Globale Unternehmensanleihen – Puffer gegen Volatilität
- Peter Becker
- Capital Group
MÜNCHEN – „Globale Investment-Grade-Unternehmensanleihen bleiben trotz enger Kreditspreads attraktiv“, sagt Peter Becker von Capital Group. Als Argumente führt er vor allem die hohen Renditeniveaus, robuste Fundamentaldaten der Unternehmen und eine starke Nachfrage der Investoren an. So könnten die laufenden Erträge einen Puffer gegenüber Marktvolatilitäten schaffen.
„Die Kreditspreads sind inzwischen wieder sehr eng“, betont Peter Becker, Fixed Income Investment Director bei Capital Group. Das bedeute aber nicht, dass Unternehmensanleihen unattraktiv geworden seien. „Das aktuell hohe Ausgangsrenditeniveau schafft einen wichtigen Puffer gegen moderate Spreadausweitungen und bildet zugleich eine solide Grundlage für künftige Erträge“, zeigt er sich zuversichtlich.
Im zweiten Quartal des laufenden Jahres erzielten globale Investment-Grade-Unternehmensanleihen, gemessen am Bloomberg Global Corporate Investment Grade Index in US-Dollar und währungsgesichert, eine Rendite von 1,8 Prozent, wie er berichtet. Gleichzeitig sei die Emissionstätigkeit außergewöhnlich hoch geblieben –sowohl in den USA als auch in Europa kamen große Volumina neuer Unternehmensanleihen an den Markt. Die starke Nachfrage der Anleger habe dieses zusätzliche Angebot jedoch weitgehend aufnehmen können.
Robuste Fundamentaldaten treffen auf starke Nachfrage
Als wesentlichen Stützpfeiler des Marktes nennt Becker die soliden Unternehmensbilanzen: „Die Kombination aus soliden Fundamentaldaten, niedrigen Ausfallerwartungen und attraktiven laufenden Erträgen sorgt für eine anhaltend robuste Nachfrage.“ Zumal auch hohe Gesamtrenditen sowie die defensiveren Eigenschaften qualitativ hochwertiger Unternehmensanleihen zusätzliche Mittelzuflüsse in den Investment-Grade-Markt angezogen hätten. Und trotz der Befürchtung, dass das Rekordangebot zu steigenden Kreditspreads führen könnte, sei die Nachfrage breit genug, um die Emissionen ohne größere Verwerfungen zu absorbieren. Entsprechend bewegten sich die Spreads zum Quartalsende wieder in Richtung ihrer Mehrjahrestiefs.
Dabei verändere sich auch die Zusammensetzung des Angebots. „Das hohe Angebot ist nicht nur Ausdruck klassischer Refinanzierungsbedürfnisse“, so Becker. „Auch Investitionen in KI, Infrastruktur sowie Unternehmensaktivitäten wie Fusionen und Übernahmen sorgen für zusätzlichen Finanzierungsbedarf. Entscheidend ist deshalb, ob die Nachfrage mit diesem Angebot Schritt halten kann.“ Bislang sei das der Fall.
Laufende Erträge gewinnen an Bedeutung
Angesichts der mittlerweile engen Kreditspreads rücke die laufende Rendite stärker in den Fokus. Die aktuell attraktiven Ausgangsrenditen könnten moderate Spreadausweitungen teilweise abfedern und zugleich eine solide Grundlage für künftige Gesamterträge bilden. Damit seien die Risiken jedoch nicht verschwunden. „Anleger sollten die engen Spreads nicht mit einem risikofreien Umfeld verwechseln“, warnt Becker. „Geopolitische Entwicklungen, Inflation und fiskalische Sorgen können jederzeit neue Volatilität auslösen.“ Der Vorteil des aktuellen Umfelds sei jedoch, dass höhere laufende Erträge einen Teil solcher Schwankungen auffangen können.
Titelselektion gewinnt an Bedeutung
„Investment-Grade-Unternehmensanleihen sollten aus unserer Sicht weiterhin ein wichtiger Portfolioanker sein“, resümiert der Experte. „Sie verbinden attraktive laufende Erträge mit soliden Fundamentaldaten und Diversifikationspotenzial. Gerade in einem volatileren Umfeld, in dem Staatsanleihen als Portfolioanker aufgrund hoher Staatsschulden in Frage gestellt werden, ist diese Kombination wertvoll – vorausgesetzt, Anleger bleiben bei der Auswahl der einzelnen Anleihen selektiv.“
