Fokus auf die Wall Street
MÜNCHEN – Selten waren sich die Experten so einig wie beim Aktienausblick 2025 – aller Augen sind auf die USA gerichtet. „Amerikanische Aktien werden auch 2025 weiter glänzen“, sagt Robert Halver stellvertretend für viele. Der Leiter Kapitalmarktanalyse der Baader Bank geht davon aus, dass US-Präsident Donald Trump die angekündigte „America first“-Politik rigoros durchzieht, wovon in erster Linie die US-Börsen profitieren werden.
Die meisten Portfoliomanager haben sich bereits positioniert. Der monatlichen Umfrage der Bank of America (BofA) zufolge haben viele spätestens nach der US-Wahl ihre US-Aktienbestände aufgestockt. Das zeigt sich auch an den Mittelzuflüssen bei ETFs mit US-Aktien, die nochmals stark zugenommen haben.
Diese Präferenz des US-Markts ist angesichts der robusten Gewinnentwicklung der Unternehmen nachvollziehbar. Analysten erwartet 2025 für die Aktien im S & P 500 ein Gewinnwachstum von 15 Prozent. Besonders gute Chancen sehen viele Anlageprofis für Aktien aus der Finanzbranche und der Industrie. Auch Technologiewerte bleiben Favoriten.
Grafik: Der amerikanische Index S & P 500 hat sich in den vergangenen Jahren deutlich besser entwickelt als der weltweite Aktienmarkt ohne die USA

Marktrotation in Sicht
Allerdings sind auch Mahnungen zu vernehmen, dass aufgrund der hohen Bewertungen eine mögliche Korrektur nicht auszuschließen ist. So beziffert William Davies, Global CIO bei Columbia Threadneedle, das Forward-KGV des US-Markts mit über 25 – als teuerstem Aktienmarkt der Welt. Zum Vergleich: Das Forward-KGV des MSCI All-Country World Index ex-US beträgt lediglich 16,3. „So groß war dieser Abstand seit mehr als zwei Jahrzehnten nicht mehr“, sagt Davies. Mit einer Underperformance rechnet er hingegen erst dann, wenn andere Märkte schneller wachsen. Doch bis dahin gelten die USA als dynamischster Markt der Welt.
Die Frage, die sich aktuell viele Anleger stellen: Werden die Magnificent 7, also Alphabet, Amazon, Apple, Meta, Microsoft, Nvidia und Tesla, auch 2025 das Maß aller Dinge sein? Für Christophe Braun, Equity Investment Director bei Capital Group, eher nicht. Seiner Einschätzung nach sind bereits erste Anzeichen einer Marktrotation zu erkennen. „Es gibt viele Unternehmen in allen Branchen, die über hervorragende Geschäftsbereiche, starke und zuverlässige Cashflows und Gewinnwachstumspotenzial verfügen. Insofern denke ich, dass die Anleger ein breiteres Spektrum an Möglichkeiten zu erkennen beginnen.“ Ähnlich das Ergebnis der BofA-Umfrage, wonach die Profis verstärkt nach kleineren und mittleren Unternehmen Ausschau halten.
Und Europa?
In Europa stehen nach Ansicht von Ivan Domjanic, Kapitalmarktstratege bei M & G Investments, unterbewertete Value-Titel im Fokus. Hier sei viel Pessimismus eingepreist, aber eben auch enormes positives Überraschungspotenzial.
Björn Glück, Portfolio Manager bei Lupus alpha, neigt hingegen zu Nebenwerten. Hier ließen sich Unternehmen finden, „die international aufgestellt sind, attraktive Cashflows generieren und über Preissetzungsmacht verfügen“. Das Problem: Die Börsenbewertung spiegelt das zurzeit nicht wider. Glücks Rat: „Es ist immer sinnvoll, eine Assetklasse, die momentan nicht beliebt und historisch niedrig bewertet ist, ins Portfolio aufzunehmen, denn wenn der Turnaround kommt, dann kommt er meist sehr schnell.“
Hinweis: Dieser Beitrag ist zuerst erschienen in TiAM - Trends im Asset Management
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