Europas Small & Mid Caps: Chancen in einer neuen Investitionsära
- Birgitte Olsen
- Bellevue AM
MÜNCHEN – Europäische Small und Mid Caps entwickelten sich in diesem Jahr erfreulich, trotz der belastenden Situation im Iran, und liefen im Einklang mit den europäischen Leitindizes, erinnert Birgitte Olsen von Bellevue AM. Zugleich habe der Anstieg des Ölpreises auf über 100 Dollar zu einer Marktkorrektur geführt, was sie „angesichts der überzeugenden Rahmenbedingungen“ als Chance betrachtet.
„Gesunde Margen und ein solides Gewinnwachstum prägten die Berichtssaison zum zweiten Quartal“, sagt Birgitte Olsen, Head Entrepreneur Investments, Bellevue Asset Management. Seit Jahresbeginn seien daher die Gewinnerwartungen für europäische Unternehmen um rund 6% angehoben worden. Für 2026 werde nun ein Wachstum von 14% erwartet, deutlich mehr als im langfristigen Durchschnitt. Dabei verzeichneten mit Ausnahme der Automobilbranche und des Nicht-Basiskonsumgütersektors alle Sektoren eine positive Umsatz- und Ergebnisentwicklung.
Solides Gewinnwachstum und positives Konjunkturumfeld
Auch die europäischen Konjunkturdaten überraschten positiv, sagt die Expertin. Die Einkaufsmanagerindizes für das verarbeitende Gewerbe würden sich verbessern, die wirtschaftliche Aktivität bleibe robust. Zudem wurden die BIP-Wachstumsprognosen für die Eurozone und Deutschland angehoben. Das sieht sie als gute Voraussetzungen für die im Oktober beginnende Berichtssaison zum dritten Quartal – insbesondere für europäische Small und Mid Caps.
Der CapEx-Superzyklus
Europa stehe am Beginn eines langfristigen Investitionszyklus, so die Einschätzung. KI, Energiesicherheit und geopolitische Neuausrichtungen würden private und öffentliche Investitionen antreiben, wovon das Small- und Mid-Cap-Segment mit seinen zahlreichen spezialisierten Unternehmen besonders profitieren dürfte.
Entscheidende Punkte für Anleger
- KI-Investitionen reichen weit über den Technologiesektor hinaus. Der steigende Energiebedarf und der notwendige Infrastrukturausbau schaffen Chancen für weniger offensichtliche Profiteure.
- Das neue Marktregime ist geprägt von höheren Realzinsen, stärkerer Volatilität und zunehmenden staatlichen Eingriffen. Die Rückverlagerung von Lieferketten und Investitionen in die Infrastruktur erhöhen zugleich Kapitalintensität und Finanzierungskosten.
- Angesichts der Marktkonzentration, insbesondere im weitläufigen KI-Ökosystem, sind aktive Aktienselektion, ausgewogene Diversifikation und konsequente Bewertungsdisziplin zentral.
- Europäische Industrie- und Technologieunternehmen sowie Sachwerte aus der „Old Economy“ dürften profitieren.
Industrieunternehmen im Fokus
„Industriewerte machen rund 30% des europäischen Small- und Mid-Cap-Segments aus“, sagt Olsen. Sie würden sowohl vom verbesserten Konjunkturumfeld als auch von strukturellen Trends wie Elektrifizierung, KI-Infrastruktur, Energieeffizienz, industrieller Automatisierung und der Rückverlagerung von Produktionskapazitäten profitieren. Die daraus entstehende Nachfrage begünstige hoch spezialisierte Unternehmen, die in ihren Nischen führend sind, über Preissetzungsmacht verfügen und Wachstumsperspektiven über einzelne Konjunkturzyklen hinaus besitzen. Beispielsweise könnten die Unternehmen Andritz, Nexans und Nordex von der steigenden Nachfrage in spezialisierten Endmärkten wie Wasserkraft, Kabelsystemen und Onshore-Windenergie profitieren.
