Europas Transformation – die Investmentchance des Jahrzehnts
- René Møller Petersen
- Nordea Asset Management
MÜNCHEN – „Die Situation in einer der wichtigsten Schifffahrtsstraßen der Welt hat uns einmal mehr vor Augen geführt, wie verwundbar Europas Energieversorgung ist“, sagt René Møller Petersen, Portfoliomanager bei Nordea Asset Management. Darin liege aber zugleich eine der größten Investmentchancen dieses Jahrzehnts.
Einerseits sei die Energieabhängigkeit nur ein Teil einer deutlich größeren Herausforderung, vor der Europa heute steht, führt der Experte weiter aus. Vergleichbare Verwundbarkeiten würden in Bezug auf Lieferketten, industrielle Produktion, kritischen Technologien und sicherheitsrelevanter Infrastruktur bestehen. Dabei werde Europas Abhängigkeit von externen Anbietern – von Rohstoffen und Halbleitern bis hin zu Verteidigungsfähigkeiten – immer offensichtlicher.
Andererseits gehe Europa diese Themen nach Petersens Einschätzung inzwischen entschlossen an – mit Investitionen, deren Volumen der Dimension der Herausforderungen gerecht wird. Wichtig dabei: „Der Schritt von der Erkenntnis zu konkreten Investitionen schafft neue Chancen. In den Bereichen Energie, industrielle Produktion und Verteidigung fließt Kapital zunehmend in Projekte und Unternehmen, die strategische Abhängigkeiten verringern und die Widerstandsfähigkeit Europas stärken.“
Besondere Chancen für Anleger
Der Fondsmanager hebt hervor, dass die gezielte Verringerung strategischer Verwundbarkeiten einen mehrjährigen Investitionszyklus antreibe, der weit über einzelne Sektoren hinausreiche. Hierzu stellt er drei Bereiche heraus, in denen er besonders große Chancen für Anleger sieht: Energieresilienz, die Rückverlagerung industrieller Produktion sowie Verteidigung und Cybersicherheit.
Als ein Beispiel nennt Petersen das französische Unternehmen Legrand. Es zeige, dass Energieresilienz nicht nur auf der Ebene der Energieerzeugung einen Unterschied mache, sondern auch bei Gebäuden und Verteilnetzen. „Während Europa Elektrifizierung, Energieeffizienz und intelligentes Energiemanagement vorantreibt, wird elektrische und digitale Infrastruktur zu einem immer wichtigeren Bestandteil eines widerstandsfähigeren Energiesystems“, erklärt der Experte.
Als weiteres Beispiel nennt er den niederländischen Halbleiterkonzern ASML, bei dem augenscheinlich werde, wie eng die Rückverlagerung industrieller Produktion mit Europas Anspruch verbunden ist, seine strategischen Technologien und seine Kompetenzen in der Fertigung zu stärken. „In einer Welt stärker regionalisierter Lieferketten und wachsender Bedeutung technologischer Souveränität wird Ausrüstung für die Halbleiterindustrie zu einem zentralen Baustein der industriellen Erneuerung Europas“, sagt Petersen.
Fazit
Die Situation in der Straße von Hormus sei nur eines von vielen Beispielen dafür, dass Europas strategische Abhängigkeiten keine abstrakten Risiken sind, fasst Petersen zusammen. Sie könnten sich unmittelbar in Preisschwankungen, Lieferunterbrechungen und langfristigen Wettbewerbsnachteilen niederschlagen. Zugleich entstünden daraus aber auch neue Chancen, weil Kapital verstärkt in innovative Unternehmen fließe, die konkrete Lösungen anbieten.
„Europas Transformation ist bereits im Gange, und Kapital wird in erheblichem Umfang mobilisiert. Der Wendepunkt liegt nicht in der Zukunft – er findet jetzt statt. Für Anleger beginnt die Chance gerade erst.“
