen Stützen für Gold. So würden die Zentralbanken der Schwellenländer ihre Goldallokationen weiter erhöhen – als Absicherung gegen Sanktionsrisiken, Währungsvolatilität und steigende Staatsverschuldung. Zudem bleibe angesichts des immer noch bescheidenen Anteils von Gold an den weltweiten Reserven eine weitere Akkumulation wahrscheinlich.
ETF-Flüsse und Positionierung der Anleger
„ETF-Flüsse sind ein weiterer wichtiger Treiber der Goldpreisentwicklung“, sagt die Analystin. Nach mehreren Jahren mit Nettoabflüssen habe sich die ETF-Nachfrage 2025 kräftig erholt, was das physische Angebot verknappte und die Preisdynamik verstärkte. So sei die Nachfrage von Privatanlegern sprunghaft angestiegen, insbesondere über ETFs in Europa und Nordamerika, ohne Anzeichen der für das Ende eines Zyklus typischen Kapitulation, die normalerweise größeren Trendwenden vorausgeht. Es sei zu beobachten, dass sich die ETF-Zuflüsse weiter aufbauen, was die These stütze, dass Gold weniger als kurzfristige Absicherung, sondern vielmehr als strukturelle Allokation genutzt werde. Somit werde die Rallye eher von struktureller Nachfrage als von spekulativen Exzessen getragen resümiert Todorova.
Dabei betont sie, dass die gesamten ETF-Bestände unter den Höchstständen früherer Zyklen geblieben seien, was darauf hindeute, dass der Markt nicht überfüllt sei. Somit könnten selbst moderate Portfolio-Umschichtungen eine unverhältnismäßig große Auswirkung auf die Preise haben.
Bullenmarkt bei Gold wird wahrscheinlich anhalten
„Die außergewöhnliche Performance von Gold im Jahr 2025 scheint mehr als nur ein zyklischer Aufschwung zu sein“, sagt die Expertin. Strukturelle Kräfte wie die De-Dollarisierung, die weltweit steigende Verschuldung, anhaltende geopolitische Risiken und sich entwickelnde Anforderungen an den Portfolioaufbau hätten die Rolle von Gold auf den globalen Märkten gestärkt.
Und obwohl ein weiteres Jahr mit ungewöhnlich starken Renditen unwahrscheinlich sei, deute die Risikobilanz darauf hin, dass der mehrjährige Gold-Bullenmarkt intakt bleibe. Somit steche in einem zunehmend fragmentierten und unsicheren globalen Umfeld, in dem die Einflusssphären der Weltmächte neu gezogen werden, Gold weiterhin als seltene Quelle der Stabilität hervor.
Das makroökonomische Umfeld für Gold im Jahr 2026
Mit Blick auf das Jahr 2026 erwartet Violeta Todorova ein stabiles globales Wirtschaftswachstum, eine nachlassende Inflation und weitere, wenn auch begrenzte Zinssenkungen. Unter solchen Bedingungen könnten sich die Goldpreise auf hohem Niveau konsolidieren, anstatt steil weiter anzusteigen.
Die jüngste Geschichte zeige jedoch, dass sich Konsensprognosen selten reibungslos bewahrheiten. Geopolitische Spannungen bleiben ungelöst, Handelskonflikte bestehen fort und die Debatten über Inflation, Schuldentragfähigkeit und monetäre Glaubwürdigkeit sind alles andere als beendet. Diese Unsicherheiten würden die Attraktivität von Gold als strategische Absicherung noch verstärken.
Sollte das Jahr 2026 durch eine moderate Konjunkturabkühlung ohne Rezession gekennzeichnet sein, so die Expertin weiter, würde die Risikobereitschaft in einem solchen Umfeld wahrscheinlich allmählich nachlassen, da sich die Arbeitsmärkte abkühlen, die Konsumnachfrage nachlässt und die Erwartungen an den Aktienmärkten neu bewertet werden. Die Zentralbanken würden wahrscheinlich mit aggressiveren Zinssenkungen reagieren, als derzeit eingepreist ist. Sinkende Realrenditen, ein schwächerer US-Dollar und steigende Risikoaversion würden wiederum ein unterstützendes Umfeld für Gold schaffen, was die Preise bis Ende 2026 potenziell auf 4.800 steigen lassen könnte, gibt sich die Expertin sehr zuversichtlich.
