Globale Aktienmarktrallye dürfte sich fortsetzen
- Marcio Costa
- Senior Portfoliomanager
- Bantleon
MÜNCHEN – „Die Aufwärtsdynamik bei diversen Aktienindizes deutet auf eine Fortsetzung der globalen Aktienmarktrallye hin“, sagt Marcio Costa von Bantleon. Das Sentiment biete Raum für eine weitere Verbesserung und auch die Positionierungen der Investoren seien noch nicht überzogen – Rücksetzer könnten wiederum für Aufstockungen genutzt werden.
Seit dem Abverkauf im April haben die meisten bekannten Aktienindizes (S&P500, NASDAQ, DAX und Eurostoxx) neue Höchststände erklommen. Europäische Investoren, die das US-Dollar-Risiko nicht abgesichert hatten, verzeichneten indes mit einer Investition in den MSCI World beispielsweise seit Jahresanfang nur einen Wertzuwachs von 1,8%, wie Marcio Costa, Senior Portfoliomanager bei Bantleon, berichtet. Im S&P500 schlage sogar ein Verlust von -1,1% zu Buche.
Durch die starke Abwertung des US-Dollars sehen die Indexstände amerikanischer Aktienindizes zwar optisch teuer aus, sind für nicht-amerikanische Investoren seit Jahresbeginn in Heimatwährung aber kaum gestiegen. Entsprechend können die aktuellen Bewertungen des amerikanischen Aktienmarktes nicht als überkauft angesehen werden, betont der Eperte, zumal 94% der Titel im S&P500 gemäß RSI-Indikator im normalen Bereich handeln würden.
Stimmung der Marktteilnehmer ist moderat positiv
Das Sentimentbild unterstütze diese Aussage: Es habe sich mit der V-förmigen Erholung am Aktienmarkt zwar deutlich aufgehellt, deute jedoch auf ein ausgeglichenes Verhältnis hin. Der Anteil der Fondsmanager, die gemäß einer Umfrage der Bank of America Aktien übergewichtet haben, ist im August von 10% auf moderate 28% gestiegen. Der Indikator CNN Fear and Greed wiederum liege mit 57 Punkten gerade so über dem neutralen Niveau.
Die AAII US-Investor-Sentiment-Umfrage weist einen Anteil von nur 42% Optimisten aus, denen 43% Pessimisten gegenüberstehen, wie Costa weiter ausführt. Damit sei „viel Raum für eine weitere Aufhellung des Sentiments vorhanden“. Weitere Indikatoren wie die Put-Call-Ratio, CFTC-Daten und die Entwicklung der High-Yield-Spreads würden dies bestärken.
Erhöhte Volatilität dürfte schnell vorübergehen
„Saisonal waren die Herbstmonate historisch oft von Schwäche geprägt und bergen das Potenzial für negative Überraschungen geopolitischer, militärischer oder geldpolitischer Natur“, erklärt der Portfoliomanager. So könnten neue Zölle die Aktienmärkte temporär erschüttern, weitere Verletzungen des Nato-Luftraums durch Russland folgen oder die Fed-Politik das Sentiment eintrüben. Dies werde in Teilen bereits durch erhöhte Volatilitätserwartungen eingepreist, wie an der Terminkurve für Futures auf den Index VIX ablesbar: je länger die Laufzeit, desto höher die eingepreiste Volatilität. Diese Turbulenzen dürften kurzweiliger Natur sein, wenn man bedenke, dass die Fed mit ihren Zinssenkungen die Finanzierungskonditionen weiter lockert und die solide Konjunkturentwicklung die risikoreicheren Assetklassen unterstützt. Dies komme insbesondere zinssensitiven Segmenten wie Small Caps zugute. „Die Wahrscheinlichkeit einer anschließenden Jahresendrallye ist hoch“, betont Costa.
Marktbreite ist moderat positiv zu werten
Die Marktbreite ist nach Einschätzung des Bantleon-Managers regional betrachtet äußerst hoch. So würden sich 91% der Länderindizes im Aufwärtstrend befinden, was für eine globale, breit abgestützte Aktienmarktentwicklung spreche. Innerhalb der Indizes sei dies jedoch differenzierter, wo etwa im S&P500 39% des Gewichts auf die zehn größten Titel entfallen. Dies verdeutliche die Anfälligkeit für temporäre Kursschwächen.
Dessen ungeachtet notieren 63% der Titel im S&P500 und 61% derjenigen beim Eurostoxx über ihrer 200-Tage-Linie, was darauf hindeutet, dass der überwiegende Teil der Titel der Aufwärtsbewegung folgt. Gleichzeitig erklommen weniger als 8% der Aktien im S&P500 und 11% im Eurostoxx neue 4-Wochen-Hochs, was wiederum auf eine abnehmende Dynamik hindeute. Die Marktbreite sei damit moderat positiv zu werten.
Charttechnik: Kaufsignale für S&P500 und Eurostoxx
Das charttechnische Bild sei für den S&P500 positiv und für den Eurostoxx moderat positiv, fügt Corta an. So gebe der MACD-Indikator für beide Märkte ein Kaufsignal und auch diverse gleitende Durchschnitte seien für beide aufwärtsgerichtet. Die Bollinger-Bänder geben für den S&P500 ebenfalls ein Kaufsignal, was auf eine stärkere Trenddynamik beim S&P500 hindeutet. Erst beim Unterschreiten der Marke von 6500 Punkten (-1,6%) würde das Signal drehen und für einen taktischen Verkauf sprechen.
Übergeordnet befinde sich der S&P500 jedoch seit Mai in einem Aufwärtstrend, weshalb der Experte davon ausgeht, dass der Index an der Marke von 6500 Punkten gut unterstützt ist. Sollte sich der Aufwärtstrend mit dieser Dynamik fortsetzen, so könnte der Index noch in diesem Jahr bis auf 7000 Punkte steigen (+6,1%), sollte der Index jedoch unter die Marke von 6500 Punkten, sei der Weg bis auf 6150 Punkte frei.
Der Eurostoxx wiederum befinde sich seit Mai in einer volatilen Seitwärtsbewegung und hat die Outperformance vom Jahresbeginn gegenüber dem amerikanischen Aktienmarkt nicht fortgesetzt. Für einen positiven Ausbruch müsste der Index das zyklische Hoch von 585 Punkten überwinden (+1,7%). Sollte dies gelingen, wäre der Weg bis auf 600 Punkte frei. Rücksetzer könnten Anleger bei beiden Indizes für Aufstockungen nutzen.
